Schwerpunkt Rheuma

Interview: Vitamin E ergänzt die ärztlichen Maßnahmen!

Einer von der Firma Hermes Arzneimittel GmbH, München, verbreiteten Emnid-Umfrage zufolge setzen vier von fünf Rheumatologen hochdosiertes Vitamin E zur Behandlung entzündlicher Gelenkerkrankungen ein. Etwa 80% sollen über einen erkennbaren Behandlungserfolg berichtet haben. Wir haben Prof. Dr. Jürgen Wollenhaupt, Chefarzt der Abteilung Rheumatologie und klinische Immunologie des Klinikums Eilbek in Hamburg um seine Einschätzung gebeten.

d:

Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach Vitamin E bei entzündlichen Gelenkerkrankungen?

Wollenhaupt:

Vitamin E zählt zu den wichtigsten Naturstoffen, die sowohl bei Arthrose als auch bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis oder der Bechterew-Erkrankung hilfreich sind. Die Wirkung entfaltet sich an den arthrotisch gereizten oder rheumatisch entzündeten Gelenken. Durch Bindung freier Entzündungsstoffe (freie Radikale) wird die Intensität des Gelenk-Reizzustandes reduziert. Vitamin E ist kein Medikament. Die ärztliche Behandlung und medikamentöse antiinflamma–torische und analgetische Therapie können durch Vitamin E nicht abgelöst werden. Es kann die medizinisch notwendigen Maßnahmen damit nicht ersetzen, aber ergänzen.

d:

Wie ist die Studienlage?

Wollenhaupt:

Studien deuten darauf hin, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis die Dosis nicht-steroidaler Antiphlogistika reduzieren können, wenn sie gleichzeitig Vitamin E einnehmen. So kann Vitamin E helfen, NSAR-assoziierte Nebenwirkungen zu reduzieren.

Trotz dieser positiven Wirkungen ist der Einsatz von Vitamin E als ergänzende, vom Patienten selbst zu tragende Maßnahme unter Rheumatologen umstritten. Die Ergebnisse einer Umfrage, nach der die meisten Rheumatologen Vitamin E bei der Behandlung von Rheumatikern einsetzen, erstaunt und spiegelt nach meiner Ansicht die Realität – noch? – nicht exakt wider. Dennoch gilt: ergänzende ernährungsmedizinische Aspekte einschließlich der Nahrungsergänzung gewinnen mehr und mehr an Akzeptanz unter Rheumatologen.

d:

Welche Patienten können davon profitieren?

Wollenhaupt:

Von einer Vitamin-E-Einnahme können vor allem Patienten profitieren, die an einer Gelenkentzündung leiden. Dies sind neben allen Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auch Patienten mit Arthroseformen, wenn diese einen entzündlichen Reizzustand (so genannte aktivierte Arthrose) aufweisen.

d:

Welche Dosierung ist notwendig und was sollte bei der Anwendung beachtet werden?

Wollenhaupt:

Bei der Dosierung sollte auf eine ausreichende Dosierung (400 bis 600 I. E. pro Tag) geachtet werden. In der Praxis sind jedoch nicht Unterdosierungen, sondern Überdosierungen häufig. Da der Vitamin-E-Stoffwechsel eng mit dem Selen-Umsatz gekoppelt ist, sollte insbesondere bei einer Vitamin-E-Supplementation von 600 I. E. pro Tag oder mehr auch Selen (z. B. 50 Ķg) zusätzlich supplementiert werden. Neben der Empfehlung der Einzelsubstanzen sind verschiedene Mischpräparationen für Arthritis- und Arthrosepatienten erhältlich, die diesem Aspekt Rechnung tragen (z. B. Orthomol rheumat®).

d:

Wann ist es sinnvoll, einem Rheumapatienten, der in die Apotheke kommt, im Rahmen der Selbstmedikation Vitamin E zu empfehlen?

Wollenhaupt:

Aus rheumatologischer Sicht ist eine Nahrungsergänzung mit Vitamin-E-Präparaten für die angesprochene Patientengruppe zu empfehlen. Die Einnahme ist nicht Bestandteil der medizinisch notwendigen Behandlung und wird daher von den Krankenkassen nicht übernommen, ergänzt jedoch die schulmedizinischen ärztlichen Maßnahmen. Sie ist – im Gegensatz zu vielen fragwürdigen Naturextrakten, die als Rheumawundermittel gepriesen werden – auch schulmedizinisch nachvollziehbar und so eine sinnvolle Eigeninitiative der Patienten. du

d:

Herr Professor Wollenhaupt, vielen Dank für das Gespräch!

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