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58 Prozent der Schwangeren trinken Alkohol

BERLIN (ks). Man sollte meinen, es sei allgemein bekannt, dass Alkohol für Schwangere tabu ist. Doch nach einer Studie der Charité Berlin trinken 58 Prozent der Frauen während einer Schwangerschaft gelegentlich Alkohol. Auch Frauen aus der Mittelschicht sind sich der möglichen schwerwiegenden Folgen offenbar nicht bewusst. Der Tag des alkoholgeschädigten Kindes am 9. September soll für Aufklärung sorgen.

Jedes Jahr werden dem Bundesgesundheitsministerium zufolge rund 10.000 alkoholgeschädigte Kinder (FASD – Fetal Alcohol Spectrum Disorders) in Deutschland geboren. 4000 dieser Kinder leiden am Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS), einer schweren körperlichen und geistigen Behinderung. FASD stellt die häufigste Behinderung bei Neugeborenen in Deutschland dar, sie tritt doppelt so häufig wie das Down-Syndrom auf, ist aber zu 100 Prozent vermeidbar. Die Symptome von FASD reichen von leichten körperlichen und psychischen Schädigungen über spätere Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu einer Behinderung, durch die das Kind nie ein eigenständiges Leben führen kann. 80 Prozent der mit dem Fetalen Alkoholsyndrom diagnostizierten Kinder sind ein ganzes Leben lang auf Betreuung angewiesen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing betonte, dass es keinen sicheren Grenzwert für den ungefährlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft gebe. Das Kind sei dem Alkohol genauso ausgesetzt wie die Mutter, habe allerdings weitaus mehr zu leiden, da der Fötus den Alkohol sehr viel langsamer abbaue. "Ein vollständiger Alkoholverzicht in der Schwangerschaft ist somit unabdingbar", so Bätzing. "Das Bewusstsein um die Existenz des Fetalen Alkoholsyndroms, den Umgang mit den Betroffenen und die Möglichkeit der Prävention ist sowohl bei Ärzten, Hebammen und werdenden Müttern noch nicht ausreichend ausgeprägt." So würden die Gefahren des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft häufig verharmlost oder gar nicht wahrgenommen. Frauen aus der Mittelschicht erlägen diesem Irrtum besonders häufig, so Bätzing – Trinken während der Schwangerschaft sei auch ein Problem der gesellschaftlichen Mitte. "Aufklärung, Beratung und Prävention in der Schwangerschaftsvorsorge müssen optimiert werden. Es reicht nicht, eine rhetorische Frage zum Thema Alkohol zu stellen, die das Nein automatisch mit einschließt", forderte die Drogenbeauftragte. Ihre Zustimmung findet daher die Empfehlung der Charité, freiwillige Fragebögen zur Identifikation eines riskanten Alkoholkonsums in der Schwangerschaft einzuführen. Weitere Empfehlungen, wie die Einführung neuartiger Biomarker, wiesen in die richtige Richtung, müssten aber durch spezifische Schulungen der Ärzte auch greifen, so Bätzing.

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