Arzneimittel und Therapie

Läusealarm

Welche Mittel die Kasse noch bezahlt

jb | Die gesetzlichen Krankenkassen müssen das Läusemittel Jacutin® Pedicul Fluid (Dimeticon) von Almirall bald nicht mehr erstatten. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte dem Medizinprodukt seine Verordnungsfähigkeit vor einigen Jahren aberkannt – der Hersteller wehrte sich dagegen. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat das Bundessozialgericht vergangene Woche entschieden, dass der G-BA zur Streichung berechtigt war. Sobald die Änderung im Bundesanzeiger veröffentlicht wird, ist der Bescheid rechtskräftig. Eine Versorgungslücke entsteht allerdings nicht, es gibt ausreichend verordnungsfähige Alternativen.

Medizinprodukte

Diese Präparate wirken rein physikalisch. Die ölige Lösung blockiert die Atemöffnungen der Läuse, Larven und Nissen. Dies führt zu deren Erstickung. Eine Resistenzentwicklung der Läuse ist nicht möglich. Bei bestimmungs­gemäßer Anwendung der Medizinprodukte sollen auch Larven der Läuse, Nissen, bekämpft werden. In der Anlage V der Arzneimittelrichtlinie gelistet und daher verordnungsfähig sind (bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr oder bei Entwicklungs­störungen bis zum 18. Lebensjahr):

  • Dimet® 20 (Wirkstoff: Dimeticon),
  • Etopril® (Wirkstoff: Dimeticon),
  • NYDA® (Wirkstoff: Dimeticon),
  • Paranix® ohne Nissenkamm (Wirkstoffe: Anisöl, Kokosöl, Ylang-Ylang-Blütenöl).

!!! Mosquito Med®Shampoo 10 ist nicht verordnungsfähig. Das in Anlage V aufgeführte Präparat ist außer Handel. Das Nachfolge-Präparat ist noch nicht gelistet (siehe auch Retax-Fall DAZ 2015, Nr. 21, S. 61).

Weitere Präparate, die allerdings in jedem Fall nicht von der Kasse erstattet werden, sind beispielsweise Aesculo® Gel L (Wirkstoff: Kokosöl), Licener® Shampoo gegen Kopfläuse (Wirkstoff: Neemextrakt).

Foto: Herby ( Herbert ) Me – Fotolia.com

Auf Nummer sicher: Die mechanische Entfernung der Eier mit dem Nissenkamm hilft, ein Nachschlüpfen zu verhindern.

Arzneimittel

Präparate, die als Arzneimittel zugelassen sind, sind bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr oder bei Entwicklungsstörungen bis zum 18. Lebensjahr zu Lasten der GKV verordnungsfähig. Folgende Präparate sind derzeit erhältlich (Beispiele):

  • Goldgeist forte® (Wirkstoff: Pyrethrumextrakt).

Pyrethrumextrakt (syn. Pyrethrine) enthält sechs insektizide Verbindungen. Der Wirkmechanismus beruht auf der verlängerten Öffnung spannungsabhängiger Natriumkanäle der Nervenmembranen. Dies führt zu sensorischer Überregbarkeit, Koordinationsstörungen und Erschöpfung bis zum Tode.

Pyrethrumextrakt-haltige Mittel sind gut pedikulozid wirksam, ihre Wirkung gegen Nissen ist allerdings nur schwach. Daher muss die Therapie nach einer Woche generell wiederholt werden. Das erhöht die Gefahr von ­Nebenwirkungen. Die enthaltenen Verbindungen sind sehr licht- und ­sauerstoffempfindlich. Nur durch den ­Zusatz von Antioxidanzien, die der Zersetzung entgegenwirken, kann ­eine zuverlässige Wirkung erzielt ­werden.

  • Infectopedicul® (Wirkstoff: Permethrin).

Permethrin ist ein synthetisches Pyrethrin, das deutlich weniger Licht- und sauerstoffempfindlich ist als Pyre­thrumextrakt und als besser verträglich gilt. Die höhere Stabilität soll für eine zuverlässigere Wirksamkeit auch gegen Nissen sorgen, wobei diese nicht eindeutig belegt ist. Ein Imprägnier- oder Retardeffekt macht eine ­einmalige Anwendung in den meisten Fällen aber ausreichend. Der Zusatz von Alkohol zu Permethrin soll zudem die Schädigung der Nissen verstärken.

Bei Permethrin besteht die Gefahr der Resistenzbildung. Außerhalb Deutschlands stellen diese Resistenzen und auch Kreuzresistenzen gegen andere Ektoparasiten ein Problem dar.

  • Jacutin Pedicul® Spray (Wirkstoff: Allethrin).

Allethrin ist ebenfalls ein synthetisches Pyrethrin, das allerdings ähnlich licht- und sauerstoffempfindlich ist, wie die natürliche Variante. Die Wirkung gegen Kopfläuse und Nissen ähnelt der des Pyrethrumextrakts. Allethrin ist zwar vergleichsweise etwas weniger toxisch, jedoch birgt die Galenik als Spray das Risiko der Inhalation in sich. Asthmatiker beispielweise, sind hier besonders gefährdet. Daher ist Jacutin®-Spray bei Asthmatikern und Personen mit bronchopulmonalen Erkrankungen kontraindiziert. |

Quelle

Stahlmann R., Sendzik J. Arzneimittel gegen Kopflausbefall; Toxikologie und Wirksamkeit; MMP, Medizinische Monatsschrift für Pharmazeuten; Heft 05/2005

Arzneimittelrichtline Anlage V über www.g-ba.de; Stand 24.03.2015

ABDA-Datenbank, letzter Zugriff am 2. Juni 2015

Das könnte Sie auch interessieren

Was tun bei Kopflausbefall?

Das große Krabbeln

Was gegen Kopfläuse hilft und verordnet werden darf

Den Plagegeistern den Garaus machen

Auch das beste Lausmittel hilft nur bei korrekter Anwendung – und ihrer Wiederholung

Lausige Zeiten

Schwangerschaft, Stillzeit, Allergie

Läusemittel für Schwangere

Infektionsepidemiologie, Diagnose und Therapie der Pediculosis capitis

Kopfläuse im Anmarsch

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.