Aus den Ländern

Leitbild-Diskussion

Friedemann Schmidt informiert in Baden-Württemberg

STUTTGART (cae) | ABDA-Präsident Friedemann Schmidt besuchte am 9. Oktober die Beiratssitzung des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg, um über das künftige Leitbild für Apotheker zu berichten und zu diskutieren. Das Leitbild soll sowohl das Selbstverständnis der Apotheker schärfen als auch die Kompetenz und das breite Leistungsspektrum der Apothekerschaft nach außen kommunizieren.

Schmidt sieht die Zukunft der Apothekerschaft vor allem in der Therapiebegleitung und dem Medikationsmanagement: „Der Patient soll durch uns eine Stärkung erfahren und durch unsere Aufklärung besser an seiner Arzneimitteltherapie mitwirken können.“ Laut einer Studie von IMS Health könnten jährlich rund 19 Mrd. Euro eingespart werden, wenn es gelingt, die Compliance der Patienten zu verbessern. Apotheker sollten sich mit ihren Kompetenzen „aktiv in die Gesundheitsversorgung einbringen“, wozu auch Präventionsthemen zählen. Schmidt forderte dabei, dass zusätzliche Leistungen auch vergütet werden müssen. Ferner wies er darauf hin, dass das professionelle Tun durch aussagefähige Studien und tragfähiges Zahlenmaterial untermauert werden müsse.

Nach und nach fit machen fürs Medikationsmanagement

Die Beiratsmitglieder begrüßten die Intentionen des Leitbildes. „Uns Apothekern hat es in den letzten Jahren eindeutig an Selbstbewusstsein gefehlt. Ein Leitbild kann uns hier Hilfestellung geben und uns den Rücken wieder stärken, indem wir klarstellen, wer wir sind und was wir leisten“, meinte ein Beiratsmitglied. Doch es gab auch pessimistische Töne, dass künftige zusätzliche Aufgaben der Apotheken nicht angemessen honoriert werden.

Was das Medikationsmanagement betrifft, sagte Schmidt: „Wir können die Apothekerschaft nur nach und nach fit für dieses neue Angebot machen. Das kann keine Software leisten, sondern der Apotheker muss sich im direkten, persönlichen Kontakt mit seinen Patienten und deren Medikation auseinandersetzen. Ein professionelles und honoriertes Medikationsmanagement muss in den kommenden Jahren durch den pharmazeutischen Nachwuchs wachsen und gegebenenfalls auch durch Fortbildungsoffensiven implementiert werden.“

Ein weiteres Diskussionsthema war das Verhältnis zwischen Ärzten und Apothekern. Schmidt möchte es nicht der Politik überlassen, die Schnittstellen zwischen Arzt und Apotheker zu definieren, sondern hält eine zwischen Ärzten und Apothekern ausgehandelte Lösung für erfolgversprechender; denn „die Ärzte werden sich von der Politik nicht zu einer Zusammenarbeit zwingen lassen“, so Schmidt.

Aktivitäten des LAV

LAV-Präsident Fritz Becker ging in seinem Bericht rückblickend auf den positiven Verlauf der Kampagne „Gesundheit wählen“ ein. Sie hat in Baden-Württemberg etliche Türen geöffnet und offene Diskussionen mit Bundestagskandidaten gefördert. Dabei änderten einige Kandidaten ihre Meinung zum „Apothekenbus“ und distanzierten sich von diesen Plänen.

Kritisch äußerte sich Becker zur GKV: „Die Kassen wurden von der Politik der letzten Jahre so mächtig gemacht, dass ein Verhandeln innerhalb der Selbstverwaltung gar nicht mehr möglich ist. Aus Verhandlungen wurden einseitige Diktate der Kassen.“ LAV-Geschäftsführerin Ina Hofferberth berichtete von den schwierigen Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband über die Substitutionsausschlussliste und den Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung (vgl. DAZ 2013, Nr. 41, S. 15).

Doch auch Erfolgsmeldungen gab es in der Sitzung: Der LAV Baden-Württemberg hat als bundesweit erster Verband mit allen Krankenkassen des Landes eine Vereinbarung zum Sichtbezug von Drogenersatzmitteln – mit einer dem ärztlichen Honorar gleichgestellten Vergütung – abgeschlossen (vgl. DAZ 2013, Nr. 39, S. 22). Zudem hat der LAV sehr erfolgreich begonnen, für gut 100 Mitglieder Facebookseiten zu erstellen. Das zuständige Vorstandsmitglied Tatjana Zambo sieht darin nicht nur „ein kostenfreies Marketinginstrument für unsere Apotheken“, sondern auch ein Mittel, politische Botschaften der Apotheker zu verbreiten. 

Quelle: LAV Baden-Württemberg

Das könnte Sie auch interessieren

Neues Leitbild für Apotheker professionell erstellen und umsetzen

Fahrplan zum Ziel

DAZ-Interview mit ABDA-Präsident Friedemann Schmidt

„Keine zehn Gebote, sondern Perspektivpapier 2030“

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

DAZ-Interview mit Gabriele R. Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, zum Leitbild, zum Apothekerberuf und zur Kammerarbeit

… sich mit dem Apothekerberuf identifizieren

Vom Arzneimittel zum Patienten

Das Leitbild – ein Entwurf

ABDA-Vize Mathias Arnold wirbt in Rostock erneut für den Leitbildprozess

Warum Apotheker ein Leitbild brauchen

Ein Rückblick auf das Jahr 2014

Vom Leitbild zum Perspektivpapier

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.