Arzneimittel und Therapie

Sicherheit der Lithiumtherapie

Nach Metaanalyse Nebenwirkungen neu bewerten

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts werden Lithiumsalze zur medikamentösen Therapie bei bipolaren affektiven Störungen und Depressionen zur Stimmungsstabilisierung eingesetzt. Allerdings wird auch immer wieder das Sicherheitsprofil diskutiert. Aufgrund von Sicherheitsbedenken waren die Verordnungszahlen für Lithium gesunken, obwohl es als wirksames Mittel bei manisch-depressiven Patienten gilt. Problematisch sind neben der geringen therapeutischen Breite viele Nebenwirkungen, die vor allem Schilddrüsen- und Nierenfunktion betreffen.

Eine Lithiumtherapie wird seit über 50 Jahren vor allem zur Behandlung von bipolaren affektiven Störungen mit dem Ziel einer Stimmungsstabilisierung, aber auch bei Depressionen und vorbeugend gegen Cluster-Kopfschmerz eingesetzt. Als typische Nebenwirkungen gelten Gewichtszunahme, Kreislaufstörungen, Tremor, Übelkeit mit Erbrechen und Durchfällen, verstärkter Durst und verstärktes Wasserlassen und eine Unterfunktion der Schilddrüse. Die therapeutische Breite von Lithium ist gering, der therapeutische Serumspiegel liegt je nach Indikation zwischen 0,5 und 1,0 mmol/l, schon leicht erhöhte Dosen können zu Schläfrigkeit, höhere zu Krämpfen und Koma führen. Wegen der geringen therapeutischen Breite werden regelmäßige Kontrollen des Serumspiegels empfohlen. Als Nebenwirkung einer Langzeittherapie können Wasser- und Natrium-Verluste, Azidosen und Einschränkungen der Nierenfunktion auftreten. Auch Wechselwirkungen mit nicht-steroidalen Antirheumatika und ACE-Hemmern können zu einer Erhöhung des Lithium-Spiegels führen.

Regelmäßig Schilddrüsen- und Nierenfunktion überprüfen

Britische Wissenschaftler haben jetzt fast 6000 Publikationen zur Sicherheit einer Lithiumtherapie aus unterschiedlichen Datenbanken ausgewertet und von diesen 385 mit randomisierten kontrollierten Studien und Beobachtungsstudien für eine Metaanalyse zusammengefasst. Ausgewertet wurden mögliche Funktionsstörungen der Nieren, Schilddrüse und Nebenschilddrüse, Gewichtsveränderungen und Erkrankungen der Haut und Haare sowie eine mögliche Teratogenität. Bei 25% der Patienten trat unter einer Lithiumtherapie eine Schilddrüsenunterfunktion oder Störung der Nebenschilddrüsen auf (gegenüber vergleichsweise 3 bzw. 1% in der normalen Bevölkerung). Für eine klinische relevante Nierenfunktionseinschränkung gab es wenig Evidenz, wobei auch das absolute Risiko für ein späteres Nierenversagen sehr gering war. Häufig war die Lithium-Einnahme mit einer Gewichtszunahme verbunden. Es sollte der Calciumspiegel vor und während der Lithiumtherapie wegen der durchgängig beobachteten hohen Prävalenz für einen Hyperparathyreoidismus kontrolliert werden.

Kontraindikation Schwangerschaft nicht gegeben

Ein erhöhtes Risiko für embryonale Fehlbildungen wurde in der Metaanalyse nicht beobachtet. Eine mögliche Teratogenität konnte nicht geklärt werden. Bislang gilt Lithium während der Schwangerschaft als kontraindiziert. Eine mögliche Schädigung des Fetus unter einer Lithiumtherapie konnte aber nicht nachgewiesen werden. Die Autoren raten daher Ärzten zu einer Nutzen-Risiko-Abwägung bei Frauen mit Kinderwunsch oder bei bestehender Schwangerschaft. Bei einer stabilen Einstellung sollte die Medikation mit Lithium in der Schwangerschaft mit gleichbleibend niedrigen Serumkonzentrationen insbesondere im 1. Trimenon weitergeführt werden. Die Tagesdosis sollte auf mehrere (kleine) Einzeldosen verteilt und Retard-Präparate verwendet werden.


Quelle
McKnight, R.F.; et al.: Lithium toxicity profile: a systematic review and meta-analysis. Lancet (2012) Online-Vorabpublikation: Doi 10.1016/S0140-6736(11)61516-X vom 20. Januar 2012.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2012, Nr. 6, S. 46

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