Prisma

Warum wurde Stephen Hawking 75 Jahre alt?

Chronische juvenile Form der Amyotrophen Lateralsklerose

cae | Am 14. März starb der ­britische Astrophysiker Stephen Hawking im Alter von 75 Jahren. Er war vor 54 Jahren an der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) erkrankt, hatte 48 Jahre lang im ­Rollstuhl gesessen und konnte seit 32 Jahren nicht mehr sprechen.

Nach dem Studium der Physik erforschte Hawking insbesondere die Schwarzen Löcher im Weltraum, die aufgrund ihrer sehr großen Masse sämtliche Materie in ihrer Nähe einschließlich der elektromagnetischen Wellen (z. B. Lichtstrahlen) anziehen und unwiederbringlich absorbieren, da sie nichts aus sich entkommen ­lassen.

Foto: Science Photo Library / King-Holmes, James
Stephen Hawking im Alter von 55 Jahren, 1997.

Kosmische Frisuren

Doch Hawking kam zu der Erkenntnis, dass Schwarze Löcher ständig eine feine Strahlung aussenden – ein Widerspruch zur bisherigen Lehrmeinung, den er bildlich so beschrieb: „Black holes are not as black as they were painted.“ Sie besitzen Grenzflächen, die durch Lichtstrahlen, die sich nicht weiter einander annähern können, definiert sind und von Fall zu Fall unterschiedlich aussehen – Hawking verglich sie mit Frisuren. Die von ihm postulierte „Hawking-Strahlung“ konnte allerdings (noch) nicht experimentell nachgewiesen werden, weshalb diese epochale Theorie, die erstmals die Relativitätstheorie mit der Quantentheorie in Einklang brachte, auch nicht nobelpreiswürdig war. Immerhin gilt die Hawking-Strahlung aufgrund anderer Beobachtungen als „indirekt“ bewiesen; dazu zählt insbesondere die noch recht junge Beobachtung, dass bei der Kollision zweier Schwarzer Löcher Gravitationswellen freigesetzt werden.

Foto: Popova Olga - stock.adobe.com
Kollision von zwei schwarzen Löchern – Briefmarke der Isle of Man zu Ehren von Albert Einstein und Stephen Hawking, die die Allgemeine Relativitätstheorie begründeten bzw. weiter erforschten, 2016.

Lange Krankheit zum Tode

Hawkings Krankheit ALS führt in den meisten Fällen nur wenige Jahre nach der Diagnose zum Tod der Patienten. Auch Hawking waren im Jahr 1963 nur noch ein bis zwei Jahre Lebenszeit prognostiziert worden. Doch dann zeigte sich, dass er an der chronischen juvenilen Form der ALS litt, die sehr langsam fortschreitet, sodass er mithilfe der Medizintechnik noch fünf Jahrzehnte weiterleben konnte. Ab 1985 benutzte er einen Sprachcomputer zur Kommunikation. Die relative Hilflosigkeit und Vereinsamung regten seine Vorstellungskraft an, was er als Vorteil für die verständliche Formulierung und Darstellung seiner Theorien empfand, die ihm letztlich auch den Erfolg seiner populärwissenschaftlichen Publikationen – z. B. „Eine kurze Geschichte der Zeit“ – ­sicherten.

Größtes Rätsel ungelöst

Hawking war zweimal verheiratet und zweimal geschieden. Als er in einem Interview zu seinem 70. Geburtstag gefragt wurde, welcher Gedanke ihn im Alltag am meisten beschäftigt, antwortete er: „Women – they are a complete mystery.“ Um das Rätsel der Frauen zu lösen, hätte Hawking Psychologie studieren müssen, aber dann hätte ihm wohl die Frage nach dem Ursprung des Kosmos keine Ruhe gelassen. Hawking hatte sich für die Physik entschieden und musste die Konsequenzen tragen, denn nach seiner Überzeugung hat jeder Mensch nur ein Leben: Nach dem Tod zerfällt mit dem Körper auch das Gehirn, eine Art Super-Computer, in seine funktionslosen Einzelteile; es gibt keine immateriellen Bestandteile des Menschen, und nach dem Tod kommt weder eine Wiedergeburt noch irgendetwas anderes hinterher. – Hawking starb am 14. März, dem Geburtstag des von ihm so sehr verehrten Albert Einstein. |

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