Management

Dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen

Wie Sie sich Namen leichter merken können

Eigentlich ist es nur eine Kleinigkeit, doch in ihrer Wirkung nicht zu unterschätzen: den Kunden in der Apotheke mit seinem Namen anzusprechen. Das signalisiert ihm, dass er uns bekannt und wichtig ist – eine gute Basis dafür, dass er weder zum Mitbewerber noch zum Versender abwandert. Das Problem dabei: Man kann sich nicht alle Namen merken. Doch bei Kunden, die öfter kommen, sollte man es zumindest versuchen. Zudem es in der Apotheke dank des Rezepts deutlich ein­facher ist, den Namen zu erfahren, als in anderen Branchen.

Wie merkt man sich einen neuen Personen- oder Produktnamen? Treffen Sie sofort die Entscheidung: „Ja, ich will mir dies merken.“ Sie erinnern sich eher an das, was Sie für wichtig halten. Stellen Sie sich vor, man bietet Ihnen 1000 Euro an, wenn Sie einen Kundennamen behalten. Dann wollten Sie sich diesen Betrag sicherlich verdienen und gäben sich Mühe („Vorteilsmotiv“). Das Gedächtnis funktioniert besser, wenn man die Information für interessant und wichtig hält. Manchmal ist es die Bequemlichkeit („Komfortzone“), weshalb man etwas vergisst, man misst der Sache wenig Bedeutung bei und behauptet „Ich kann mir einfach keine Namen merken“.

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Merksprüche bzw. Eselsbrücken sind die halbe Miete, aber auch Konzentration und ein fester Wille helfen beim Einprägen von Kundennamen.

Der gute Wille hilft oft schon

Neues prägt sich leichter ein, wenn man den Kundennamen auf dem Rezept nicht schnell überfliegt, sondern langsam liest, wie in Schrittgeschwindigkeit beim Autofahren. Das erhöht die Chance, den Namen zu behalten, um etwa 50 Prozent. Die Wiederholung des Namens öffnet den Gedächtnisspeicher. Nehmen Sie sich dabei fest vor, sich den Begriff zu merken. Stellen Sie sich vor, Sie klicken im Computer auf „Speichern“. Aufnehmen und Speichern von Begriffen sind zwei getrennte Vorgänge. Neue Begriffe, die man gleichzeitig mit den Augen und Ohren aufnimmt, lassen sich besser speichern.

Ist es Ihnen auch passiert, dass Sie einen bekannten Produkt­namen vergessen haben, der Ihnen aber später wieder einfällt? Selbst angestrengtes und verkrampftes Wühlen in der Gedächtnisschub­lade hilft der Erinnerung oft nicht. Das ist ärgerlich, es liegt meist am augenblicklichen Stress, wenn man gerade nach dem Namen sucht. Stress ist wie eine Blockade und verhindert das Aufnehmen und Speichern von Informationen sowie deren Abrufen. Auch die persönliche Leistungskurve spielt eine Rolle. Im Leistungstief braucht man zum Einprägen von Daten und Namen die doppelte Zeit. Sie können fast jeden x-beliebigen Namen behalten, wenn Sie für einen Moment alle anderen Gedanken ausschließen. Das verlangt viel Konzentration und macht nicht immer Freude.

Eselsbrücken bauen

Ein einfacher Trick hilft beim Merken: Bauen Sie sich eine Eselsbrücke. Namen sind nämlich etwas Abstraktes, unser Gehirn tut sich regelmäßig schwer damit, solche Dinge zu lernen. Ganz anders bei Bildern, Geschichten, Emotionen und anderen sinnlichen Eindrücken. Der Trick ist nun, sich künstlich zum Namen solche sinnlichen Assoziationen zu schaffen. Eine solche Eselsbrücke kann ganz einfach sein, z. B. fällt einem bei Herrn Bäcker oder auch Becker gleich der Mann mit den frischen Brötchen ein oder bei Frau Vogel ein niedlicher Piepmatz. Schwieriger wird es bei komplizierteren Namen. Hier ist es am sinnvollsten, wenn Sie versuchen, ganz persönliche Assoziationen zu finden, lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf. Denken Sie z. B. bei Herrn Beiersdorfer an Ihren Urlaub in einem kleinen bayerischen Dorf oder bei Frau Uhlmann an eine Eule mit Ehemann – es erfährt ja keiner!

Je länger Sie nach einem Namen suchen, desto länger haben Sie sich mit ihm befasst. Und dadurch prägt er sich bei Ihnen ein. Mit zunehmendem Alter werden neue Begriffe kritischer aufgenommen, das hat mit alterstypischer Vergesslichkeit wenig zu tun. Das Gedächtnis wird bei älteren Personen nicht automatisch schlechter, es ist auch mit Ü-50 trainierbar wie ein Muskel. Die großartige Leistung des Gehirns besteht darin, dass es die unzähligen Einzelinformationen in ein System einbaut: Es sortiert Informationen, schätzt ihre Bedeutung ein, entscheidet über Beziehungen und Zusammenhänge, überprüft diese von Neuem, scheidet Unwichtiges aus und speichert eine Information für den späteren Gebrauch. Unwichtige Informationen kreisen ein paar Minuten im Kurzzeitgedächtnis herum und verschwinden dann wieder. Nur solche, denen man besondere Aufmerksamkeit schenkt, gelangen ins Langzeitgedächtnis. Dort werden sie systematisch „abgelegt“. Bei neuen Namen sucht man immer nach bekannten Begriffen: „Die Salbe heißt doch so ähnlich wie …“. Auch das Verknüpfen mit Bildern bringt viel: „Das ist doch das Medikament in der gelben Verpackung.“ Oft erinnert man sich an die Farbe der Verpackung oder an das Logo eher als an den Namen.

Zahlen einprägen

Zahlen sind abstrakte Informationen, sie sind nicht bildhaft. Nur wenige haben ein ausgeprägtes Zahlengedächtnis und können sich Nummern leicht merken. Aber kleine Tricks helfen, z. B. wenn man Zahlen in ein Verhältnis setzt: 842 – vier ist die Hälfte von acht und zwei die Hälfte von vier. Eine andere Möglichkeit: Zahlen prägt man sich nicht fortlaufend, sondern paarweise ein. Statt 804964 also 80 49 64. Man verzeiht sich selbst, wenn man eine Nummer vergisst, aber nicht, wenn man einen Namen nicht mehr weiß. Für Zahlen, Daten, Fakten sind PC und Notizen geeignet. Auswendig lernen ist falscher Ehrgeiz. Was man schriftlich oder digital speichern kann, sollte man dort auch wieder finden.

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Ein perfektes Gedächtnis ist nicht immer ein erstrebenswertes Ziel. Um sich in der Überflutung von Namen, Zahlen, Daten und Fakten schnell zurechtzufinden, muss man auch vergessen, d. h. „Informationsmüll“ löschen können. Wer Sklave seiner Erinnerungen ist, kann sich keinen neuen Situationen mehr stellen. Ein wirklich perfektes Gedächtnis kann auch belastend sein.

Es gibt unterschiedliche Lern­typen. Der auditive Typ prägt sich Namen ein, wenn er sie hört. Für ihn reicht das gesprochene Wort, er merkt sich, was er hört, auch wenn er die Schreibweise noch nicht speichert. Der visuelle Typ kann Inhalte besser speichern, wenn er sie mit dem Auge aufnimmt, ein gehörter Name prägt sich bei ihm nicht so leicht ein.

„Drei Dinge kann ich mir nicht merken. Erstens Namen. Zweitens Zahlen. Und das Dritte habe ich vergessen.“

Schauspieler Curt Goetz

Sperren beseitigen

Zerstreutheit kann die Speicherung von Namen und die richtige Zuordnung verhindern. Mangelnde Konzentration auf einen neuen Namen ist das größte Hindernis. Man kann fast jeden x-beliebigen Namen behalten, wenn man für einen Moment alle anderen Gedanken ausschließt. Auch zu wenig Sauerstoff kann das Gedächtnis negativ beeinflussen. Das Gehirn ist das empfindlichste Körper­organ. Es braucht Sauerstoff und eine gesunde Ernährung. Wer zu wenig (alkoholfrei) trinkt, blockiert sein Aufnahmevermögen. Oft fehlt auch der Wille, sich etwas einzuprägen.

Hilfen für die Merkfähigkeit

1. Sich bewusst vornehmen: „Das präge ich mir ein“

2. Auf volle Konzentration beim Einprägen achten

3. Bei neuen Bezeichnungen das Lesetempo reduzieren

4. Dem eigenen Gedächtnis mehr zutrauen

5. Sich zum Einprägen Zeit nehmen

6. Informationsnutzen suchen

7. Information aktiv einprägen (notieren, aussprechen, nachdenken)

8. Namen später wiederholen

Nutzen Sie alle Möglichkeiten, um Sperren zu beseitigen: hören, aussprechen, schreiben, sehen. Und wenn Sie etwas vergessen haben, nicht gleich den Kollegen fragen, sondern erst einmal nachdenken. Genießen Sie den Erfolg, wenn Sie selbst draufkommen.

Tröstlich ist, dass es dem Kunden oft auch nicht anders geht. Er kommt in die Apotheke und weiß nicht mehr genau, wie das Medikament heißt, das ihm geholfen hat. Die kleinen weißen Tabletten, die mit „A“ anfangen, hat sicher jeder Apotheker schon einmal suchen müssen … |

Dipl.-Betriebswirt Rolf Leicher, Fachautor und Referent, Heidelberg

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