Arzneimittel und Therapie

Dopaminerger Agonist: Rotigotin-Pflaster gegen Parkinson

Rotigotin ist ein nicht-ergoliner, transdermal applizierbarer Dopamin-Agonist. Nach den Ergebnissen bisheriger klinischer Studien stellt er eine neue, viel versprechende Therapieoption für die Behandlung der Parkinson'schen Erkrankung dar. Die Zulassung (vorgesehener Handelsname Neupro™) in Europa und den USA wird für Anfang 2006 erwartet.

Breite Palette an Therapeutika

Zur medikamentösen Therapie des Morbus Parkinson steht eine große Zahl von Wirkstoffen (siehe Kasten) zur Verfügung. Ihr Einsatz hängt von verschiedenen Faktoren (z.B. Alter des Patienten, Hauptsymptome, Erkrankungsstadium) ab; oft ist nach einiger Zeit eine Kombinationstherapie erforderlich. Auch nicht-medikamentöse Maßnahmen (Physiotherapie, Neurochirurgie) sind von Bedeutung.

Transdermale Applizierbarkeit bietet viele Vorteile

Rotigotin ist ein nicht-ergoliner Dopamin-Agonist mit einer Aktivität an Dopamin D1-, D2- und D3-Rezeptoren im Gehirn. In bisherigen klinischen Studien war der Wirkstoff sowohl in frühen als auch in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung effektiv. Rotigotin bietet den Vorteil, dass es transdermal über ein täglich zu wechselndes Matrixpflaster (siehe Abbildung) appliziert werden kann. In Studien stabilisierten sich ein bis zwei Tage nach erstmaliger Anwendung des Pflasters die Blutplasmaspiegel und blieben während der Pflasterapplikation über eine Zeitspanne von 24 Stunden konstant. Nach Entfernen des Pflasters fällt die Rotigotin-Konzentration im Blut innerhalb weniger Stunden ab, so dass die Therapie bei Bedarf kurzfristig gestoppt werden kann.

Klinische Studien

Klinische Studien haben gezeigt, dass Rotigotin sowohl bei Patienten im Frühstadium als auch im fortgeschrittenen Stadium die Häufigkeit und Stärke von Parkinson-Symptomen reduziert. In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 277 Patienten im Frühstadium der Erkrankung erhielten 181 von ihnen über drei Wochen Rotigotin in Form eines transdermalen Pflasters, 96 Patienten erhielten Placebo. In der Behandlungsgruppe wurde die Rotigotin-Dosis über drei Wochen um wöchentlich 4,5 mg (Wirkstoffgehalt des Pflasters) gesteigert, bis eine Erhaltungsdosis von 13,5 mg erreicht war. Nach sechs Monaten wurde die Therapie in der Rotigotin-Gruppe weitergeführt. Die Patienten der Placebo-Gruppe wurden in gleicher Weise wie zuvor die Patienten des Behandlungsarms auf Rotigotin eingestellt und anschließend ebenfalls über sechs Monate behandelt.

Das Ansprechen auf die Therapie wurde mithilfe der Unified Parkinson's Disease Rating Scale (UPDRS) ermittelt. Gemessen wurde die Verminderung in den Summenwerten der Teile II (Activity of Daily Living) und III (Motor complications) dieser Skala. Im Laufe der ersten sechs Monate der Studie zeigte sich in der Rotigotin-Gruppe im Vergleich zum Behandlungsbeginn eine mittlere Erhöhung in den entsprechenden Teilen der UPDRS von durchschnittlich 3,98 Punkten, in der Placebo-Gruppe von durchschnittlich 1,31 Punkten. Patienten, die von Placebo auf Rotigotin gewechselt hatten, erreichten im Vergleich zum Behandlungsbeginn eine mittlere Verbesserung um 2,4 Punkte. Patienten, die über ein ganzes Jahr mit Rotigotin behandelt worden waren, erreichten im Mittel 4,1 Punkte. Damit konnte bei den mit Rotigotin behandelten Patienten im Vergleich zu den Placebopatienten die motorischen Funktionen wie Zittern, Sprechfähigkeit oder Bewegungsinitialisierung wesentlich verbessert werden.

Als Zusatztherapie bei fortgeschrittener Erkrankung effektiv

In einer Phase-III-Studie mit 351 Patienten mit fortgeschrittenem idiopathischem Morbus Parkinson unter Levodopa-Therapie wurden drei Gruppen gebildet: 111 Patienten erhielten transdermal 27 mg (Wirkstoffgehalt des Pflasters) Rotigotin pro Tag, 120 Patienten 18 mg und 120 Patienten Placebo über insgesamt 29 Wochen. Gemessen wurde die mittlere Reduktion der "Off-Zeiten" (Zeitspanne, in der die Wirkung der Substanz nachlässt und die Patienten sich schlecht bewegen können) im Vergleich zum Behandlungsbeginn.

Bei den mit 27 mg behandelten Patienten lag die mittlere Reduktion der Off-Zeiten in einem 24-Stunden-Zeitraum bei 2,1 Stunden, unter 18 mg bei 2,7 Stunden und unter Placebo bei 0,9 Stunden. Der Unterschied zwischen den Behandlungsarmen und Placebo war jeweils statistisch signifikant. In beiden Studien zählten zu den häufigsten Nebenwirkungen Reaktionen am Applikationsort, Schläfrigkeit, Übelkeit und leichter Schwindel.

Wirkstoffe zur Parkinson-Therapie (Auswahl)

  • Levodopa (in fixer Kombination mit Decarboxylase-Inhibitoren), z.B.:
    • Benserazid (Madopar®)
    • Carbidopa (Nacom®)

  • Dopamin-Agonisten (Monotherapie oder Kombination mit Levodopa), z.B.:

    • Bromocriptin (Pravidel®)
    • Cabergolin (Cabaseril®)
    • Lisurid (Dopergin®)
    • Pergolid (Parkotil®)
    • Pramipexol (Sifrol®)
    • Ropinirol (Requip®)

  • MAO-B-Hemmer, z.B.

    • Selegilin (Antiparkin®)
    • Rasagilin (Azilect®)

  • COMT-Hemmer (in Kombination mit Levodopa), z.B.:

    • Entacapon (Comtess®)
    • Tolcapon (Tasmar®)

  • Anticholinergika, z.B.:

    • Biperiden (Akineton®)
    • Metixen (Tremarit®)

Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist eine progressive, degenerative Erkrankung des ZNS, an der weltweit schätzungsweise vier Millionen Menschen leiden. Ursache ist der Untergang von Dopamin-produzierenden Neuronen im Gehirn und ein damit verbundener Mangel an Dopamin. Dies führt zu einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter Dopamin, Glutamat und Acetylcholin und damit vor allem zu Störungen in den Bewegungsabläufen. Typische Parkinson-Symptome sind Steifheit (Rigor), Muskelzittern (Tremor), verlangsamte Bewegungsabläufe (Bradykinesie) bis hin zur Bewegungsstarre (Akinese), Probleme bei der Bewegungsinitialisierung und Dyskinesie (unfreiwillige Bewegungen). Außerdem leiden Parkinson-Patienten häufig unter Schluckbeschwerden, Schlafstörungen, Depressionen und anderen psychologischen Erkrankungen. Die Erkrankung beginnt meist im sechsten Lebensjahrzehnt, nur fünf bis zehn Prozent der Patienten sind 40 Jahre alt oder jünger. Möglicherweise spielen genetische Faktoren eine Rolle, denn fünf bis zehn Prozent der Patienten haben eine positive Familienanamnese.

Nützliche Hilfsmittel für den Alltag

Patienten mit Parkinson sind in ihrer Motorik stark eingeschränkt. Für die Probleme des Alltags gibt es viele nützliche Hilfen, die die Körperpflege oder die Nahrungsaufnahme vereinfachen: Anziehen

  • Strumpf- und Sockenanzieher
  • Schuhanzieher mit langem Griff
  • elastische Schuhbänder, die einen Schnürschuh in einen Slipper verwandeln

Essen und Trinken

  • Antirutsch-Unterlagen für den Tisch
  • Frühstücksbrett mit Saugnäpfen
  • unzerbrechliche Spezialteller mit erhöhtem Rand
  • Trinkhilfen, Tasse und Becher mit Spezialgriffen
  • Besteck mit formbaren Spezialgriffen
  • abgewinkelte, breite Handgriffe für Töpfe und Pfannen
  • universeller Verschlussöffner für Schraubverschlüsse oder Kronkorken

Lesen und Schreiben

  • Blattwender, erleichtert das Blättern
  • Schreibgriffe, einfach über den Stift schieben, erleichtert das Schreiben
  • Leseständer für Tisch und Bett

Hygiene

  • Badebürste, Nagelbürste, Nagelfeile mit rutschfester Befestigung
  • Badebürste, Waschlappen, Kamm mit Formgriffen
  • gekrümmte Waschhilfe, erleichtert das Waschen des Rückens

Liegen und Sitzen

  • Aufstehhilfe mit Gasdruckfeder, für jeden Stuhl
  • orthopädisch geformte Sitzschale, unterstützt die Lendenwirbelsäule
  • Bettgalgen, zum Aufsetzen aus eigener Kraft

Sicher zugreifen

  • Spielkartenhalter zum Aufstellen, bewahrt auch Zettel auf
  • Handtrainer, trainiert die Feinmotorik

Gehen

  • rollende Gehhilfe (Rollator) zum Bewegen innerhalb und außerhalb der Wohnung
  • Anti-Freezing-Stock, hilft plötzliche Bewegungsstopps zu überwinden

Quelle: www.parkinsoninfo.de

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