Immunsystem

Regulatorische T-Zellen als Therapieziel

Würzburg/Mainz - 06.02.2011, 07:50 Uhr


Forscher der Universitäten Würzburg und Mainz haben jetzt neue Erkenntnisse vorgestellt, die in Zukunft dazu beitragen könnten, neue Möglichkeiten der Behandlung von Autoimmun- und Krebskrankheiten zu entwickeln. Dabei stehen regulatorische T-Zellen im Mittelpunkt.

Das Immunsystem muss einerseits Krankheitserreger und Krebszellen bekämpfen, andererseits darf den eigenen Organismus nicht angreifen. Falls es das irrtümlicherweise doch tut, können Autoimmunkrankheiten, wie Rheuma, Typ-1-Diabetes mellitus oder Psoriasis enstehen.

Um die gesunde Balance zu halten, muss das Immunsystem die Aktivität seiner zahlreichen Komponenten genau steuern. Eine zentrale Rolle spielen dabei die regulatorischen T-Zellen. Erst seit etwa zehn Jahren ist bekannt, dass sie Fehlreaktionen des Immunsystems dämpfen. Im Körper von Patienten mit Autoimmunkrankheiten sind zu wenige von ihnen vorhanden, bei Krebspatienten dagegen oft zu viele. Regulatorische T-Zellen sind interessante Angriffspunkte für neue Therapien. So besteht zum Beispiel die Hoffnung, eine bessere Immunantwort gegen Krebs zu erreichen, wenn man diese Zellen vorübergehend ausschaltet, oder die Symptome von Autoimmunkrankheiten zu lindern, indem man die Zellen aktiviert.

Die Eigenheiten der regulatorischen T-Zellen werden auch am Institut für Pathologie der Universität Würzburg ergründet. Hier haben Forscher im Jahr 2007 entdeckt, dass die regulatorischen T-Zellen mit den „normalen“ T-Zellen des Immunsystems kommunizieren können, indem sie kleine Verbindungstunnel zu ihnen anlegen und sie dann mit dem Botenstoff cAMP vollpumpen. Als Reaktion darauf teilen sich die „normalen“ T-Zellen nicht mehr und stellen die Produktion entzündungsfördernder Stoffe ein. Das bremst die Aktivität der gesamten Immunabwehr. Im Fall einer Autoimmunkrankheit wäre das ein durchaus erwünschter Effekt.

Wie die regulatorischen die normalen T-Zellen ausschalten, beschreiben Würzburger und Mainzer Forscher in einer aktuellen Arbeit: Der übertragene Botenstoff cAMP führt in den normalen T-Zellen zur verstärkten Produktion eines Proteins, das viele Gene lahm legt. Davon betroffen ist auch das NFATc1-Gen, wodurch wiederum die Produktion von entzündungsfördernden Interleukinen gestoppt wird. Dieser neu entdeckte Ablauf ist ein wesentlicher Schritt bei der Regulation des Immunsystems. Als nächstes wollen die Wissenschaftler weitere molekulare Details klären.

Quelle: Väth, M., et al.: Proc. Natl. Acad. Sci, Online-Publikation am 24. Januar 2011, doi: 10.1073/pnas.1009463108.


Dr. Bettina Hellwig


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