Guter Schlaf

Nachts durchatmen – morgens erholt aufwachen

Von Ingo Fietze
Eine Bedingung für eine hohe Lebensqualität mit einem aktiven, erfüllten Tagesablauf ist eine regelmäßige erholsame Nachtruhe. Dazu gehören eine ausreichende Schlafdauer und eine gute Schlafqualität. Wenn jemand unter nicht-erholsamem Schlaf leidet, kann eine Schlafapnoe die Ursache sein, aber auch schlichtweg eine Verengung der Atemwege in der Nase. Diese Behinderung der Atmung kann durch ein Nasenpflaster beseitigt werden.

Die Schlafdauer sollte sechs Stunden nicht unterschreiten. Sie beträgt im Mittel in Deutschland 7,14 Stunden. Die Wohlfühlschlafmenge liegt meist darüber. Beim Langschläfer sind dies mehr als neun Stunden, bei ausgesprochenen Kurzschläfern können es aber auch nur sechs Stunden sein.

Normale Schlafstruktur

Wie lang die Wohlfühlschlafmenge ist, zeigt sich z. B. im Erholungsurlaub, und zwar nach Abbau des Schlafdefizits in den ersten Nächten. Gewöhnlich baut man unter der Woche ein Schlafdefizit auf, das man am Wochenende wieder abbaut.

Die Schlafstruktur ist gekennzeichnet durch die mehrmalige Wiederholung des Schlafzyklus (alle 90 bis 100 Minuten). Ein Schlafzyklus beinhaltet die Abfolge der Schlafstadien 1 (oberflächlicher Schlaf), 2 (mitteltiefer Schlaf), 3 und 4 (Tiefschlaf) sowie des Traumschlafs (REM).

Eine gute Schlafqualität liegt vor, wenn man innerhalb von 30 Minuten einschläft, 15 bis 20% der Nacht tief schläft, 20 bis 25% träumt und wenn man nach gelegentlichem (meist unbemerktem, nicht erinnertem) Aufwachen schnell wieder in den Schlaf findet.

Was den Schlaf beeinträchtigt

Zu den äußeren Faktoren, die wesentlich die Schlafqualität beeinflussen, gehören Lärm, Licht, Temperatur, Sauerstoffgehalt der Luft und der Schlafkomfort. Nur im Tiefschlaf sind alle sensorischen Antennen ausgeschaltet. Selbst lautes Schnarchen des Bettnachbarn kann uns dann nichts anhaben. In den anderen Schlafstadien sind wir leichter erweckbar.

Zu den inneren Faktoren, die die Schlafqualität beeinflussen, gehört psychischer oder körperlicher Stress aufgrund von Überlastung oder einer Erkrankung, z. B. einer Depression. Frauen schlafen in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren schlechter. Zudem können viele Medikamente und Genussmittel wie Alkohol, Nicotin und Kaffee die Schlafqualität mindern. Dass Schmerzen, Juckreiz, Schwitzen, Harndrang oder Tinnitus den Schlaf beträchtlich stören können, bedarf keiner Erklärung.

Behinderung der Nasenatmung

Voraussetzung für einen gesunden und erholsamen Schlaf ist die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen, wenn auch in geringerer Intensität. So sinken der Puls und der Blutdruck, und die Atmungsfrequenz nimmt ab.

Bei geöffneten und durchgängigen Atemwegen ist die ausreichende Versorgung mit Atemluft gewährleistet. Doch viele Schläfer haben hier ein Problem. Für einen gesunden Schlaf brauchen wir die Nasenatmung, wobei das Verhältnis von Mundatmung zu Nasenatmung vom Schlafstadium und von der Schlaflage abhängig ist. Im Verlauf der Nacht nimmt der nasale Atemwegswiderstand zu, sodass wir beim Einschlafen mehr Nasenatmung und beim Aufwachen mehr Mundatmung aufweisen. Bei Rückenlage vollzieht sich diese Änderung schneller als bei Seitenlage.

Die Nase stellt eine Problemzone dar, weil sie mehr als die Hälfte des gesamten Atemwegswiderstandes verursacht, den die Luft auf dem Weg in die Lunge bewältigen muss. Der nasale Atemweg ist zwar kurz, er ist aber die engste Stelle des gesamten Atemweges mit z. T. nur 1 bis 3 mm Breite. Von großer Bedeutung ist der vordere Teil der Nase im Bereich der Nasenflügel, insbesondere die Schleimhaut der Nasenmuscheln. Natürlich auftretende Schleimhautschwellungen, die alle 0,5 bis 10 Stunden von der einen zur anderen Nasenhälfte wechseln, werden Nasenzyklus genannt. Während die Rückenlage keinen Einfluss auf den Nasenzyklus hat, wird er durch die Seitenlage unterbrochen.

Schon ein einfacher Schnupfen oder eine allergische Reaktion kann die nasalen Atemwege so verengen, dass der Schläfer häufig aufwacht und keinen erholsamen Schlaf findet. Andere Gründe für eine verengte Nase können Polypen, Nasenscheidewandverkrümmungen und übergroße Nasenmuscheln sein. Auch Nicotin- und Alkoholgenuss, Schwangerschaft und ein höheres Alter wirken sich negativ aus.

Schnarchen

Die Ursache für das Schnarchgeräusch liegt im weichen Gaumen, wo das Gaumensegel durch die Verlegung des Atemweges vibriert. Dies kann durch eine behinderte Nasenatmung extrem verstärkt werden.

Die Häufigkeit des Schnarchens nimmt im Alter zu; zwischen 41 und 65 Jahren schnarchen ca. 60% der Männer und 40% der Frauen gelegentlich. Etwa 95% aller Schlafapnoe-Patienten schnarchen.

Behinderung der Mundatmung

Die Nasenatmung gewinnt nochmals an Bedeutung, wenn die Mundatmung im Schlaf behindert ist. Hier spielt der Tonus der Zungenmuskulatur, des weichen Gaumens und der Rachenseitenwände vor allem in Rückenlage eine besondere Rolle. Bei gemindertem Tonus kommt es zum Schnarchen und anderen Atmungsstörungen, die die Betroffenen oft nicht bemerken. Wenn jedoch Mund- und Nasenatmung zugleich behindert sind, führt dies meist zu Weckreaktionen mit Luftnot, Herzrasen und Angstgefühlen.

Symptome bei behinderter Atmung

Eine behinderte Nasenatmung führt zu häufigen Weckreaktionen insbesondere dann, wenn man längere Zeit auf einer Seite gelegen hat und der Nasenzyklus unterbrochen ist. Die Folge ist, dass der Betroffene sich im Schlaf nicht erholt und oft unter einer unerklärlichen Tagesmüdigkeit leidet. Die behinderte Nasenatmung kann das Schnarchen extrem verstärken. Viele Schnarcher fühlen sich morgens nach dem Aufwachen nicht erholt und verspüren meist auch Mundtrockenheit.

Mittel, die die Atmung erleichtern

Patienten, die über Unausgeruhtsein am Morgen, Mundtrockenheit oder Schnarchen klagen, wissen meist nicht, dass eine gestörte nächtliche Atmung die Ursache sein kann. Dies ist in der Regel der Fall, wenn ihre Nasenatmung auch am Tage durch Schnupfen oder allergische Reaktionen behindert ist oder wenn sie übermäßig viel Alkohol konsumieren.

Ein einfaches Mittel, um die Nasenatmung im Schlaf – und auch am Tage – zu verbessern, sind sogenannte Nasenstrips, ein Nasenpflaster, das von außen die Nasenflügel spreizt. Das Pflaster reduziert laut klinischer Studien den nasalen Widerstand um ca. 14 bis 25%. In weiteren Studien führte es nicht nur subjektiv zur sofortigen Erleichterung der Nasenatmung, sondern konnte auch die Anzahl der nächtlichen Weckreaktionen verringern, die Sauerstoffsättigung im Schlaf verbessern, die Schlafqualität erhöhen, das Schnarchen mindern sowie auf diese Art die Lebensqualität verbessern. Das Pflaster lässt sich zudem mit der nasalen Beatmungstherapie (nasal continuous positive airway pressure, nCPAP) kombinieren (s. u.).

Ein Vorteil des Nasenpflasters gegenüber den ebenfalls wirksamen Nasendilatatoren ist die sichere Langzeitanwendung. Positive Prädiktoren für die Anwendung des Pflasters sind ein höheres Alter, häufiges Schnarchen, relativ enger nasaler Atemweg sowie die schlechte Wirkung medikamentöser Maßnahmen, mit denen das Pflaster übrigens gut kombiniert werden kann.

Ein Mittel, um die Mundatmung zu verbessern, ist die Kinnbinde, die das Herunterklappen des Unterkiefers und damit eine Verengung des Zungengrundes verhindert. Die Kinnbinde ist weniger effektiv als das Nasenpflaster, und es existieren keine wissenschaftlichen Studien zu ihrer Anwendung. Dennoch kann sie, wenn sie beim Tragen toleriert wird, bei den sogenannten gesunden Schnarchern und den Schnarchern mit nur wenigen Atmungsstörungen durchaus nützlich sein.

Fragwürdige Mittel

Als Hilfen bei erschwerter Rachenatmung werden oft Präparate mit ätherischen Ölen, Vitaminen und Menthol angeboten. Der Mechanismus des Einwirkens auf die Rachenschleimhaut ist aber – bis auf den kühlenden Effekt – noch weitgehend unklar.

Mechanische Dilatatoren oder Aktivatoren für den Rachenraum gibt es bisher nicht. Alle Hilfsmittel aus dem Betteneinrichtungshaus wie magnetische oder speziell geformte Kissen oder Matratzen sind bisher den wissenschaftlichen Beweis schuldig geblieben, das Schnarchen zu mindern oder die Schlafqualität zu verbessern.

Schlafmedizinische Maßnahmen

Häufige Schlafunterbrechungen, nächtliche Luftnot, Nachtschweiß, häufiges Wasserlassen und morgendliche Kopfschmerzen sind Symptome einer obstruktiven Atmungsstörung wie der Schlafapnoe. Diese Patienten sollten sich an einen Schlafmediziner wenden. Goldstandard der Behandlung einer mittelgradig ausgeprägten Schlafapnoe ist die nasale Beatmungstherapie (nCPAP). Eine Alternative bei einer moderaten Schlafapnoe ist die Unterkieferprotrusionsschiene; weniger effektiv sind chirurgische Maßnahmen.

Wege zur verbesserten Schlafqualität

Die rein mechanische Öffnung der Nase mit einem Nasenstrip ist ein sanft wirkendes, sicheres Verfahren, um die nächtliche Atmung und damit den Schlaf und die Lebensqualität vieler Patienten mit Schlafstörungen zu verbessern.

Zum Schluss seien einige Maßnahmen genannt, die der Betroffene selbst durchführen kann und auf die ihn der Apotheker hinweisen kann. Hierzu gehören die Gewichtskontrolle, das Meiden von übermäßigem Alkoholkonsum und die gesunde Schlafhygiene mit einer ausreichenden Schlafdauer. Für die Nasenatmung ist die Rückenlage vorteilhafter als die Seitenlage.


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Anschrift des Verfassers:

PD Dr. med. Ingo Fietze, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Interdisziplinäres Schlafmedizinisches Zentrum
Luisenstraße 13a, 10117 Berlin
www.charite.de/schlaflabor

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