Arzneimittel und Therapie

Safran auf den Spuren von Sertralin

Hinweise auf gleich gute Wirksamkeit gegen Depressionen bei älteren Patienten

Safran ist hierzulande vor allem als edles und teures Gewürz bekannt. Die getrockneten Narbenschenkel von Crocus sativus werden insbesondere in der persischen Küche verwendet, aber auch für manch traditionelles europäisches Gericht wie die spanische Paella ist Safran unerlässlich. Iranische Forschungsgruppen haben darüber hinaus in den letzten zwei Jahrzehnten eine Reihe klinischer Studien mit Safran durchgeführt, die dessen Einsatzmöglichkeiten bei verschiedenen Erkrankungen ausloten sollten. Im Mittelpunkt standen dabei Studien an depressiven Patienten.

Dass Safran tatsächlich eine antidepressive Wirkung besitzen könnte, wurde 2019 durch eine Metaanalyse von Tóth und Mitarbeitern, in der elf randomisierte klinische Studien zusammengefasst wurden, bestätigt [1]. Als ein möglicher Wirkstoff gilt beispielsweise die Polyendicarbonsäure Crocetin (Abb. 1). Diese wird im Dünndarm aus den Crocinen, den charakteristischen wasserlöslichen Farbstoffen des Safrans, freigesetzt. Im zentralen Nervensystem interagiert Crocetin mit NMDA-Rezeptoren, wodurch die glutaminerge synaptische Transmission beeinflusst wird (s. DAZ 2019, Nr. 16, S. 46 und DAZ 2016, Nr. 25, S. 46) [2].

Abb. 1: Strukturformeln der Crocine und des Crocetins, das für eine antidepressive Wirkung verantwortlich sein könnte.

Neue Forschungsergebnisse

Ende 2019 wurde nun erneut eine kleine randomisierte Doppelblindstudie zur Wirksamkeit von Safran bei depressiven Erkrankungen veröffentlicht [3]. In einer Kooperation von iranischen und Schweizer Wissenschaftlern wurde die Effektivität von Safran im Vergleich zu Sertralin, einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), untersucht. Im Rahmen der Studie erhielten 50 Patienten, die an einer mittelschweren Depression erkrankt waren, über einen Zeitraum von sechs Wochen entweder 60 mg Safran oder 100 mg Sertralin am Tag. Im Unterschied zu früheren Studien wurden gezielt ältere Patienten zwischen 60 und 69 Jahren ausgewählt. Im Schnitt waren sie 65,6 Jahre alt. Laut den Studienautoren fehlten in dieser Altersklasse bislang jegliche Daten. Als Werkzeug für die Erfassung der depressiven Symptomatik diente die Hamilton-Depressionsskala, eine anerkannte Methode zur Verlaufskontrolle einer depressiven Erkrankung im Rahmen von klinischen Studien. Zu Beginn der Studie lag der durchschnittliche Wert auf der Hamilton-Skala in beiden Gruppen bei etwa 21 Punkten, was einer mittelschweren Depression entspricht. Im Verlauf des sechswöchigen Beobachtungszeitraumes sanken die Werte dann kontinuierlich ab und erreichten schließlich im Mittel 9,92 Punkte in der Safran-Gruppe und 8,76 Punkte in der Sertralin-Gruppe. Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen war nicht vorhanden. Auch die Zahl der Responder war mit 17 (Safran) bzw. 14 (Sertralin) Patienten vergleichbar. In Sachen Verträglichkeit erwies sich der Safran allerdings dem Sertralin überlegen: Lediglich ein Patient der Safran-Gruppe klagte über Müdigkeit, während in der Sertralin-Gruppe Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Schlafstörungen verzeichnet wurden. Zwei Patienten aus der Sertralin-Gruppe brachen die Studie aufgrund der Nebenwirkungen vorzeitig ab.

Foto: Valentina R. – stock.adobe.com

Abb. 2: Beim Safran handelt es sich um die getrockneten, roten Narbenschenkel von Crocus sativus.

Gewinnung von Safran

Die Art Crocus Sativus (Abb. 2) ist im gesamten mediterranen, kleinasiatischen und nordafrikanischen Raum verbreitet. Der größte Produzent ist der Iran, aber selbst in Deutschland, namentlich in Sachsen, wurden in den letzten Jahren wieder kleine Anbauflächen angelegt. Während der Blütezeit im Herbst werden die Narben von Hand gepflückt. Zur Gewinnung von einem Kilogramm Safran werden 150.000 bis 200.000 Blüten benötigt. Neben den oben genannten Crocinen ist vor allem ein ätherisches Öl, das cyclische Monoterpenaldehyd Safranal, für den charakteristischen Geruch des Gewürzes verantwortlich. |

Literatur

[1] Tóth B et al. The efficacy of saffron in the treatment of mild to moderate depression: A meta-analysis. Planta Medica 2019;85(1):24–31

[2] Berger F et al. Saffron extract and trans-crocetin inhibit the glutamatergic synaptic transmission in rat cortical brain slices. Neuroscience 2011;180:238-247

[3] Ahmadpanah M et al. Crocus Sativus L. (saffron) versus sertraline on symptoms of depression among older people with major depressive disorders — a double-blind, randomized intervention study. Psychiatry Res 2019;282:112613

[4] Hieronymus F et al. Influence of baseline severity on the effects of SSRIs in depression: an item-based, patient-level post-hoc analysis. Lancet Psychiatry 2019;6(9):745-752

Priv.-Doz. Dr. Kristina Jenett-Siems, Apothekerin

 

Mehr als ein Placebo-Effekt? 

Ein Gastkommentar

Priv.-Doz. Dr. ­Kristina Jenett-Siems

Nach Ansicht der Autoren sind die Ergebnisse der Studie ein Beleg dafür, dass Safran in einer Dosierung von 60 mg/Tag auch bei älteren Patienten eine wirksame und gut verträgliche Alternative zu chemisch-synthetischen Antidepressiva darstellt. Tatsächlich weist die Studie erneut auf das möglicherweise interessante Potenzial dieser alten Gewürzpflanze hin. Dennoch sind die sicherlich interessanten Ergebnisse weiterhin mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten. Wiederum handelt es sich um eine sehr kleine Untersuchung mit einem kurzen Beobachtungszeitraum von lediglich sechs Wochen. Zudem wurde das verwendete Safran-Präparat nicht näher charakterisiert, es ist nicht zu erkennen, ob es sich um Pulver oder um einen Extrakt handelt. Schließlich hätte die Aussagekraft der Studie durch die Anwesenheit eines Placebo-Arms verbessert werden können. Tatsächlich hatten auch die ­Autoren einiger der bisher durchgeführten größeren Studien mit SSRI insbesondere bei Verwendung der Hamilton-Skala immer wieder Schwierigkeiten, eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit ihrer Prüfpräparate zu zeigen [4]. Insofern lässt sich bei dem hier verwendeten Studiendesign nicht ausschließen, dass es sich bei der beobachteten Wirksamkeit des Safrans nicht doch lediglich um einen ausgeprägten Placebo-Effekt handelt.

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