Immunsystem

Wurminfektionen verändern T-Zellen

Erlangen-Nürnberg - 03.02.2012, 11:51 Uhr


Erlanger Infektionsbiologen haben neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie unser Körper besser vor Allergien und Autoimmunreaktionen geschützt werden kann: Sie konnten einen positiven Effekt von Wurmparasiten auf bestimmte Formen von T-Helferzellen nachweisen.

Ziel der Erlanger Forscher ist es nun herauszufinden, wie die Würmer das Immunsystem beeinflussen, um neue Ansätze zur Entwicklung wirksamer Medikamente zu liefern.
Das Immunsystem schützt uns vor einer Vielzahl von Krankheitserregern. Dabei spielen T-Helferzellen eine zentrale Rolle. Sie sind an der Aktivierung von Fresszellen und Bildung von Antikörpern beteiligt, die in den Körper eindringende Bakterien und Viren bekämpfen. Normalerweise also greifen T-Helferzellen körpereigenes Gewebe nicht an – bei Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose oder Typ-I-Diabetes kommt es allerdings zum Verlust dieser Toleranz: Hier entwickeln sich T-Helferzellen des Typs Th1 und Th17, die beide eine starke Entzündungsreaktion auslösen. 

Autoimmunkrankheiten treten in Ländern mit geringen Hygienestandards seltener auf. Eine Hypothese besagt, dass eine Infektion mit Wurmparasiten, die in diesen Ländern häufig vorkommen, vor ungewollten Reaktionen des Immunsystems wie Allergie und Autoimmunität schützen kann. Wie das genau geschieht, darüber ist bisher jedoch wenig bekannt.
Die Nürnberger Forscher haben nun neue Erkenntnisse für einen möglichen Mechanismus gewonnen. Sie konnten zeigen, dass bei Mäusen, die mit dem Wurmparasiten Nippostrongylus brasiliensis infiziert wurden, die für Autoimmunprozesse verantwortlichen Th1- und Th17-Zellen zu Th2-Zellen umprogrammiert werden können. Th2-Zellen schütten Botenstoffe aus, die einen hemmenden Einfluss auf Th1- oder Th17-vermittelte Immunreaktionen haben. Damit ist erstmals ein konkreter Nachweis dafür gelungen, dass Wurmparasiten einen positiven Effekt auf die Umprogrammierung von T-Zellen und damit auf unser Immunsystem haben.
Die Erlanger Infektionsforscher untersuchen nun, wie diese unerwartete Flexibilität von T-Zellen künftig therapeutisch genutzt werden kann.

Literatur: Panzer, M., et al.: J. Immunol. 2012;188:2615-23



Dr. Bettina Hellwig


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