Drogen- und Suchtbericht: Alkohol- und Zigarettenkonsum sinkt - doch Cannabis wi

BERLIN (ks). Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marion Caspers-Merk sieht die rot-grüne Drogen- und Suchtpolitik auf einem "guten Weg". Im vergangenen Jahr zeigten sich "einige erfreuliche Trends", erklärte sie bei der Vorstellung des jüngsten Drogen- und Suchtberichts am 18. Mai in Berlin. So sank die Zahl der Todesfälle infolge des Konsums illegaler Drogen erneut. Bei Kindern und Jugendlichen verlieren Alkohol und Zigaretten zudem an Attraktivität. Als "beunruhigend" bezeichnete die Drogenbeauftragte allerdings den steigenden Konsum von Cannabis und synthetischen Drogen.

Mit 1385 Todesfällen lag die Zahl der Drogentoten 2004 auf dem niedrigsten Stand seit 1989. Caspers-Merk schreibt dies den von der Regierung durchgesetzten Überlebenshilfen zu. So seien von den derzeit etwa 120.000 bis 140.000 Opiatabhängigen in Deutschland über 60.000 Personen in einem Substitutionsprogramm.

Aber auch bei den legalen Drogen vermeldet die Drogenbeauftragte Erfolge: Die Raucherquote bei den 12- bis 17-Jährigen ist von 28 Prozent im Jahr 2001 auf 20 Prozent im Jahr 2004 zurückgegangen. Als Gründe hierfür nannte Caspers-Merk die speziell für Jugendliche erwickelte Nichtraucher-Kampagne, die Initiative für rauchfreie Schulen sowie die Anhebung der Tabaksteuer. In einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben 7,9 Prozent der Raucher an, infolge der ersten Stufe der Steuererhöhung mit dem Rauchen aufgehört zu haben. Die zweite Stufe nahmen abermals 7,5 Prozent zum Anlass, rauchfrei zu leben. Egal wie die Verteuerung von Zigaretten steuerpolitisch zu bewerten sei, "gesundheitspolitisch ist sie ein Erfolg", betonte die Drogenbeauftragte.

Sondersteuer auf Alkopops wirkt

Auch die im August 2004 eingeführte Sondersteuer auf Alkopops hat offenbar Eindruck auf die Jugendlichen gemacht: Während vor ihrer Erhebung noch 28 Prozent aller 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal im Monat die alkoholreichen Mixgetränke zu sich nahmen, sind es aktuell nur noch 16 Prozent. Festgestellt wurde auch, dass die Abkehr von Alkopops nicht dazu geführt hat, dass Jugendliche nun vermehrt auf andere alkoholische Getränke zurückgreifen. Auch der Gesamtalkoholkonsum ist bei den unter 18-Jährigen im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen.

Cannabis auf dem Vormarsch

Neben der Drogenaffinität von Kindern und Jugendlichen bildet die Prävention des Cannabiskonsums einen Schwerpunkt des diesjährigen Berichts. Hier zeichnet sich ein weniger rosiges Bild: Bereits in der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen haben sieben Prozent Erfahrung mit dem Konsum von Haschisch oder Marihuana. Unter den 18- bis 25-Jährigen hat jeder Fünfte im letzten Jahr Cannabis konsumiert. Für Caspers-Merk ein "Alarmsignal" - ein Trend, der im Übrigen europaweit zu beobachten sei.

Auch die Anzahl derjenigen, die wegen ihres Cannabiskonsums Beratungsstellen aufgesucht haben, ist innerhalb von zehn Jahren um das Sechsfache gestiegen. Die Drogenbeauftragte erklärt dies unter anderem damit, dass man es versäumt habe, eine "vernünftige Risikodebatte" über Cannabis zu führen. Zu lange hieß es schlicht, Cannabis sei der Einstieg in die Sucht. Dass dies "Quatsch" sei, merkten die Jugendlichen schnell.

Auch das "Outing" verschiedener Prominenter, die sich zum Konsum von Haschisch und Marihuana bekannten, sei nicht hilfreich gewesen, so Caspers-Merk. Neben Cannabis konsumieren Jugendliche auch vermehrt Partydrogen wie Ecstasy und Amphetamine. In diesen beiden Bereichen gebe es daher in Zukunft noch viel zu tun, sagte die Drogenbeauftragte.

Kampagne gegen Medikamentenabhängigkeit

Medikamentenabhängigkeit ist im aktuellen Drogen- und Suchtbericht nur am Rande erwähnt. Allerdings will sich die Drogenbeauftragte dieser Suchterkrankung, die sich meist im Verborgenen abspielt, verstärkt annehmen. Die Bundesregierung plant noch für dieses Jahr eine Kampagne, um die Früherkennung von Medikamentenabhängigkeit zu verbessern. Dabei soll auch die Verantwortung der Ärzte und Apotheker gestärkt werden. Da Transparenz bei der Erkennung und Behandlung dieser Sucht eine wesentliche Rolle spiele, erwartet die Drogenbeauftragte in diesem Bereich von der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und dem elektronischen Rezept "wichtige Impulse".

Den Drogen- und Suchtbericht finden Sie im Internet unter www.drogenbeauftragte.de.

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