Lungenkrebs

Micro-RNA schützt vor Metastasen

Heidelberg/Mannheim - 11.09.2010, 07:30 Uhr


Ein kleines RNA-Molekül bestimmt darüber, ob Lungenkrebszellen invasiv wachsen und Metastasen bilden, wie jetzt Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universitätsmedizin Mannheim entdeckten.

Die Metastasenbildung geht mit charakteristischen Veränderungen der Krebszellen einher: Die Aktivität mehrerer Gene wird umprogrammiert und dadurch die Produktion von Proteinen gedrosselt, die die Zellen im Gewebeverband verankern. Dagegen steigt die Menge an Oberflächenmarkern, die der Krebszelle Beweglichkeit verleihen.

Die Herstellung vieler Proteine wird durch so genannte Micro-RNAs gesteuert. Diese RNA-Moleküle, die aus nur etwa 23 Bausteinen bestehen, heften sich gezielt an Boten-RNAs, die die Bauanleitung für Proteine enthalten. So blockieren sie die Herstellung des betreffenden Proteins. Wahrscheinlich spielen die Micro-RNA auch eine wichtige Rolle bei der Metastasierung und programmieren die Zellen zu bösartigem Wachstum. In verschiedenen Zelllinien von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs untersuchten die Forscher nun den besonders verdächtigen Kandidaten miR-200c auf seine Rolle beim bösartigen Wachstum: Je weniger miR-200c eine Zelllinie bildet, desto beweglicher ist sie und desto weiter wandert sie in umgebendes Gewebe. Wurden die Krebszellen experimentell mit zusätzlicher miR-200c ausgestattet, stieg die Menge der gewebeverankernden Moleküle auf ihrer Oberfläche und die Invasionsfähigkeit ging zurück. Im Tierexperiment bildeten diese Zellen weniger Metastasen aus.

Auch bei der Resistenz gegen Chemotherapie sowie gegen zielgerichtete Krebsmedikamente scheint ein Mangel an miR-200c eine Rolle zu spielen: Nachdem therapieresistente Lungenkrebs-Zelllinien experimentell mit miR-200c ausgestattet wurden, ließen sie sich durch das Chemotherapeutikum Cisplatin abtöten und reagierten auf Cetuximab, ein Wirkstoff, der Wachstumssignale abblockt.

Literatur: Ceppi, P., et al.: Molecul. Canc. Res. 2010, Online-Vorabveröffentlichung DOI: 10.1158/1541-7786.MCR-10-0052.


Dr. Bettina Hellwig