Gesundheitspolitik

Immer mehr Freizeitsportler dopen

Medikamente werden bereits auf dem Schulhof gedealt

Berlin (ks). Nach Einschätzung von Sachverständigen ist Doping keinesfalls nur ein Problem des Leistungssports. Auch Freizeit- und Breitensportler greifen immer häufiger zu vermeintlich leistungssteigernden Medikamenten. Allerdings mangelt es bislang an validen Untersuchungen für diesen Bereich.

Bei einer öffentlichen Anhörung des Sportausschusses am 27. Mai im Bundestag zeigten sich die geladenen Experten darin einig, dass sowohl der betroffene Personenkreis als auch die Intensität des Medikamentenmissbrauchs im Freizeit- und Breitensport weiter zunimmt. Auch das Einstiegsalter sinke permanent – schon 13-jährige Sportler schrecken vor Medikamenten nicht zurück. Während man im Spitzensport ein wachsames Auge für Dopingsünder entwickelt hat, habe sich die einschlägige Szene im Freizeit- und Breitensport "ungebremst entfalten können", erklärte der Sportwissenschaftler Mischa Kläber, der zu eben diesem Thema an der TU Darmstadt promoviert. Er forderte, dem Problem mehr Aufmerksamkeit zu schenken, ohne dabei die Freizeitsportler zu verurteilen oder zu diffamieren. "Hauptnachschubstation" für die verbotenen Substanzen sind nach seinen Befragungen vor allem Fitnessstudios. Zugleich verwies Kläber darauf, dass bei vielen Freizeitsportlern der Medikamentenmissbrauch unter ärztlicher Beobachtung stattfinde. Auch laut Prof. Perikles Simon von der Universität Mainz lässt sich ein Drittel der Dopingnutzer vom Arzt "kontrollieren". Etwa 60 Prozent der verwendeten Substanzen stammten von Ärzten und aus Apotheken. Allerdings nehme auch der Missbrauch via Internet zu, so Simon. Die am häufigsten verwendeten Wirkstoffe seien Methandienon sowie verschiedene Testosteronester. Meist hänge jedoch der eingesetzte Wirkstoff vom Angebot des Schwarzmarktes ab. Dem Sportmediziner zufolge haben etwa 700.000 von sechs Millionen Mitgliedern in Fitness-Centern schon zu Dopingsubstanzen gegriffen – doch die Dunkelziffer kann noch viel höher liegen. Prof. Klaus Müller, langjähriger Leiter des Doping-Analyselabors in Kreischa, betonte die hohe gesellschaftliche Relevanz des Themas. Das Problem sei inzwischen "in Kindeshand verlagert". Die einschlägigen Arzneimittel würden in Sportclubs oder in der Schule gedealt. Konsum und Missbrauch gingen durch alle Schichten, Sportarten, Altersgruppen und beträfen beide Geschlechter.

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