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Beratung

Das große Krabbeln

Was tun bei Kopflausbefall?

Wenn im Kindergarten oder in der Schule die Läuse umgehen, löst das bei den benachrichtigten Eltern nicht selten spontanen Juckreiz aus. Und wer die kleinen Krabbler bei seinem Kind spätabends auf dem Kopf entdeckt, fährt auch schon mal in heller Aufregung zur nächsten Notdienstapotheke. Was als erstes in der Apotheke zu tun ist? Die Eltern beruhigen – und dann gut beraten.  | Von Annette Lüdecke

Kopfläuse haben echtes Panikpotenzial bei Eltern, Erziehern und Kindern. Es ist nur allzu verständlich, dass man die lästigen Blutsauger schnell wieder loswerden möchte. Das ist auch wichtig, damit sich die Läuse nicht auf weiteren Köpfen ausbreiten. Neben der kompetenten Beratung zu Läuse­mitteln ist auch die Aufklärung über Mythen und Fakten eine wichtige Aufgabe in der Apotheke.

Läuse, Nissen und Co.: Was ist was?

Die Kopflaus (Pediculus humanus capitis) gehört zu den stationären Ektoparasiten. Diese leben dauerhaft auf der Körperoberfläche ihres Wirts, im Fall der Kopflaus ist es das menschliche Kopfhaar. Die etwa zwei bis drei Millimeter großen Läuse haben eine längliche Form, sind flügellos und von grauer bis rötlicher Färbung. An ihren Beinen – insgesamt sechs an der Zahl – finden sich krallenartige Fortsätze. Damit können sie sich bestens an den Haaren festhalten und fortbewegen. In ihrem etwa vierwöchigen Leben können Läuseweibchen ca. 150 Eier produzieren. Die ovalen, circa 0,8 mm großen Chitin-umhüllten Eier werden kopfhautnah fest am Haar verklebt. Nach etwa sieben bis acht Tagen schlüpfen Larven (Größe: 0,8 bis 2,1 mm, auch Nymphen genannt), die sich dann innerhalb von neun bis elf Tagen zu geschlechtsreifen Läusen entwickeln. Kunden, die von Nissen berichten, meinen damit meist die entwicklungsfähigen Eier. Definitionsgemäß handelt es sich bei Nissen aber nur um die leeren Eihüllen.

Läuse benötigen mehrmals täglich Blutmahlzeiten, und zwar etwa alle vier Stunden. Dafür stechen sie mit ihrem Mundwerkzeug in die Kopfhaut und saugen das Blut heraus. Das dabei eingebrachte Speicheldrüsensekret führt meist zu lästigem Kopfjucken – bei Erstbefall allerdings erst nach mehreren Wochen. Aufgekratzte Stellen können sich entzünden und schlimmstenfalls zu bakteriellen Superinfektionen führen. Dann – und bei Lymphknotenschwellungen – ist ein Arztbesuch angezeigt. Entsprechende Ekzeme entstehen typischerweise hinter den Ohren, im Nacken und am Hinterkopf.

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Kopfläuse haben einen Chitinpanzer, der transparent, grau oder bräunlich sein kann. Vierzehn Atemöffnungen entlang ihres Körpers leiten die Luft in kleine, verzweigte Röhren.

Gekommen, um zu bleiben

„Mama, im Kindergarten sind Läuse!“, „Papa, mein Kopf juckt!“ oder ein häufig sich am Kopf kratzendes Kind: Das sind dringende Gründe, um das Kind auf Läuse zu untersuchen. Doch wo kommen diese lästigen Parasiten her? Läuse können weder fliegen noch springen, dafür aber schnell krabbeln. Da Kinder häufig die Köpfe zusammenstecken, können die Läuse problemlos über den direkten Haarkontakt von einem Kopf zum anderen wandern. Beim Kuscheln mit den Kindern können sich die Läuse auch in der Familie ausbreiten und Freunde und Verwandte „besuchen“. Die indirekte Übertragung über Gegenstände (z. B. Haarbürste, Schal, Mütze) ist äußerst selten und nur möglich, wenn diese innerhalb von kurzer Zeit gemeinsam benutzt wurden. Denn Kopfläuse würden ihren Wirt kaum freiwillig verlassen, da sie ohne regelmäßige Blutmahlzeiten schnell träge und geschwächt sind. Ohne Wirt überleben sie nicht länger als 55 Stunden bei Raumtemperatur, also zwei, maximal drei Tage. Außerdem sind sie für ihre Entwicklung unter anderem auf bestimmte Temperaturen angewiesen: Während sich Kopfläuse bei Temperaturen um 25 °C wohlfühlen, mögen es andere Lausarten deutlich wärmer (siehe Kasten „Filz- und Kleiderläuse“). Bei Temperaturen unter 22 °C funktioniert die Eientwicklung nicht mehr richtig und wenn es kälter als 20 °C ist, legen die Weibchen keine Eier mehr. Eine Übertragung über Kopflauseier auf Gegenständen ist somit nur schwer vorstellbar. Ausgeschlossen ist aufgrund der Wirtsspezifität die Übertragung durch Haustiere.

Filz- und Kleiderläuse

Wenn der Kunde vor dem HV-Tisch „etwas gegen Läuse“ möchte, denkt man in der Regel automatisch an Kopfläuse. Auch wenn der Befall mit Kleider- oder Filzläusen hierzulande eher selten ist, so lohnt sich doch eine Nachfrage. Filzläuse (Phtirus pubis) sind 0,8 bis 1,2 mm lang und damit kleiner als Kopfläuse. Sie bevorzugen Temperaturen bis zu 37 °C, tummeln sich vornehmlich im Schambereich und werden durch sexuellen Kontakt übertragen. Aber auch die indirekte Übertragung über gemeinsam benutzte Bettwäsche, Handtücher oder Unterwäsche ist möglich. Filzläuse lassen sich auch in Achselhaaren oder der Brustbehaarung nieder, zudem können Augenbrauen und Wimpern befallen sein. Die Einstichstelle juckt und ist typischerweise graubläulich verfärbt. Die Kleiderlaus(Pediculus humanus corporis) ist mit 3 bis 4 mm etwas größer als die Kopflaus. Sie befestigt ihre Eier in Textilfasern, gerne in warmen Kleiderfalten und -nähten und fühlt sich bei Temperaturen über 30 °C wohl. Übertragen werden die Parasiten durch Körperkontakt und gemeinsam benutzte Kleidung oder Bettwäsche. Auch die Kleiderlaus ernährt sich von menschlichem Blut. An den Einstichstellen zeigen sich dann juckende Papeln. Neben der ursächlichen Behandlung (z. B. mit Goldgeist® forte oder Jacutin® Pedicul Spray, Anwendung gemäß Packungs­beilage) bzw. dem Verweis an einen Arzt sollten gerade bei Kleiderläusen zusätzliche hygienische Maßnahmen für die Wäsche beachtet werden.

Läuse entdecken ...

Bei der reinen Sichtkontrolle können die flinken Läuse und die wenig mobilen Larven schnell mal übersehen werden. Die kleinen gelblich-braunen bis gräulichen Eier sind ebenfalls nicht leicht zu entdecken. Am ehesten findet man sie im Bereich der Schläfen, des Nackens und hinter den Ohren. Bei weißlich schimmernden Funden, die fest mit dem Haar verklebt sind, handelt es sich um leere Eihüllen (Nissen). Statt der reinen Sichtkontrolle empfiehlt sich die Methode des nassen Auskämmens. Dafür wird eine handelsübliche Haarpflegespülung im feuchten Haar verteilt: Damit werden die Haare besser kämmbar und die Läuse am Weglaufen gehindert. Dann wird mit einem Läuse- bzw. Nissenkamm das Haar Strähne für Strähne fest von der Kopfhaut bis in die Spitzen durchgekämmt und der Kamm nach jeder Strähne auf Küchenpapier ausgestrichen. Mit einer Lupe lassen sich Larvenfunde besser erkennen. Es gibt Kämme mit Zinken aus Metall (z. B. Mosquito® Nissenkamm, Nisska® Läuse- und Nissenkamm), Kunststoff (z. B. Nissenkamm Kunstoff Param, Nyda® Läusekamm) oder Naturkautschuk (z. B. Jacutin® Nissenkamm). Wichtig ist, dass die Zinken gerade sind und mit einem Abstand von 0,2 bis maximal 0,3 mm eng genug zusammenstehen, um Läuse, Larven und auch Eier erwischen zu können. Abgerundete Enden schonen dabei die Kopfhaut. Wird ein Befall festgestellt, sind alle Familienmitglieder zu untersuchen.

... und eliminieren

Die Behandlung mit einem topischen Kopflausmittel (Pedikulozid) sollte nur bei festgestelltem Befall erfolgen. Eine prophylaktische Mitbehandlung von Familienmitgliedern wird nicht grundsätzlich empfohlen. Zur Verfügung stehen Arzneimittel mit den neurotoxisch wirkenden Stoffen Permethrin (z. B. InfectoPedicul®), Pyrethrumblüten-Extrakt (Goldgeist® forte) und Allethrin (Jacutin® Pedicul Spray). Daneben gibt es pflanzliche Anti-Laus-Mittel – meist auf Basis ätherischer Öle –, die als Kosmetikum (z. B. Rausch Laus-Stopp mit Andiroba-, Raps- und Kokosöl sowie Quassia-Essig) oder Medizinprodukt (z. B. Licener® gegen Kopfläuse Shampoo mit Neem-Extrakt) auf dem Markt sind (Tab. 1). Weiterhin gibt es Medizinprodukte mit physikalisch wirkenden Dimeticonen (z. B. Dimet® 20, EtoPril®, Jacutin® Pedicul Fluid, Nyda®).

Dimeticone gelten als Mittel der Wahl. Das dünnflüssige Silikonöl mit guten Kriech- und Spreiteigenschaften dringt in die Atemöffnungen der Läuse ein, was zum Ersticken führt. Entsprechende Produkte unterscheiden sich unter anderem bezüglich Konzentration und Kettenlänge der Dimeticone sowie eventuell zusätzlicher Substanzen. Resistenzen sind nicht zu erwarten, auch gelten Dimeticone als untoxisch. Eine weitere Substanz mit gleichem Wirkprinzip ist dickflüssiges Paraffin (z. B. in Mosquito® med Läuseshampoo 10). Dieses Mittel löst außerdem die wächserne Schutzschicht des Läusepanzers, sodass die Läuse austrocknen. Eltern sind sicher über den Hinweis dankbar, dass einige Produkte von der Krankenkasse bezahlt werden. In der Anlage V der Arzneimittel-Richtlinie sind Medizinprodukte aufgeführt, die für Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr oder bei Entwicklungsstörungen bis zum 18. Lebensjahr zulasten der gesetzlichen Krankenkasse verordnet werden können. Das gilt auch für die oben genannten Arzneimittel.

Tab. 1: Mittel gegen Kopfläuse (Auswahl) [Quellen: Fachinformationen, Angaben der Hersteller, Lauer-Taxe Datenstand 15. August 2019]
Präparat (Hersteller)
Wirkstoff(e)
GKV-Erstattung
Anwendung
Einwirkdauer
Wiederholung
neurotoxisch wirkende Läusemittel (Arzneimittel)
BiomoPedicul®(Biomo Pharma)
Permethrin
bedingt1
im gewaschenen, feuchten Haar
30 bis 45 Minuten
nach 8 bis 10 Tagen
Goldgeist forte® flüssig (Eduard Gerlach)
Pyrethrumextrakt, Piperonylbutoxid
bedingt1
im trockenen Haar
30 bis 45 Minuten
nach 8 bis 12 Tagen
lnfectoPedicul® Lösung (lnfectoPharm)
Permethrin
bedingt1
im gewaschenen, feuchten Haar
30 bis 45 Minuten
nach 8 bis 10 Tagen
Jacutin® Pedicul Spray (Almirall Hermal)
Allethrin, Piperonylbutoxid
bedingt1
im trockenen Haar
30 Minuten
Kontrolle nach 8 Tagen
physikalisch wirkende Läusemittel (Medizinprodukte)
Dimet® 20 (Pädia)
Dimeticon
bedingt1
im trockenen Haar
20 Minuten
nach 8 bis 10 Tagen
Etopril®(Dr. August Wolff)
Dimeticon
bedingt1
im trockenen Haar
mindestens 8 Stunden
nach 7 Tagen
Hedrin® once liquid Gel (Stada GmbH)
Dimeticon
bedingt1ab 6 Monate
im trockenen Haar
15 Minuten
Kontrolle nach 7 Tagen
Licener® Shampoo (Hennig Arzneimittel)
Neem-Extrakt
nein
im trockenen Haar
10 Minuten
nicht erforderlich
Linicin® Lotion (Meda Pharma)
Dimeticon
nein
im trockenen Haar
15 Minuten
nach 9 bis 10 Tagen
Mosquito® med Läuseshampoo 10 (Wepa)
Paraffinöl
bedingt1
im trockenen Haar
10 Minuten
nach 7 bis 10 Tagen
Nyda® Pumplösung (Pohl-Boskamp)
Dimeticon
bedingt1befristet bis 6. Dezember 2022
im trockenen Haar
8 bis 18 Stunden
nach 8 bis 10 Tagen

1 Für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr mit Entwicklungsstörungen laut AM-RL Anlage V „Übersicht der verordnungsfähigen Medizinprodukte“ (Stand 1. August 2019) bzw. laut §§ 31 (1), 34 (1) SGB V.

Wichtig: die richtige Anwendung

Die Auswahl des Läusemittels richtet sich zum einen nach den Kundenwünschen, zum anderen sind mögliche Anwendungsbeschränkungen zu beachten (z. B. Alter des Kindes, Allergien, besondere Lebensumstände wie Schwangerschaft oder Stillzeit, bestimmte Erkrankungen). Für eine erfolgreiche Läusebehandlung ist es unabdingbar, sich an die Gebrauchsanweisung bzw. Packungsbeilage zu halten. Einige Lösungen, Shampoos oder Sprays werden im feuchten Haar angewendet, andere sollen aufs trockene Haar aufgebracht werden. Wichtig ist es, eine ausreichende Menge des Mittels zu verwenden (Haarlänge beachten!), diese gleichmäßig vom Haaransatz bis in die Spitzen zu verteilen und die angege­bene Einwirkzeit einzuhalten. Zwar werben einige Hersteller damit, dass Läuse, Larven und entwicklungsfähige Eier mit ihrem Mittel abgetötet werden und daher eine einmalige Anwendung ausreichend ist. Das Robert Koch-Institut empfiehlt allerdings grundsätzlich eine Wiederholungsbehandlung. Dabei ist auch der richtige Zeitpunkt entscheidend, um sowohl spät geschlüpfte Larven als auch früher geschlüpfte Läuse noch vor der Geschlechtsreife zu erwischen. Daher sollte eine zweite Anwendung am Tag 8, 9 oder 10 (optimal: Tag 9 oder 10) erfolgen. Diese Information findet sich auch in vielen Herstelleranweisungen.

Damit aber nicht genug: Zusätzlich wird das nasse Auskämmen (also mit Pflegespülung und Läusekamm) empfohlen, und zwar an den Tagen 1 (= Tag der Erstbehandlung), 5, 9 (bzw. am Tag der Wiederholungsbehandlung), 13 und 17. So lassen sich eventuell nachgeschlüpfte Larven entfernen bzw. kontrollieren, ob das Kopfhaar tatsächlich lausfrei ist. Werden junge Läuse gefunden, ist die gleiche Strähne noch einmal durchzukämmen.

Was ebenfalls erwähnt werden sollte ist die Brennbarkeit einiger Läusemittel (diverse Dimeticon-haltige Produkte wie z. B. Nyda®, Etopril®), aber auch andere alkoholhaltige Präparate wie z. B. Jacutin® Pedicul Spray, InfectoPedicul®): Bei der Anwendung sollte das behandelte Haar von offenem Feuer oder Zündquellen (z. B. Kerzen, Föhn, Zigaretten) ferngehalten werden.

Kein Permethrin in der Schwangerschaft

Permethrin-haltige Kopflausmittel dürfen in der Schwangerschaft nur noch als Reservemittel eingesetzt werden. Die mit der Anwendung verbundene Toxizität für das ungeborene Kind sei zwar laut einer Nutzen-Risiko-Analyse, die der Pharmakovigilanz-Ausschuss der Europä­ischen Arzneimittelagentur (EMA) im Mai veröffentlicht hat, nicht bewertbar, ein mögliches kanzerogenes Risiko könne jedoch nicht ohne Zweifel ausgeschlossen werden. Deshalb informierte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am 6. August 2019 darüber, dass die Zulassung von Permethrin in der Indikation Kopfläuse geändert wird und neue Hinweise unter „Vorsichtsmaßnahmen während der Schwangerschaft“ aufgenommen werden. Zudem sollen die Produktinformationen künftig Warnhinweise zum Therapieversagen von Permethrin bei Kopflausbefall enthalten.

Für die Apotheke bedeutet das, dass die drei einzigen derzeit in Deutschland als apothekenpflichtige Arzneimittel zugelassenen Präparate BiomoPedicul® 0,5% Lösung, Infectopedicul® Lösung und Permethrin-Biomo® Lösung 0,5% zur Behandlung von Kopfläusen nur noch auf Empfehlung des Arztes an Schwangere abgegeben werden dürfen. Dies könne laut Fachinformation der Fall sein, wenn physikalisch wirksame Behandlungsalterna­tiven unwirksam waren und/oder die Behandlung mit Permethrin aufgrund des klinischen Zustands der Frau erforderlich ist.

Mittel der ersten Wahl in der Schwangerschaft sind physikalisch wirkende Pedikulozide.

Behandlung ja, Erfolg nein?

Wenn ärgerliche Eltern und unglückliche Kinder vor dem HV-Tisch stehen und sich über die mangelnde Wirksamkeit des Produkts beschweren, kann natürlich ein anderes Mittel empfohlen werden. Das gilt insbesondere aufgrund nicht auszuschließender Resistenzen bei neurotoxisch wirkenden Pedikuloziden. In der Regel dürften aber Behandlungsfehler hinter diesem Problem stecken, also eine zu sparsame und ungleichmäßige Anwendung des Mittels, ein Handtuch um die behandelten Haare, zu kurze Einwirkzeiten, tropfnasses statt feuchtes bzw. trockenes Haar oder aber keine, eine zu frühe oder zu späte Wiederholungsbehandlung. Denkbar ist natürlich auch, dass sich das Kind wieder neue Läuse eingefangen hat. Es lohnt sich auch nachzufragen, was genau in der Kontrolle gefunden wurde: Sind es Läuse, Larven oder lebensfähige Eier? Oder nur Nissen, die mindestens einen Zentimeter von der Kopfhaut entfernt am Haar kleben? In letzterem Fall kann Entwarnung gegeben werden, da von leeren Eihüllen keine Ansteckungsgefahr ausgeht. Hat auch das Auskämmen mit dem Nissenkamm keinen Erfolg gebracht, bleibt eigentlich nur noch das einzelne Abziehen mit den Fingernägeln, sofern das Kind unter den Überbleibseln des ungebetenen Besuchs leidet.

Ein anderes Szenario: Der Kunde vor dem HV-Tisch kann aufgrund von Kontraindikationen keine abtötenden Läusemittel anwenden, lehnt diese trotz bester Beratung durch Arzt und/oder Apotheke ab und möchte lieber mit heißer Föhnluft (unzuverlässig und kann zu starken Kopfhautschädigungen führen!) oder einem Saunabesuch (ebenfalls ungeeignet!) den Läusen den Garaus machen. In solchen Fällen ist das bereits beschriebene nasse Auskämmen eine Alternative, und zwar mindestens vier Mal in zwei Wochen (Tag 1, 5, 9 und 13) plus einer Kontrolluntersuchung an Tag 17. Dieses Verfahren bietet allerdings geringere Erfolgsaussichten als die kombinierte Methode (nasses Auskämmen plus topische Behandlung). Sorgfalt ist auch hier oberste Pflicht – Zeit und Geduld sind also von allen Beteiligten mitzubringen.

Lausbefall nicht verheimlichen

Liegt ein Kopflausbefall vor, sollte der Kunde auch daran erinnert werden, nicht nur die Schule bzw. den Kindergarten darüber zu informieren (die Pflicht besteht gemäß § 34 [5] Infektionsschutzgesetz), sondern auch andere Kontaktpersonen aus dem persönlichen Umfeld zu benachrichtigen. Aus Scham den Kopflausbefall zu verschweigen ist keine gute Idee: So können sich die lästigen Krabbler ungestört weiterverbreiten. Das und die Tatsache, dass der Kopflausbefall nichts mit mangelnder Hygiene zu tun hat, sollte in der Apotheke immer wieder betont werden. Sobald eine Weiterverbreitung nicht mehr zu befürchten ist, kann das Kind wieder in die Gemeinschaftseinrichtung gehen. Das ist in der Regel der Fall, nachdem eine sorgfältige Erstbehandlung durchgeführt wurde. Je nach örtlicher Regelung ist für die Wiederzulassung entweder die Bestätigung des Sorge­berechtigten nötig, dass das Kind korrekt mit einem Kopflausmittel behandelt wurde, oder aber ein ärztliches Attest.

Zusätzliche Maßnahmen

Im Laufe des Beratungsgesprächs wird es auch um zusätz­liche Hygienemaßnahmen gehen. Eine fast unvermeidliche Frage: Muss das heißgeliebte Kuscheltier für Wochen verbannt werden oder geht es auch anders? Grundsätzlich verlässt, wie bereits erwähnt, keine Kopflaus freiwillig ihren Wirt. Sinnvoll ist es aber, Kämme und Haarbürsten in heißer Seifenlösung zu reinigen, beispielsweise mit einer ausrangierten Zahnbürste. Auch sollte jedes Familienmitglied erst mal eine eigene Haarbürste benutzen. Um auf Nummer sicher zu gehen, können im Rahmen der Kopflausbehandlung auch Handtücher, Bettwäsche, Leibwäsche und der Schlaf­anzug bei mindestens 60 °C in die Waschmaschine gesteckt werden. Andere Gegenstände und Textilien wie Schals, Mützen oder Kuscheltiere, die mit dem Kopfhaar des Betroffenen in Berührung gekommen sind, können vorsichtshalber für drei Tage in einer fest verschlossenen Plastiktüte verwahrt werden. Bevor es aber Tränen wegen des Kuscheltiers oder dem Schmusekissen gibt, kann auch guten Gewissens folgender Rat weitergegeben werden: Eine Sichtkontrolle ist völlig ausreichend. Das Absuchen mit einer Lupe kann dabei zusätzliche Sicherheit geben. Eine Behandlung von Kindersitzen, heimischen Polstermöbeln, Teppichen oder Matratzen mit speziellen Sprays ist dagegen nicht nötig. Die Reinigungsmaßnahmen dienen lediglich der Vermeidung einer (unwahrscheinlichen) indirekten Übertragung und sind somit vor allem wichtig für das persönliche Wohlbefinden. Übertriebene Putzaktionen und ständige Wiederholungen sind also nicht ratsam: Das raubt Zeit und erhöht schlimmstenfalls den Panik- und Ekelfaktor bei Kindern und Erwachsenen.

Läusealarm – das ist zu tun!

  • bei Benachrichtigung durch die Gemeinschaftseinrichtung, das persönliche Umfeld oder bei juckender Kopfhaut: Ruhe bewahren, Haare und Kopfhaut inspizieren, Haare mit Pflegespülung und einem Läusekamm durchkämmen und diesen auf Küchenpapier nach jeder Strähne ausstreichen
  • bei festgestelltem Befall: weitere Familienmitglieder untersuchen, Gemeinschaftseinrichtung und weitere Kontaktpersonen informieren, alle Personen mit Kopflausbefall einer Behandlung (Behandlungs­schema und Packungsbeilage beachten!) unterziehen
  • zur Sicherheit begleitende Maßnahmen durchführen: haarnahe Textilien und Gegenstände (z. B. Bürsten, Spangen, Mützen, Kuscheltiere, Kopfkissen) reinigen bzw. für drei Tage in einer verschlossenen Plastiktüte aufbewahren

Tipps zur Vorbeugung

Wer vom Läusebesuch verschont geblieben ist, wünscht sich verständlicherweise, dass das so bleibt. In diesem Fall könnte der Wunsch des Apothekenkunden lauten, ein vorbeugendes Mittel gegen Läuse haben zu wollen, um auch für zukünftige Läusewellen gerüstet zu sein. Es gibt eine Reihe von Produkten auf dem Markt, die zur Prophylaxe gegen Lausbefall angeboten werden (z. B. AntiJump® Läuse-­Abwehrspray mit Eucalyptus-citriodora-Öl, Mosquito® Läuse Abwehr-Spray mit Ethylbutylacetylaminopropionat [IR 3535] und Icaridin, Hedrin® Protect&Go Spray mit Dimeticon und Activdiol®, Anwendungshinweise und -einschränkungen beachten!). Während bei den beiden erstgenannten Mitteln der Wirkstoff langsam verdunstet, sodass die Läuse das behandelte Haar nicht mehr als potenzielles Ziel erkennen, hat letztgenanntes Produkt Läuse im Visier, die gerade auf dem behandelten Kopf angekommen sind: Laut Hersteller weicht es in erster Linie die Wachsschicht der Laus auf, sodass diese geschädigt wird, bevor sie sich festsetzen kann. Auch das Rausch Weidenrinden Spezial-Shampoo mit Thymian, Lavendel und Rosmarin wird als vorbeugende Maßnahme gegen Kopflausbefall genannt. Einen wirklich dauerhaften Schutz gibt es allerdings nicht. Ein guter Rat lautet, Kopfhaut und Haare des Kindes in Abständen zu kontrollieren, um ungeliebte Mitbewohner frühzeitig zu entdecken. |

Literatur

Ratgeber Kopflausbefall. Stand: November 2008, Informationen des Robert Koch-Instituts, www.rki.de

Kopfläuse ... was tun? Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Stand: Oktober 2016, www.bzga.de

Kopflausbefall: ein Ratgeber für Kinderärzte. Stand: September 2018, www.dgkj.de/fileadmin/user_upload/Meldungen_2018/RatgeberKopflaeuse_DGKJ_2018.pdf

Aspöck C, Auer H. Krankenhaushygienische Aspekte bei Ektoparasiten. Hygiene Monitor 2016; 7-9:2-4

Schlesinger N. Läuse – Blutsauger mit Panikpotenzial. Teamschulung 2015;2(6):19-23

Rausch R. Haar in Flammen. DAZ 2017;40:32

Internetseiten und Fachinformationen der Hersteller

Autorin

Annette Lüdecke, Apothekerin, ist nach einem zweijährigen Volontariat in der DAZ-Redaktion als freie Mitarbeiterin für die DAZ und die PTAheute tätig.

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