Bei jungen Frauen

HPV-Impfung „eliminiert“ Gebärmutterhalskrebs nahezu

Stuttgart - 16.12.2021, 09:15 Uhr

Eine HPV-Impfung schützt effektiv vor HPV-bedingten zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN) und Gebärmutterhalskrebs. Früh geimpfte Mädchen erkranken mittlerweile fast nicht mehr am Zervixkarzinom. (Foto: David A Litman / AdobeStock)

Eine HPV-Impfung schützt effektiv vor HPV-bedingten zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN) und Gebärmutterhalskrebs. Früh geimpfte Mädchen erkranken mittlerweile fast nicht mehr am Zervixkarzinom. (Foto: David A Litman / AdobeStock)


Die HPV-Impfung im Kinder- und Jugendalter reduziert das Risiko für Tumore, die mit dem humanen Papillomavirus assoziiert sind, wie Gebärmutterhalskrebs. Wie wirksam die Impfung vor Krebs schützt, zeigen nun erneut Daten aus England. Sie bestätigen außerdem eine besonders gute Wirksamkeit bei frühem Impfalter.

In England zählt die HPV-Impfung seit 1. September 2008 zu den routinemäßigen Impfungen – Mädchen (und mittlerweile auch Jungen) wird diese seither im Alter von zwölf und 13 Jahren angeboten, zwischen 2008 und 2010 gab es zudem ein Nachhol-Impfprogramm für weibliche Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. England impft mit der bivalenten Vakzine Cervarix®, die vor den zwei Hochrisiko-HPV-Subtypen 16 und 18 schützt. HPV steht für humanes Papillomavirus. Papillomaviren infizieren Haut und Schleimhäute und können dort – je nach Subtyp – zu einer ungefährlichen Warzenbildung (Niedrigrisiko-Typen) führen oder auch bösartige Veränderungen wie Tumore hervorrufen (Hochrisiko-Typen).

Geimpfte vs. ungeimpfte Frauen

Wie wirkt sich das konsequente HPV-Impfen auf das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) aus? Lassen sich bei geimpften Frauen tatsächlich dramatische Rückgänge von Tumorvorstufen und Gebärmutterhalskrebs beobachten? Und für welche Mädchen ist die Impfung besonders effektiv? Antworten auf diese Fragen liefern Wissenschaftler im Fachjournal „The Lancet“ („The effects of the national HPV vaccination programme in England, UK, on cervical cancer and grade 3 cervical intraepithelial neoplasia incidence: a register-based observational study“). Sie verglichen auf Grundlage von Daten aus dem englischen Krebsregister die Zahl der gemeldeten Fälle von Gebärmutterhalskrebs und seiner Vorstufe (CIN 3, In-situ-Karzinom) bei den nun 20- bis 30-jährigen Frauen mit früheren Inzidenzen, als Mädchen noch nicht gegen HPV geimpft wurden. Die Wissenschaftler um Peter Sasieni vom „Guy's Cancer Centre in London“ berücksichtigten für ihre Beobachtungsstudie Daten vom 1. Januar 2006 bis zum 30. Juni 2019.

CIN – was ist das?

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gibt auf seiner Homepage einen Überblick über die einzelnen Stufen von zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN). CIN beschreibt Veränderungen des Gebärmutterhalses, die allerdings auf die Schleimhaut begrenzt sind und nicht auf tiefer liegende Gewebeschichten übergegriffen haben. Zu den CIN zählen leichte (CIN 1) bis mittelschwere (CIN 2) Veränderungen, die als Krebsvorstufe gelten, und oberflächliche Karzinome (CIN 3), die nicht über die Schleimhaut hinaus vorgedrungen sind – sogenannte In-situ-Karzinome. 

  • CIN 1: leichte Zellveränderungen, bilden sich bei 50 Prozent der Frauen allein zurück; frühe, aber kontrollbedürftige Befunde
  • CIN 2: mittelschwere Zellveränderungen, spontane Heilungen sind möglich, aber seltener (etwa ein Drittel der Frauen) 
  • CIN 3: weit fortgeschrittene Zellveränderungen, fortgeschrittene                       Krebsvorstufen mit Übergang zum Karzinom, wobei die veränderten Zellen noch auf die oberen Gewebeschichten begrenzt sind; meist raten Ärzte zur Entfernung des betroffenen Gewebes, da das Risiko für invasiven Gebärmutterhalskrebs hoch ist.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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