Dermatologie

Kopfläuse: Wie man die lästigen Gäste los wird

Kopfläuse sind stationäre Ektoparasiten des Menschen, die weltweit verbreitet sind. Ihr Auftreten hat nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun, da sie durch Waschen der Haare mit gewöhnlichem Shampoo nicht beseitigt werden können. Enge zwischenmenschliche Kontakte begünstigen die Verbreitung von Kopfläusen. Sie treten saisonunabhängig auf, und so sollten Aufklärung und die Beratung zu einer korrekten Therapie in der Apotheke auch über das ganze Jahr erfolgen! Denn es stehen effektive Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Das Robert Koch-Institut hat die erforderlichen Maßnahmen bei einem Kopflausbefall aktualisiert und dabei vor allem die Verantwortung der Eltern hervorgehoben.

Denn dass in Deutschland so häufig Kopfläuse auftreten liegt nicht an den hygienischen Bedingungen oder daran, dass Läuse so schwer zu bekämpfen sind. Das Problem besteht darin, dass Eltern sich oft schämen, wenn bei ihren Kindern Läuse festgestellt werden. Sie werten das als ein Zeichen mangelnder Hygiene und – verschweigen das Problem! Statt mit den verfügbaren Mitteln in der eigenen Familie schnell und konsequent zu therapieren und das soziale Umfeld angemessen einzubeziehen, wird ignoriert und verzögert. Nur so lassen sich die immer wieder auftretenden Fälle in Schulen und Kindergärten erklären.

Die Kopflaus (Pediculus humanus capitis) ist ein flügelloses, ausgewachsen etwa 2 bis 3 mm großes abgeplattetes Insekt. Sie lebt in der Regel permanent auf ihrem Wirt im Kopfhaar. Bei massivem Befall können gelegentlich auch andere behaarte Stellen des Oberkörpers wie der Bart oder die Augenbrauen betroffen sein. Läuse haben Mundwerkzeuge, mit denen sie stechen und saugen können. Sie nehmen mehrmals täglich Blut als Nahrung auf. Zugleich bringen sie Speicheldrüsensekrete in die Wunde ein, die Fremdkörperreaktionen und häufig Juckreiz hervorrufen. Kopfläuse übertragen in unseren Breiten aber keine Krankheitserreger. Der Lebenszyklus der Kopflaus verläuft in mehreren Stadien vom Ei über drei Larven- bzw. Nymphenstadien bis zur adulten Laus (Imago). Aus entwicklungsfähigen Eiern, die in der Regel bis höchstens 1 cm von der Kopfhaut entfernt an den Haaren haften, schlüpfen etwa sieben Tage nach der Eiablage Larven. Diese werden nach etwa neun Tagen geschlechtsreif. Vom Ei bis zur ersten Eiablage der Weibchen dauert es etwa 17 bis 20 Tage. Befruchtete Weibchen legen lebenslang etwa drei bis fünf Eier täglich, und heften diese ovalen, 0,8 mm langen gedeckelten Eier, deren sichtbare Chitinhüllen auch als Nissen bezeichnet werden, nah der Kopfhaut wasserunlöslich an die Haare. Auch wenn theoretisch schnell große Populationen entstehen können, weisen Patienten meist nur geringe Parasitenzahlen auf (< 10). Ein frischer Befall wird daher nicht nur wegen der fehlenden Symptome in der Latenzphase leicht übersehen. Zumal sie flink und lichtscheu sind und leicht übersehen werden. Kopfläuse haben sich sehr gut an die gleich bleibenden Bedingungen am menschlichen Kopf angepasst: Getrennt vom Wirt werden sie durch fehlende Blutmahlzeiten relativ schnell geschwächt, verlieren rasch ihre Vermehrungsfähigkeit und überleben bei Zimmertemperatur in der Regel nicht mehr als zwei Tage. Daher neigen Läuse nicht dazu, den behaarten Kopf zu verlassen. Der hauptsächliche Übertragungsweg geht direkt von Mensch zu Mensch bei engem Kontakt durch Überwandern der Parasiten von Haar zu Haar. Dafür sind sie mit drei Paar Beinen versehen, die klauenartige Fortsätze haben, mit denen sie sich gut an den Haaren festhalten und fortbewegen können. Selten erfolgt die Übertragung aber auch indirekt über Gegenstände, die mit dem Haupthaar in Berührung kommen und die innerhalb einer kurzen Zeitspanne gemeinsam benutzt werden.

Leitsymptom ist ein starker Juckreiz

Die Stiche der Kopfläuse können zu hochroten urtikariellen Papeln und zu starkem Juckreiz führen. Durch bakterielle Superinfektionen kann das klinische Bild eines Ekzems entstehen, das dann bevorzugt hinter den Ohren, am Hinterkopf und im Nacken auftritt. Weiterhin kann es zu regionalen Lymphknotenschwellungen kommen. Die Diagnose wird bei einer systematischen Untersuchung des behaarten Kopfes durch den Nachweis von lebenden Läusen, Larven oder entwicklungsfähigen Eiern gestellt. Dazu wird das mit Wasser und einer Haarpflegespülung angefeuchtete Haar mit einem Läusekamm untersucht. Dies sind spezielle Kämme, deren Zinken nicht mehr als 0,2 mm voneinander entfernt sein sollten und wenig elastisch sind, so dass die Läuse oder Nissen besser erfasst werden. Das Haar muss systematisch Strähne für Strähne gekämmt werden. Dabei sollte der Kamm so geführt werden, dass er von der Kopfhaut aus fest zu den Haarspitzen heruntergezogen wird. Nach jedem Kämmen wird der Kamm auf einem hellem Tuch abgestreift und eventuell gefundene Läuse werden beseitigt. Adulte Läuse können dem Nachweis entgehen, wenn sich nur wenige Exemplare auf dem Kopf befinden. Die Eier werden häufiger nachgewiesen, hier muss jedoch zwischen entwicklungsfähigen und abgestorbenen Eiern bzw. leeren Eihüllen unterschieden werden. Entwicklungsfähige Eier sind im Haar durch ihre gelbliche bis mittelbräunliche Färbung schwerer zu finden. Sie haften am Haar meist nahe der Kopfhaut. Besonders gut sind die Eier der Läuse hinter den Ohren sowie in der Schläfen- und Nackengegend zu entdecken. Sie unterscheiden sich von Kopfschuppen oder Haarspraypartikeln dadurch, dass sie sehr fest am Haar haften und nicht abgestreift werden können. Die auffälligeren weißlichen bis perlmuttartig schimmernden leeren Eihüllen sind leichter zu entdecken. Da Kopfläuse ihre Eier ca. 2 mm entfernt von der Kopfhaut ablegen, die Larven nach sechs bis zehn Tagen schlüpfen und das Haar etwa 10 mm im Monat wächst, sind Eihüllen, die weiter als 1 cm von der Kopfhaut entfernt sind, in der Regel leer.

Erfolg garantiert: Wirk-prinzipien kombinieren

Nach der heutigen Auffassung besteht eine optimale Behandlung von Kopfläusen in einer Kombination chemischer, mechanischer und physikalischer Wirkprinzipien, so dass synergistische Effekte genutzt werden können. Am Tag der Diagnose (Tag 1) sollte unter genauer Beachtung aller Hinweise des Herstellers mit einem Insektizid behandelt werden. Mit pedikuloziden Substanzen wurden in verschiedenen Studien Erfolgsraten von über 90% erzielt. Da Kopflausmittel nicht zuverlässig alle Eier abtöten und in Abhängigkeit vom Mittel und dessen Anwendung Larven nach der Erstbehandlung nachschlüpfen können, muss innerhalb eines engen Zeitfensters unbedingt eine Wiederholungsbehandlung mit dem Kopflausmittel durchgeführt werden – optimal ist Tag 9 oder 10. Diesen engen zeitlichen Rahmen einzuhalten ist notwendig, weil bis zum 8. Tag noch Larven nachschlüpfen und ab dem 11. Tag junge Weibchen bereits neue Eier ablegen können.

Als Arzneimittel für eine Kopflausbehandlung sind in Deutschland zur Zeit Präparate mit den pedikuloziden Wirkstoffen Allethrin (Jacutin® N Spray), Lindan (Jacutin® Gel, Rp), Permethrin (Infecto Pedicul® Lösung) bzw. Pyrethrum (Goldgeist® forte Lösung) zugelassen. Lindan darf allerdings nach einer Entscheidung der EU-Kommission ab 2008 in Arzneimitteln nicht mehr verwendet werden. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass die Anwendung streng nach den Herstellerangaben zu erfolgen hat: Wird zu wenig aufgetragen oder die Einwirkzeit nicht eingehalten, können Läuse womöglich überleben. Als Medizinprodukte stehen Zubereitungen mit Kokosöl und -derivaten (Aesculo® Gel, Mosquito® Läuse Shampoo), Dimeticon (Etopril® Lösung, Nyda L® Lösung) bzw. Kokosöl, Anisöl und Ylang-Ylangöl (Paranix® Spray) zur Verfügung. Diese Medizinprodukte wirken rein physikalisch, indem sie die Atmungsöffnungen bei Läusen und Nissen verkleben. Bei ihnen sind bisher keine Reizwirkungen auf die Haut oder eine Resistenzentwicklung beschrieben worden. Zudem können sie ohne eine Altersbeschränkung auch bei kleinen Kindern angewendet werden.

Bei allen Präparaten sollte auf eine korrekte Anwendung geachtet werden, denn mögliche Fehler in der Behandlung, die das Überleben nicht nur von Eiern, sondern auch von Larven oder Läusen begünstigen, sind

  • zu kurze Einwirkzeiten,
  • zu sparsames Ausbringen des Mittels,
  • eine ungleichmäßige Verteilung des Mittels,
  • eine zu starke Verdünnung des Mittels in triefend nassem Haar,
  • das Unterlassen der Wiederholungsbehandlung!

Resistenzen von Kopfläusen gegenüber Pyrethroiden wurden in Deutschland bisher nur vereinzelt vermutet. Allerdings weisen die in anderen europäischen Ländern (z. B. Dänemark, Großbritannien) und auch weltweit beobachteten Resistenzen, insbesondere gegen Permethrin und Malathion (in Deutschland nicht als Läusemittel zugelassen), auf eine mögliche Resistenzgefahr hin und sollten zu erhöhter Aufmerksamkeit zwingen.

Eine Ausbreitung schnell verhindern

Besonders in Gemeinschaftseinrichtungen und im Kindes- und Jugendalter muss immer mit dem Auftreten von Kopfläusen gerechnet werden. Ihrer Ausbreitung kann dann durch entsprechende Aufmerksamkeit und geeignete Maßnahmen verlässlich entgegengewirkt werden. Erzieher und Betreuer sollten über ein Grundwissen bezüglich der notwendigen Maßnahmen der Verhütung und Bekämpfung verfügen. Festgestellter Kopflausbefall erfordert ohne Zeitverzug – möglichst noch am Tage der Feststellung – bei den Personen mit dem Befall eine sachgerecht durchgeführte Behandlung mit einem zugelassenen Arzneimittel oder einem Medizinprodukt, das zur Tilgung von Kopflausbefall nachweislich geeignet ist. Daneben sollten die mit Wasser und Haarpflegespülung angefeuchteten Haare immer sorgfältig ausgekämmt werden!

Damit das soziale Umfeld mit untersucht und möglicherweise eine Behandlung veranlasst werden kann, ist es zwingend erforderlich, mögliche Kontaktpersonen in Familie, Kindereinrichtungen oder Schulen zu informieren. Wird aus falscher Scham ein Kopflausbefall geheim gehalten, so besteht die Möglichkeit der Wiederansteckung. Eine prophylaktische Mitbehandlung von Kontaktpersonen im häuslichen Milieu wird nicht grundsätzlich empfohlen, kann aber erwogen werden. Die Übertragungswahrscheinlichkeit bei vorherigem engen Kontakt, aber auch die Kosten und potenzielle Nebenwirkungen gilt es dabei zu bedenken. Wenn Kontaktpersonen mitbehandelt werden, muss die Behandlung – wie vorgeschrieben – wiederholt werden. Nur nach einer sachgerechten Anwendung eines zur Tilgung des Kopflausbefalls geeigneten Mittels, ergänzt durch sorgfältiges Auskämmen des angefeuchteten Haars mit einem Läusekamm, ist eine Weiterverbreitung auch bei noch vorhandenen vitalen Eiern mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu befürchten.

Das RKI weist darauf hin, dass die Erziehungsberechtigten zur Durchführung dieser Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen verpflichtet sind! Machen Sie den Eltern bewusst, dass nur das rasche Erkennen und Behandeln eines Kopflausbefalls und die pflichtgemäße Mitteilung darüber eine Voraussetzung für die erfolgreiche Verhütung und Bekämpfung der Läuse sind. Wird ein Kopflausbefall festgestellt, so darf das Kind keine Gemeinschaftseinrichtungen mehr besuchen. Grundsätzliche Voraussetzung dafür, dass Schulen und andere Gemeinschaftseinrichtungen wieder besucht werden können, ist, dass Maßnahmen durchgeführt wurden, die eine Weiterverbreitung mit hoher Sicherheit ausschließen. Nach solch einer durchgeführten Erstbehandlung können die Kinder aber am nächsten Tag den Kindergarten oder die Schule wieder besuchen.

Quelle

Kopflausbefall. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte, Epidemiologisches Bulletin des Robert Koch-Instituts Nr. 20/2007.

Kopfläuse und andere Parasiten. Priv.-Doz. Dr. Regina Fölster-Holst, Kiel, Veranstaltung der DPhG Baden-Württemberg, Stuttgart, 20. September 2007.

Deutsche Pediculosis Gesellschaft e.V., www.pediculosis-gesellschaft.de

  • Tag 1: mit einem Insektizid behandeln und anschließend nass auskämmen
  • Tag 5: nass auskämmen, um früh nachgeschlüpfte Larven zu entfernen, bevor sie mobil sind
  • Tag 8, 9 oder 10: erneut mit dem Insektizid behandeln, um spät geschlüpfte Larven abzutöten
  • Tag 13: Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen
  • Tag 17: eventuell letzte Kontrolle durch nasses Auskämmen
Sind die langen Haare Schuld?
Mädchen sind zwar häufiger von Läusen betroffen, das liegt aber nicht an der Haarlänge, sondern am Sozialverhalten. Mädchen stecken häufiger und länger die Köpfe zusammen als Jungen.

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