Gesundheitspolitik

Hals- und Beinbruch

Von Redewendungen und Sprichwörtern lernen

Andreas Kaapke ist Professor für Handelsmanagement und Handelsmarketing an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Standort Stuttgart, und Inhaber des Beratungsunternehmens Prof. Kaapke Projekte. E-Mail: a.kaapke@kaapke-projekte.de

Wenn man im Deutschen sagt „kein Bein wird gebraucht“ ist gemeint, dass darauf kein Gedanke verschwendet wird. Dies hat man in den letzten Jahren bei der Gesundheitspolitik vermuten müssen, sei es in Parteiprogrammen oder Koalitionsverträgen, wenn es um die Apotheker ging. Als freier Beruf stehen die Apothekerinnen und Apotheker auf eigenen Beinen, aber stehen sie auch fest auf beiden Beinen? Alle Kinder können ein Lied davon singen, wenn sie die Beine unter des Vaters Tisch strecken. Und wenn etwas nicht so läuft, wie sich ein anderer das vorstellt, dann kann er versuchen, der Sache Beine zu machen. Wer beweglich bleiben möchte, kann sich die Beine vertreten oder viel auf den Beinen sein. Wenn dies nicht gelingt, steht er sich im Gegenteil die Beine in den Leib oder Bauch. Wer sich nicht mehr verändern möchte, auf Bewährtes setzt, eine Sache behutsam und träge angeht und sich auch nicht mehr übermäßig anstrengt, reißt sich kein Bein mehr raus. Vielleicht ist dies aber auch Ausdruck eines „Mit-beiden-Beinen-auf-der-Erde-bleiben“ und damit realistisch zu sein und sich keinerlei Träumen mehr hinzugeben.

Wer trotz aller Bemühungen wenig erfolgreich ist, kriegt kein Bein auf den Boden oder auf die Erde und wer trotz alledem Glück im Unglück hat, fällt irgendwie immer wieder auf die Beine.

Etwas verloren zu geben, meint man, wenn man sich etwas ans Bein bindet und manch einer steht morgens mit dem falschen oder linken Bein zuerst auf. Und während Sie lesen, sollten Sie nach unten schauen und beobachten, ob Sie nicht einen Klotz am Bein haben, genau analysieren, wer Ihnen zuletzt einen Knüppel zwischen ihre Beine geworfen hat oder Ihnen gar ein Bein stellen wollte. Geläufiger ist es, kalte Füße zu kriegen, wiewohl es in manchen Regionen auch „kalte Beine kriegen“ heißt, also doch noch Angst bekommen und einen Rückzieher machen. Und mancher, der sich selbst in Schwierigkeiten bringt, ist über seine eigenen Beine gestolpert oder gefallen.

Manch Gegenstand kriegt schon mal Beine, kommt also abhanden oder ist wie von Geisterhand spurlos verschwunden und wer sich schon mal auf die Hinterbeine gestellt hat, widersetzt sich einem Gesprächs- oder Verhandlungspartner und gibt nicht auf Anhieb klein bei.

Viele dieser Sprichwörter und Redewendungen scheinen wie gemeißelt für die Apothekerinnen und Apotheker. Der Status der Selbstständigkeit zwingt den Apotheker frühzeitig auf eigenen Beinen zu stehen, wiewohl die staatlichen Regelungen und Regulierungen dazu führen, dass die Apotheker ihre Füße unter des Staates Tisch legen. Diese Zwittersituation des Beine gemacht kriegen und etwas auf die Beine stellen, ist eben sprichwörtlich für die deutsche Apothekerschaft. Und obwohl die Politik die Aufgabe übernommen hatte und Stein und Bein geschworen hat, dafür Sorge zu tragen, dass die Apotheker auskömmlich ihrem Beruf nachgehen können, ist die Zahl der Knüppel, die zwischen die Beine geworfen wurden und werden und die Anzahl der gestellten Beine durch die Gesundheitspolitik in den letzten Jahren weiter gestiegen.

Auf der anderen Seite wollen sich auch nicht alle Apotheker ein Bein ausreißen, denn die Veränderungsbereitschaft ist weit weniger verbreitet als kolportiert. Und mag man dafür auf der einen Seite Verständnis zeigen, da die laufenden gesetzlichen Änderungen per se anstrengend sind, so ist die Veränderungsbereitschaft die vermutlich einzige Möglichkeit, immer wieder selbst auf die Beine zu kommen.

Man kann den Eindruck gewinnen, dass die Apotheker in der Vergangenheit immer wieder auf die Beine gefallen sind, aber stimmt dies? Die Zahl der Schließungen nimmt zu, also nicht alle fallen auf die Beine, sei es für sich selbst oder indem ein Nachfolger gefunden wird.

Mit dem Positionspapier oder auch Leitbildprozess haben die Apotheker den ersten Versuch unternommen das Heft wieder in die Hand zu nehmen und auch nach außen deutlich erkennbar wieder auf beiden Beinen zu stehen. Man würde sich wünschen, dass man sich öfter und konsequenter auf die Hinterbeine stellen würde und der Politik häufiger auf die Beine tritt und damit ermahnt, auch die apothekerlichen Belange zu berücksichtigen. Von Kindesbeinen an sind Apothekerinnen und Apotheker eher dezent, leise, vornehm und tendenziell zurückhaltend. Aber im echten Leben fallen eben die besonders langen Beine auf, denn Lügen haben kurze Beine. Und solange vermittelt wird, dass es doch kein Beinbruch sei, wenn eine neuerliche Honoraranpassung nicht so schnell kommt, man sich also auch dies wieder mal an das Bein bindet, wird Besserung kaum kommen.

Die Herausforderungen des Berufsstandes in Zukunft werden eher größer denn kleiner. Na dann: Hals- und Beinbruch! 

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