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Europäische Drogenpolitik: Cannabis bleibt im Trend

LISSABON/BERLIN (ks). In Europa sterben jährlich zwischen 7000 und 8000 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums. Dennoch: die Drogenproblematik in den EU-Mitgliedstaaten hat sich weitgehend stabilisiert. So meldet es der neueste Jahresbericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle in Lissabon. In den osteuropäischen Beitrittsländern ist allerdings ein Anstieg des Drogenkonsums festzustellen.

Cannabis ist in allen europäischen Ländern die am meisten verbreitete illegale Droge. In Deutschland haben etwa 20 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens zumindest einmal Cannabis konsumiert. In Dänemark und Großbritannien liegt diese sog. Lifetime-Prävalenz bei über 30 Prozent, in Finnland bei 10 Prozent. Gegenwärtig konsumieren etwa 5 Prozent der europäischen Erwachsenen mehr oder weniger regelmäßig Cannabis. Bei Kokain und Ecstasy liegen die Lifetime-Prävalenzen bei jungen Erwachsenen zwischen einem und 5 Prozent. Nur in Spanien und Großbritannien sind diese Werte höher: hier haben zwischen 5 und 10 Prozent Erfahrungen mit den beiden Party-Drogen, Amphetamine haben gar über 20 Prozent schon probiert. Auffällig ist, dass die Prävalenzen in bestimmten Untergruppen, etwa den Besuchern von Techno-Partys, deutlich höher liegen.

Besonders viele Substituierte in Deutschland

Der problematische Drogenkonsum, insbesondere der intravenöse Heroingebrauch, ist in Deutschland vergleichsweise niedrig. Weitaus höhere Prävalenzen finden sich auch hier in Spanien und Großbritannien. In Spanien ist aber zu beobachten ebenso in Holland , dass Heroin zunehmend geraucht statt gespritzt wird. Die substitutionsgestützte Behandlung mit Methadon oder Buprenorphin hat sich mittlerweile europaweit etabliert. Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien haben die größte Gruppe an Substituierten.

Rückgang von HIV-Infektionen

Die HIV-Infektionsraten bei Drogenkonsumenten liegen in Spanien, Frankreich und Italien mit über 30 Prozent zwar noch relativ hoch dennoch ist in allen drei Ländern ein leichter Rückgang zu verzeichnen. In Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden ist die HIV-Prävalenz hingegen niedrig. Fast überall gibt es Spritzenaustauschprogramme und in vielen Ländern sind auch Apotheken in besonderer Weise in diese Programme einbezogen. Die Infektionsraten von Hepatitis, insbesondere Hepatitis C, bei Drogenabhängigen ist allerdings in allen europäischen Ländern hoch (zwischen 60 und 90 Prozent bei der jeweilig untersuchten Gruppe). Hier bedarf es dem Bericht zufolge zusätzlicher prophylaktischer Maßnahmen, die zielgenau bei den gefährdenden Situationen ansetzen.

Immer mehr Konsumenten in Osteuropa

Während die Beitrittsländer vor wenigen Jahren vor allem als Transitstaaten für illegale Drogen galten, breiten sich nun auch hier Handel und Konsum aus. Vor allem beim experimentellen Drogenkonsum ist ein Anstieg festzustellen, insbesondere mit Cannabis. Auch Heroin ist auf dem Markt und verdrängt die lokal produzierten Opiate. Dabei steigt mit zunehmendem Heroin-Konsum die Anzahl der HIV-Infektionen. Kokain und Amphetamine spielen in den osteuropäischen Ländern eine vergleichsweise geringe Rolle. Die legalen Drogen Alkohol und Tabak werden hier allerdings besonders viel und schon in jungen Jahren konsumiert. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, sieht die Drogenarbeit der Bundesregierung durch den Europäischen Drogenbericht bestätigt. Insgesamt sei zu beobachten, dass sich die europäische Drogenpolitik trotz kulturell bedingter Unterschiede mehr und mehr angleiche. In allen Staaten werde der Schwerpunkt auf Prävention und therapeutische Hilfe gelegt. Die Zusammenarbeit unter den Drogenbeauftragten der EU-Partnerstaaten funktioniere gut, effektive Ansätze in der Prävention sollten aber noch transparenter und damit für alle Staaten, insbesondere auch für die Beitrittsstaaten, nutzbar gemacht werden, so Caspers-Merk.

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