Arzneimittel und Therapie

Obstruktive Schlafapnoe steigert Schlaganfall-Risiko

Schlafapnoe ist häufiger als man denkt Ų Schätzungen gehen davon aus, dass jeder vierte Mann und jede zehnte Frau unter wiederholten Atemaussetzern während des Schlafes leiden. Eine großangelegte Studie hat kürzlich gezeigt, dass Menschen mit Schlafapnoe ein mindestens doppelt so großes Schlaganfallrisiko besitzen wie Personen ohne diese Störung.

Schlaganfälle zählen zu den Hauptursachen für Tod und lebenslange Behinderung, daher besteht ein großes Interesse daran, relevante Risikofaktoren zu identifizieren. Ergebnisse bisheriger Untersuchungen führten zu der Hypothese, dass das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom einen bedeutsamen Schlaganfall-Risikofaktor darstellen könnte. Es war jedoch bisher unklar, ob dieses Risiko unabhängig von anderen Einflussfaktoren wie beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Rauchen besteht.

Diagnose mittels Apnoe-Hypopnoe-Index Um zur Klärung dieser Frage beizutragen, wurde eine Kohortenstudie mit 1022 Patienten mit einem durchschnittlichen Alter zwischen 59 und 61 Jahren durchgeführt. Die Diagnose ob–struktives Schlafapnoe-Syndrom wurde mithilfe einer speziellen Skala gestellt: Patienten mit einem Apnoe-Hypopnoe-Index von mindestens 5 (fünf oder mehr Ereignisse pro Stunde) wurden der Beobachtungsgruppe, Patienten mit einem Index unter 5 der Vergleichsgruppe zugeteilt. Unter den 1022 Patienten der Studie befanden sich 697 (68%) mit einem obstruk–tiven Schlafapnoe-Syndrom mit einem mittleren Index von 35. Patienten der Vergleichsgruppe hatten einen mittleren Index von 2.

Polysomnographie zur Schlafüberwachung Neben allgemeinen Untersuchungen wurden alle Patienten einer Polysomnographie (siehe Kasten) unterzogen; außer Schlaganfällen wurden auch Todesfälle wegen anderer Ursachen registriert (zusammengesetzter Endpunkt). In der Beobachtungsgruppe erlitten 22 Patienten einen Schlaganfall, 50 Patienten starben aus anderen Gründen. In der Vergleichsgruppe traten zwei Schlaganfälle und 14 Todesfälle auf. Die Auswertung der Beobachtungsergebnisse erfolgte auf zwei Wegen: Eine nicht-adjustierte statistische Analyse ergab, dass das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom mit einer mehr als doppelten Risikoerhöhung für Schlaganfall oder Tod jeglicher Ursache verbunden ist. Nach Adjustierung bezüglich Alter, Geschlecht, Rasse, Raucherstatus, Alkohol-Trinkverhalten, Body Mass Index und des Vorhandenseins verschiedener Erkrankungen (Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Vorhofflimmern und Bluthochdruck) blieb immer noch eine Risikoerhöhung um fast das Doppelte. In einer Trend–analyse war eine erhöhte Schwere des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung des zusammengesetzten Endpunktes verbunden: Patienten mit schwerer Schlafapnoe besaßen ein dreifach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall im Vergleich zur Kontrollgruppe. Damit konnte die Studie zeigen, dass ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom unabhängig von anderen Risikofaktoren (einschließlich Bluthochdruck) das Risiko für einen Schlaganfall oder einen Tod aus anderen Gründen erhöht.

Kurzüberblick Schlafapnoe Umfasst verschiedene schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen (darunter auch das "primäre Schnarchen") kann mit oder ohne pharyngealer Obstruktion auftreten obstruktives Schlafapnoe-Syndrom:

  • pro Stunde Schlaf mindestens 5 pharyngeale Obstruktionen mit Weckreaktionen (Arousals)
  • Apnoen oder Hypopnoen (d. h. Unterbrechungen oder Verminderungen des Atemflusses für länger als 10 sec)
  • Auftreten von Tagesschläfrigkeit
  • Therapie z.B. durch Veränderungen der Lebensführung wie Gewichtsreduktion, Meiden von Alkohol und Schlafmitteln; ggf. operative Erweiterungen des Pharynx; kieferchirurgische Verfahren

Quelle: www.uni-duesseldorf.de/AWMF

Polysomnographie ist eine Untersuchungsmethode der Schlafmedizin mit umfangreichen Messungen, z.B. Atmung, Kreislauf, EKG, Schnarchen, Muskelaktivität, EEG, Augenaktivität. Damit kann die Schlaftiefe und die Zusammensetzung des Schlafes (REM-Schlaf- und Tiefschlafanteile, Aufbau des Schlafes) festgestellt werden.

Quelle: www.somnolab-berlin.de

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