Praxis

„Wir müssen draußen bleiben“

Kopflausbefall behandeln und vorbeugen

Von Beatrice Rall | Kopfläuse sind ein lästiges Problem. Eines, das vor allem Kinderköpfe betrifft und das immer wieder auftreten kann. Zwar hat sich ein Kopflausbefall mit den zur Verfügung stehenden Pedikuloziden mittlerweile rasch „erledigt“, doch die Gefahr eines erneuten Befalls bleibt nach einer erfolgreichen Behandlung stets bestehen. Viele Eltern wünschen sich daher etwas, das die Köpfe ihrer Kinder (und natürlich auch ihre eigenen, denn Kopfläuse sind zwar auf den Menschen spezialisiert, mögen aber durchaus auch ältere Köpfe) schützt. Für diesen Wunsch gibt es nun ebenfalls Präparateempfehlungen, so dass Kopflaus-Kunden sowohl hinsichtlich der Therapie als auch der Prävention beraten werden können.

Kopfläuse sind flügellose Insekten. Sie ernähren sich von menschlichem Blut und verbringen ihren kompletten Lebenszyklus auf menschlichen Köpfen. Die bis zu drei Millimeter großen Tiere haben eine Lebensdauer von bis zu drei Wochen. Weibliche Kopfläuse legen in dieser Zeitspanne bis zu 300 Eier. Aus ihnen schlüpfen nach sieben bis zehn Tagen Larven, sog. Nymphen, die innerhalb von neun bis zwölf Tagen und drei Häuten wiederum zu erwachsenen Kopfläusen heranwachsen. Nach dem Schlüpfen der Nymphen bleiben die leeren, weißlich erscheinenden Eihüllen (Nissen) am Haar klebend zurück und wachsen mit diesem nach und nach heraus.

Bis sie ausgewachsen sind, halten sich die Larven stets in der Nähe der Kopfhaut auf, um jederzeit rasch an ihre Futterquelle gelangen zu können. Denn diese benötigen sie für ihr Überleben regelmäßig: alle zwei bis drei Stunden nehmen Kopfläuse Blut zu sich. Adulte Kopfläuse, die sich schneller als die Larven bewegen können, findet man auch an den Haarspitzen, von wo aus sie dann auf andere Wirte gelangen. Wichtig zu wissen: Kopfläuse sind hochspezialisiert. Sie akzeptieren ausschließlich den Menschen als Wirt. Tiere werden von ihnen nicht befallen – und Haustiere müssen daher bei einem Kopflaus­befall in der Familie nicht „mitbehandelt“ werden. Kopfläuse springen auch nicht. Von Wirt zu Wirt gelangen sie nur über direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt. Die Gefahr, sich über Mützen, Fahrradhelme etc. mit Kopfläusen anzustecken, ist dabei relativ gering. Zwar können Kopfläuse von den Haaren aus in die Kopfbedeckungen „wandern“, dort sind sie jedoch nicht lange überlebensfähig, weil ihnen die regelmäßige Nahrungszufuhr fehlt. Bereits nach wenigen Stunden sind sie zu geschwächt, um auf einen neuen Wirt zu krabbeln.

Fotos: imago stock&people; greenpapillon – Fotolia.com
Lästige Krabbler Kopfläuse sind vor allem in Kindergärten, Kitas und Schule ein regelmäßig auftauchendes Problem. Zum Glück ist ein Kopflausbefall harmlos. Krankheiten werden von den Insekten nicht übertragen. Allerdings kann sich die Kopfhaut entzünden, wenn der durch Läuse ausgelöste Juckreiz zum Kratzen führt.

Kopflausbefall erkennen ...

Ansteckungsgefahr besteht vor allem in Einrichtungen, in denen Menschen auf engem Raum zusammen kommen. Das ist insbesondere in Kindergärten, Kitas und Sportvereinen der Fall, wenn Kinder zusammen spielen, toben und auch kuscheln. Kinder haben daher auch ein besonders hohes Risiko für einen Kopflausbefall.

Er macht sich meist durch Juckreiz bemerkbar, der als Reaktion auf die Substanz, die Läuse beim Blutsaugen in die Kopfhaut abgeben, entsteht. Allerdings geht ein Kopflausbefall nicht zwingend mit Juckreiz einher. Vor allem anfangs kann dieses Symptom fehlen. Es empfiehlt sich daher, bei einem sog. „Kopflaus-Alarm“, also der Bekanntmachung in Kindergarten, Schule etc., dass ein Kopflausbefall gemeldet wurde, den Kopf des Kindes, das in diese Einrichtung geht, zu untersuchen.

Dabei sollte man folgendermaßen vorgehen: Die Haare an mehreren Stellen scheiteln und die Kopfhaut nach Larven absuchen, die sich an den Haaren dicht über dem Haaransatz befinden. Sichtbar werden dabei auch bräunliche Lauseier, z. B. um die Ohren herum und am Haaransatz im Nacken. Die Eier sind klebrig und lassen sich nur schlecht von den Haaren entfernen. Neben den braunen Lauseiern sind auch leere Eihüllen, Nissen, erkennbar. Sie ähneln Schuppen, lassen sich jedoch ebenfalls schwer entfernen. Um erwachsene Läuse aufzu­spüren, werden die Haare angefeuchtet und Strähne für Strähne mit einem dichten Kamm durchgekämmt.

... und behandeln

Für die Behandlung eines Kopflausbefalls stehen in der Apotheke verschiedene pedikulozide Präparate zur Verfügung. Sie gehen entweder mit einem neurotoxischen oder einem physikalischen Wirkansatz gegen die Insekten vor. Als neurotoxische Pedikulozide werden in Deutschland Pyrethrumextrakt und synthetische Pyrethroide verwendet. Sie töten Läuse, indem sie bei ihnen als Kontaktgift spannungsabhängige Natriumkanäle in den Nervenmembranen irreversibel blockieren. Durch die Blockade kommt es zur Atemlähmung bei der Laus. Sie erstickt also.

Das Infektionsschutzgesetz schreibt vor ...

... dass Eltern, die einen Kopflausbefall bei ihrem Kind feststellen, diesen im Kindergarten oder in der Schule melden.

Darüber hinaus sollten Eltern von Freunden sowie ggf. von Vereinskameraden des Kindes informiert und sofort mit der Behandlung begonnen werden.

Nach der ersten Behandlung darf ein Kind wieder in den Kindergarten oder die Schule gehen. In der Regel genügt eine Bestätigung der Eltern, dass eine Behandlung durchgeführt wurde.

Neurotoxische Pedikulozide sind sehr effektiv und töten in der Regel mit nur einer Anwendung alle Lausstadien zuverlässig ab. Von Nachteil bei neurotoxischen Pedikuloziden ist die unter ihrer Anwendung beobachtete Resistenzbildung sowie das allergene Potenzial der verwendeten Substanzen.

Als physikalisch wirkende Pedikulo­zide werden Silikon- und Mineralöle verwendet sowie verschiedene pflanzliche Substanzen. Besonders häufig ist in entsprechenden Präparaten das Silikonöl Dimeticon enthalten. Es legt einen Film über die Laus und dringt in ihr Tracheensystem ein, wo es die Sauerstoffaufnahme verhindert. Mineralöle wie White Oil sowie pflanzliche Substanzen wie Neem-Extrakt wirken entsprechend. Auch der physikalische Wirkansatz beruht somit darauf, dass die Laus erstickt.

Vorteile bei physikalischen Pedikuloziden sind eine gute Verträglichkeit und keine Resistenzbildung. Ihre Wirksamkeit ist teilweise jedoch schwächer als die der neurotoxischen Substanzen. Für die sichere Abtötung aller Lausstadien werden meist zwei Anwendungen im Abstand von sieben bis neun Tagen benötigt. Zudem sind Präparate mit Silikon- oder Mineralölen entflammbar, weshalb während der Einwirkzeit auf den Haaren die Nähe zu offenen Flammen oder auch die Anwendung eines Föhns vermieden werden sollte.

Kopflausbefall vorbeugen

Die Möglichkeiten, einem Kopflaus­befall vorzubeugen, waren bislang begrenzt. Aktuell sind drei neue Präparate auf den Markt gekommen, die sich an die Prävention eines Kopflausbefalls richten: AntiJump®, Hedrin® Protect & Go und Mosquito® Läuse 2in1 Shampoo + Abwehr. 

Foto: Hennig Arzneimittel


AntiJump®

AntiJump® ist das Läusepräventions-Präparat, das Hennig Arzneimittel in diesem Jahr als Ergänzung zu seinem Pedikulozid Licener® in den Markt eingeführt hat. Das Läuse-Abwehrspray enthält einen Extrakt aus Zitroneneukalyptus (Eucalyptus citriodora), der nach dem Aufsprühen einen Schutzschild um das Haar bilden soll. Läuse erkennen den mit diesem Extrakt behandelten Kopf Hennig Arzneimittel zufolge nicht mehr als potenzielle Nahrungsquelle und steuern ihn somit auch nicht an. Die Wirkung des Sprays, das für Menschen einen angenehmen Geruch haben soll, hält bis zu 12 Stunden an. AntiJump® kann zur Prävention eines Lausbefalls bei Kindern ab einem Alter von 12 Monaten angewendet werden. Dermatest® hat das Produkt dermatologisch mit „sehr gut“ bewertet.

Eine Empfehlung soll AntiJump® für Kunden nach einer erfolgreichen Entlausung, um einem erneuten Kopflausbefall vorzubeugen. Weiterhin empfiehlt sich die Anwendung, wenn im Umfeld „Läusealarm“ gegeben wurde. Um einen bereits vorhandenen Kopflausbefall zu bekämpfen, eignet sich AntiJump® allerdings nicht – darauf sollten Kunden hingewiesen werden.

Foto: Stada


Hedrin® Protect & Go

Hedrin® Protect & Go soll mit einer Wirkstoffformel aus Dimeticon und dem patentierten Activdiol® (1,2-Octandiol) in einer Präventiv­dosierung von 1% Kopflausbefall vorbeugen. Gelangt eine Kopflaus auf der Suche nach einem neuen Wirt von einem Kopf zum nächsten und trifft dort auf mit Hedrin® Protect & Go behandeltes Haar, wird Stada zufolge deren Wachsschicht durch das 1,2 Octandiol aufgeweicht. Zum einen führt dies zu einer Austrocknung der Laus, zum anderen kann das vorliegende Dimeticon leichter in die Laus eindringen. Die Laus wird so geschädigt, dass sie – bevor sie sich festsetzen und vermehren kann – abgetötet wird. Empfohlen wird, Hedrin® Protect & Go wie einen Conditioner zu verwenden, sobald sich Kopfläuse im Umfeld verbreiten. Es handelt sich bei dem Produkt um ein Spray. Die Angabe „wie einen Conditioner“ verwenden, bedeutet, dass Hedrin® Protect & Go nach der Haarwäsche ins feuchte Haar gesprüht und die Haare anschließend getrocknet werden sollen. Empfohlen wird, Hedrin® Protect & Go bei Kopfläusen im Umfeld mindestens zweimal wöchentlich anzuwenden. Nach jeder Haarwäsche ist die erneute Anwendung zwingend erforderlich, da der Schutz durch die Haarwäsche ansonsten verloren geht. 

Foto: Wepa


mosquito® Läuse 2in1 Shampoo + Abwehr

mosquito® Läuse 2in1 Shampoo + Abwehr von Wepa kombiniert – wie der Name schon impliziert – die Behandlung bei Kopflausbefall mit einer präventiven Komponente. Es enthält eine Kombination aus Oligodecen-Öl, Schäummittel und dem „Läuseschutzfaktor“ LPF®. Der Wirkstoff Oligodecen-Öl wirkt wie Dimeticon, indem er einen Film um die Laus legt und ihre Tracheen verklebt. Darüber hinaus löst das Öl die Wachsschicht des Laus­panzers auf, so dass diese austrocknet. Es handelt sich somit um den „klassischen“ physikalischen Wirkansatz zur Läusebekämpfung. Der ebenfalls enthaltene Läuseschutzfaktor LPF® (Sesamöl, Acrylatcopolymer) soll die Haare parallel dazu für Läuse unattraktiv machen und darüber eine erneute Ansiedlung der Insekten verhindern: Postuliert wird ein Effekt, der sich in drei Schritten vollzieht: Im ersten Schritt neutralisiert LPF® die elektrische Ladung der Haare. Kopfläusen soll es dadurch erschwert werden, sich von Kopf zu Kopf zu bewegen. Im zweiten Schritt führt LPF® dazu, dass das Haar für Läuse (nicht jedoch für Menschen) unangenehm riecht. Und schließlich verändert LPF® die Haarstruktur in der Weise, dass Kopfläuse sie meiden.

Angewendet wird mosquito® Läuse 2in1 Shampoo + Abwehr im Rahmen einer Kopflausbehandlung auf dem trockenen Haar. Es hat eine Einwirkzeit von 15 Minuten und wird dann ausgespült. Nach der Behandlung schützt mosquito® Läuse 2in1 Shampoo + Abwehr laut Herstellerangaben bis zu drei Tage vor einem erneuten Kopflausbefall. Aufgrund der milden Zusammensetzung soll das Präparat auch über längere Zeiträume regelmäßig eingesetzt werden können – auch rein präventiv. Die Anwendung erfolgt dabei analog zum Behandlungsschema. mosquito® Läuse 2in1 Shampoo + Abwehr ist für Kinder ab einem Jahr geeignet. |

Unser Service: Merkblatt und Flyer

Für Abonnenten liegt dieser DAZ ein Merkblatt bei, mit dem wir Sie in der Beratung bei der Abgabe eines Kopflausmittels unterstützen möchten. Sie finden das Merkblatt auch hier.

Auf DAZ.online finden Sie als DAZ-Abonnent auch einen Flyer, den Sie – versehen mit Ihrem Apothekenstempel – Kunden mitgeben können und der die wichtigsten Informationen für Anwender von Kopflausmitteln zusammenfasst. Den Flyer finden Sie hier.

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