Zytokine

Interleukin 37 hemmt Entzündungen

München - 31.10.2010, 06:25 Uhr


Der Botenstoff Interleukin 37 bremst die Immunantwort und wirkt dadurch stark entzündungshemmend. Dabei wirkt er sowohl innerhalb als auch außerhalb der Zelle und moduliert die

Kommt es zu einer Infektion oder einer Verletzung, werden von Zellen der Immunabwehr unter anderem Interleukine ausgeschüttet, die als Botenstoffe des Immunsystems die körpereigene Abwehr steuern. Interleukine modulieren die Immunantwort, allerdings nicht immer in die gleiche Richtung. Während einige Interleukine die Immunreaktion verstärken, bremsen sie andere wieder. Zum Beispiel stimuliert Interleukin 1-beta die Immunreaktion stark.

Interleukin 37 (IL-37) wurde vor etwa zehn Jahren mit Hilfe von genetischen Analysen entdeckt. Die Funktion dieses Moleküls war bisher allerdings völlig ungeklärt. Seine immunsupprimierende Wirkung wurde jetzt durch Untersuchungen an Zellkulturen entdeckt, die mit Lipopolysacchariden behandelt wurden. Lipopolysaccharide sind unter anderem Bestandteil von Bakterienzellwänden und lösen normalerweise heftige Entzündungsreaktionen aus. Nach der Behandlung mit Lipopolysacchariden fanden die Wissenschaftler in den Zellkulturen, die kein IL-37 bilden konnten, verstärkt entzündungsfördernde Botenstoffe. Zellen, die IL-37 produzieren konnten, waren dagegen vor überschießenden Entzündungsreaktionen umfassend geschützt. Hier wurde die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe fast völlig unterdrückt.

Dasselbe Bild zeigte sich auch bei der Untersuchung transgener Mäuse, die menschliches IL-37 produzieren: IL-37 dämpfte auch bei ihnen die Immunreaktion gegen Lipopolysaccharide, die bei Mäusen normalerweise einen Schockzustand auslösen.

Innerhalb der Zelle greift IL-37 in den TGF-beta-Signalweg ein, der entzündungshemmende Reaktionen vermittelt. Diese Kreuzverbindung eines Botenstoffs der Interleukin-1 Familie mit einem derartigen Signalweg war bisher noch nicht bekannt. Der Wirkmechanismus außerhalb der Zelle ist noch nicht im Detail aufgeklärt.

Jetzt soll die Schutzwirkung von Interleukin 37 bei verschiedenen Krankheiten näher untersucht werden. Hierzu sind Untersuchungen zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sowie Leberentzündungen geplant, die bei Kindern oft nur durch sehr starke immunsupressive Arzneimittel behandelt werden können. Die Forscher hoffen, dass neue Therapiemöglichkeiten entwickelt werden können, die über den Wirkpfad von IL-37 helfen, überschießende Immunreaktionen zu bremsen.

Quelle: Nold, M. F. et al.: Nature Immunol. 2010; 11:1014-1022


Dr. Bettina Hellwig


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