Arzneimittel und Therapie

Keine stärkere Sertralinwirkung durch Omega-3-Fettsäuren

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind in der Behandlung von Depressionen seit vielen Jahren etabliert. Eine amerikanische Studie hat jetzt die Hypothese getestet, ob sich das Ansprechen auf den SSRI Sertralin durch die gleichzeitige Gabe von Omega-3-Fettsäuren noch verstärken lässt – jedoch ohne Erfolg.
Depressive Symptome In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Studien veröffentlicht, deren Ergebnisse darauf hinweisen, dass Omega-3-Fettsäuren bei vielen Erkrankungen ein präventives bzw. therapeutisches Potenzial besitzen könnten. Die Hypothese, dass die gleichzeitige Gabe von Omega-3-Fettsäuren das Ansprechen auf Sertralin bei der Behandlung von Depressionen verstärken kann, wurde nicht bestätigt.
Foto: AK und AV Nordrhein/Alois Müller

Die Hypothese, dass die Gabe von Omega-3-Fettsäuren die Wirkung von Antidepressiva verstärken kann, basiert auf den Ergebnissen kleinerer Studien, in denen dieser Zusammenhang gefunden wurde. Eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie sollte nun prüfen, ob sich diese Ergebnisse in einem größeren Kollektiv depressiver Patienten, die zusätzlich an koronarer Herzkrankheit (KHK) litten, bestätigen lassen. Das Patientenklientel war unter anderem deshalb besonders interessant, weil Depression zu den KHK-Risikofaktoren zählt.

Symptome in vergleichbarem Maße verbessert

Nach einer zweiwöchigen Run-in-Phase erhielten die Studienteilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren zehn Wochen lang 50 mg/d Sertralin sowie 2 g/d Omega-3-Fettsäuren (Kapseln mit 930 mg Eicosapentaensäure, EPA, und 750 mg Docosahexaensäure, DHA, n = 62) bzw. Placebo-Kapseln mit Maisöl (n = 60). Zu Studienbeginn und -ende wurden die Patienten mithilfe zweier etablierter Messinstrumente, der Hamilton-Depressionsskala (HAM-D) und des Beck Depression Inventory (BDI-II) interviewt.

Nach zehnwöchiger Behandlung hatten sich die Symptome der Major Depression in beiden Gruppen etwa gleichermaßen verbessert. Der durchschnittliche BDI-II-Wert reduzierte sich in der Placebo-Gruppe von 29,0 auf 14,8, in der Omega-3-Gruppe von 28,1 auf 16,1. Auf der HAM-D-Skala sank die Punktezahl unter Placebo von 19,2 auf 9,4, bei den Patienten, die zusätzlich zu Sertralin Omega-3-Fettsäuren eingenommen hatten, von 21,2 auf 9,3.

Die bekannten unerwünschten Sertralinwirkungen traten in beiden Gruppen etwa gleich häufig auf. Typische, aus früheren Studien bekannte Nebenwirkungen unter Einnahme höherer Dosen Omega-3-Fettsäuren sind gastrointestinale Probleme und verlängerte Blutungszeiten; in dieser Studie wurden derartige Symptome bei 19% der Patienten unter Sertralin plus Omega 3 und 22% der Patienten unter Sertralin plus Placebo beobachtet.

Identifizierung von Patienten, die profitieren

Als mögliche Ursachen dafür, dass das Ansprechen auf Sertralin durch Gabe von Omega-3-Fettsäuren nicht verstärkt werden konnte, diskutierten die Autoren eine zu kurze Behandlungsdauer, zu geringe Sertralindosen oder ein ungünstiges Verhältnis der Fettsäuren zueinander (das heißt eventuell ein zu geringer EPA-Anteil). Sie empfehlen, in zukünftigen Untersuchungen diejenigen Patienten zu identifizieren, die vielleicht doch von einer solchen Behandlung profitieren können.

 

Quellen

Carney, R.M., et al.: Omega-3 augmentation of sertraline in treatment of depression in patients with coronary heart disease. J. Am. Med. Assoc. 302(15) 1651 –1657 (2009).

Leon, H., et al.: Effect of fish oil on arrhythmias and mortality, Brit. Med. J. 338, 149 –152 (2009).

Gröber, Uwe: Mikronährstoffe – Beratungsempfehlungen für die Praxis, 2. Auflage (2006).

Website der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.: www.dge.de 

 


Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

DHA und EPA

Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) gehören zur Klasse der Omega-3-Fettsäuren. Ihre langkettigen Vertreter bestehen aus 18 bis 22 C-Atomen und weisen mehrere Doppelbindungen auf.

Omega-3-Fettsäuren erfüllen im menschlichen Körper zahlreiche Funktionen. So sind sie Bestandteil von Zellmembranen und essenziell für die Funktion zahlreicher hormoneller, immunologischer und neuronaler Prozesse. Wegen ihrer Bedeutung für die Gehirnentwicklung des Fetus wird Schwangeren eine ausreichende Zufuhr empfohlen.

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Studien veröffentlicht, deren Ergebnisse darauf hinweisen, dass Omega-3-Fettsäuren über ihre physiologische Rolle hinaus bei vielen Erkrankungen wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, rheumatoider Arthritis, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Depressionen ein präventives bzw. therapeutisches Potenzial besitzen. So gelang es durch eine Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren schwere depressive Symptome zu mildern. In einer Metaanalyse reduzierte Fischöl, das reich an Omega-3-Fettsäuren ist, die Sterberate durch kardiale Ereignisse um ein Fünftel.

Besonders hohe Konzentrationen an Omega-3-Fettsäuren finden sich in Fischarten wie Hering, Lachs, Makrele, Thunfisch oder Heilbutt. Für Menschen, die Fisch nicht mögen oder nicht essen können steht eine breite Palette an Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren zur Verfügung. Die empfohlene Zufuhrmenge liegt bei 0,5 bis 1,0 g EPA/DHA pro Tag, zur Prävention von Erkrankungen bis zu 6 g/d. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, zur Deckung des Bedarfs ein bis zwei Portionen Fisch bzw. Fischprodukte pro Woche zu verzehren.

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