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Wie ticken die Jungen?

Welche Erwartungen junge Menschen an die Arbeitswelt haben

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diz | Wer junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sucht und für seinen Betrieb gewinnen möchte, sollte wissen, welche Anforderungen die junge Generation heute an einen Arbeitsplatz stellt. Sich auf die Bedürfnisse einzustellen, könnte von Vorteil sein. Die Betriebswirtschaftlerin Prof. Dr. Antje-Britta Mörstedt, Göttingen, hat in einer Studie über 1100 Schüler der Generation Z zu ihren Einstellungen und Verhaltensweisen befragt und leitet daraus Auswirkungen auf die Arbeitswelt ab.

Wenn eine Apotheke heute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sucht, wird sie auf drei unterschiedliche Generationen treffen, die sich hinsichtlich ihrer Sozialisation, ihren Ansprüchen und Werten zum Teil deutlich unterscheiden. Betriebswirtschaftler, Soziologen und Jugendforscher haben sich daher darauf verständigt, die Generationen in Abhängigkeit von ihren Geburtsjahrgängen in drei Klassen einzuteilen, wobei die Zeitangaben leicht variieren können:

  • die Generation X, geboren zwischen 1965 und 1979,
  • die Generation Y, geboren zwischen 1980 und 1995,
  • die Generation Z, geboren ab 1995.

Arbeitsweltexperten haben die Erfahrung gemacht, dass sich Verhaltensweisen und Wertvorstellungen insbesondere auch der Generationen X und Y merklich unterscheiden.

Generation X

Die Generation X gilt gemeinhin als ehrgeizig, ambitioniert und materialistisch, aber auch skeptisch, misstrauisch und zurückhaltend und hat den Wunsch nach Individualität. Für die Generation X stehen Werte wie Unabhängigkeit, Individualismus und die Sinnsuche oben an. Die in den 60er- und 70er-Jahren Geborenen gelten als pragmatisch und selbstständig, sie streben nach einer hohen Lebensqualität, für sie ist Zeit wertvoller als Geld. Im Arbeitsleben sind sie ergebnis­orientiert, technisch versiert, sie teilen Macht und Verantwortung. Sie gehen davon aus, dass eine gute Führungskraft durch Kompetenz überzeugt und vertrauenswürdig ist.

Als wichtigstes Kommunikationsmedium verwenden sie heute meist E-Mails und das Mobiltelefon. Bei der Einstellung zur Arbeitszeit zeigt sich: Sobald die Arbeit erledigt ist, verlässt man den Arbeitsplatz. Motivierend sind für sie hohe Freiheitsgrade in der Arbeitsgestaltung, Entwicklungsmöglichkeiten und eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Zur Mitarbeiterbindung schätzt die Generation X ein attraktives Gehalt und Zusatzleistungen, eine hochwertige Arbeitsausstattung sowie eine offene, informelle Unternehmenskultur.

Generation Y

Und damit unterscheidet sich die Generation X klar von der nächsten Generation, der Generation Y, die auch als „Millenials“ bezeichnet wird und wohl eine der am besten erforschten Generationen ist.

Die Generation Y, eine Generation, auf die auch Apotheken bei der Mitarbeitersuche häufig treffen werden, gilt in der Regel als gut ausgebildet, ist gut informiert, hat eine große Affinität zu den sozialen Medien, hat ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, ist gestärkt durch die demografische Entwicklung und den drohenden Fachkräftemangel. Für diese Generation sind eine gute Vernetzung und Teamwork von Bedeutung, ihre Grundeinstellung ist optimistisch. Die heute etwa 20- bis 30-Jährigen leben von ihrer Einstellung her „im Hier und Jetzt“, sie sind mit den neuen Technologien aufgewachsen, für sie gehört es dazu, 24 Stunden online zu sein. Im Arbeitsleben ist diese Generation lernbereit, arbeitswillig, die Arbeit muss Spaß machen. Aber die Forderung nach einem Privatleben ist sehr ausgeprägt. Die Generation Y ist im Arbeitsleben flexibel und anpassungsbereit, sie schätzt eine selbststän­dige und unabhängige Arbeitsweise. Kein Wunder, sie wurden von ihren Eltern auf Augenhöhe erzogen, d. h. zu einem selbstbewussten Auftreten, und dementsprechend treten sie auch mit Selbstbewusstsein gegenüber einem Arbeitgeber auf. Führungspositionen sind ihnen nicht mehr so wichtig, eher fachlich geprägte Laufbahnen und ein projektbezogenes Arbeiten. Und: sie gelten als Meister des Multi-Taskings, so die Einschätzung von Professor Mörstedt. Für Menschen der Generation Y ist eine gute Führungskraft eine Person, „die mich als Mentor und Ratgeber unterstützt“.

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Die jungen Generationen Y und Z haben andere Anforderungen an einen Arbeitsplatz als die früheren Generationen.

Das Hauptkommunikationsmedium der Generation Y ist das Web 2.0, also die Welt von Social Media und Cloud Computing. Eine kategorische Trennung von Arbeits- und Lebenszeit ist bei der Generation Y nicht festzustellen. Im Arbeitsleben wird sie motiviert durch Selbstverwirklichung, durch Vernetzt-Sein und wenn sie mit Leuten auf der gleichen Wellenlänge zusammenarbeiten kann. Mit­arbeiterbindung an ein Unternehmen ist dann ge­geben, wenn sie Flexibilität bei der Arbeitszeit und beim Arbeitsort hat, einen Zugang zu sozialen Netzwerken und Möglichkeiten für Innovation und Kreativität.

Generation Z

Und die Generation Z, geboren ab 1995, heute um die zwanzig Jahre alt: Menschen dieser Generation sind häufig als Einzelkind mit einer Rundumversorgung durch überfürsorgliche Eltern (Helikoptereltern) mit hohen Standards aufgewachsen. Es ist eine Generation, die die Möglichkeit hat, in andere Länder zu reisen, international zu studieren und zu arbeiten, die eine kulturelle Vielfalt erlebt, höchste Ansprüche an Jobs hat, hohe materielle Standards erwartet. Und sie hat viel vom Fachkräftemangel gehört.

Es ist die erste Generation, die komplett mit einer digitalen Welt aufgewachsen ist und eine durchgehende Präsenz in sozialen Netzwerken erlebt. Die Generation ist geprägt von einer hohen Technologieaffinität, integriert in jedem Lebensbereich, woraus sich ein hoher Anspruch an eine moderne Ausstattung, z. B. auch der Anspruch auf einen Internetzugang am Arbeitsplatz, ableitet.

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Mit der digitalen Welt aufgewachsen ist es für die Generationen Y und Z selbstverständlich, social media auch bei der Arbeitsplatzsuche zu nutzen.

Geprägt wurde die Generation Z beispielsweise auch durch einen Multichannel-Einkauf rund um die Uhr, durch ein hohes Maß an Verfügbarkeit von Informationen, durch ein Vernetzt-Sein mit der ganzen Welt, immer online.

Wie Professorin Mörstedt aus ihrer Studie (Umfrage unter Abiturienten) ermittelt hat, sucht diese Generation keine langfristigen Bindungen weder zu Unternehmen noch zu anderen Gruppierungen, abgesehen möglicherweise von der Familie. Für diese Generation ist das Leben eine Ansammlung aus unterschiedlichen Lebensabschnittspartnerschaften aus unterschiedlichen Bereichen.

Bei der Arbeitsplatzsuche nutzt die Generation Z vor allem das Internet; Informationen werden vor allem über die Unternehmens-Homepage beschafft, über Social Media wie Unternehmens-Blog, Arbeitgeberbewertungsportale. Eine Bindung an Unternehmen wird nicht angestrebt, das Privatleben dominiert ganz klar. Der Wunsch nach Entwicklungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten ist für junge Berufseinsteiger ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Wahl des künftigen Arbeitgebers, stellte Mörstedt in ihrer Studie fest. Geschätzt wird allerdings auch eine kollegiale Arbeitsatmosphäre.

Wie Mörstedt zusammenfassend feststellt, scheinen sich die Generationen Y und Z zunächst ähnlich zu sein, zumal sich auch die ersten Geburtsjahrgänge einer älteren Generation mit denen der jüngeren Generation überschneiden. Bei der Einstellung zur Teamarbeit allerdings zeigen sich Unterschiede: Während sich die Generation Y als sehr teamfähig zeigt, legt die Generation Z eher eine Einzelkämpfermentalität an den Tag. Deutliche Unterschiede gibt es auch beim Thema Work-Life-Balance: Die Generation Y verbindet gerne Beruf und Privates, die Generation Z ist dagegen für eine strikte Trennung von Beruf und Privatem. Und was die Identifikation mit dem Arbeitgeber betrifft, so ist sie bei der Generation Y kaum vorhanden, höchstens zu Personen, bei der Generation Z allenfalls zu Projekten. Aus der Umfrage von Mörstedt lässt sich auch ableiten, dass die Generation Z zudem sehr ichbezogen wirkt, weil sie noch stärker mit den sozialen Netzwerken aufgewachsen ist. Als Gemeinsamkeit bei beiden Generationen sieht man allerdings: eine hohe Erwartungshaltung an den späteren Job (Spaß und Abwechslung bei hohem Gehalt) sowie ein großes Selbstvertrauen. |

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