Arzneimittel und Therapie

Früh impfen schützt besser

Weniger Krebsvorstufen durch HPV-Impfung im Alter von 12 bis 13 Jahren

Infektionen mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) sind ursächlich für die Entstehung des Zervixkarzinoms. Eine Impfung kann vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Dabei spielt vor allem der Impfzeitpunkt eine Rolle.

In Schottland wurde 2008 ein nationales Impfprogramm mit dem bivalenten Impfstoff (Cervarix®) gegen die HPV-Subtypen 16 und 18 für Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren sowie ein dreijähriges Aufholprogramm bis zu einem Alter von 18 Jahren eingeführt. Nun untersuchten schottische Wissenschaftler die Auswirkungen der routinemäßigen Impfung im Hinblick auf Krebsvorstufen des Gebärmutterhalskrebs – sogenannten zervikalen intraepithelialen Neoplasien (cervical intraepithelial neoplasia, CIN). Im Rahmen einer retrospektiven populations­basierten Studie wurden die Daten des Impfprogramms mit den im Alter von 20 Jahren erhobenen zytologischen Screening-Ergebnissen von neun aufeinanderfolgenden Geburtenkohorten kombiniert. Knapp 140.000 Frauen wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  • nicht geimpfte Frauen (1989/90)
  • Frauen mit Aufholfimpfung im Alter von 14 bis 17 Jahren (1991 bis 1994)
  • Frauen, die im Alter von 12 bis 13 Jahren routinemäßig geimpft wurden (1995/96)

Im Vergleich zu den Ungeimpften war die Rate an CIN Grad 3 oder höher bei geimpften Frauen um 89% geringer (0,59% vs. 0,06%). Zudem wurde eine 88%ige Verringerung der CIN Grad 2 oder höher sowie eine 79%ige Verringerung der CIN Grad 1 beobachtet. Jüngeres Impfalter war mit zunehmender Wirksamkeit des Impfstoffs assoziiert: Bei Mädchen, die im Alter von 12 und 13 Jahren geimpft wurden, verringerte sich die Wahrscheinlichkeit für CIN Grad 3 oder höher um 86%; bei Mädchen, die erst mit 17 Jahren geimpft wurden, lediglich um 51%.

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass bei Frauen, wenn sie im Alter von 12 und 13 Jahren geimpft werden, deutlich weniger Neoplasien auftreten als bei ungeimpften Frauen. Dadurch sinkt das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Allerdings braucht es nach Meinung der Autoren weitere Studien mit langen Nachbeobachtungszeiträumen. |

Quelle

Palmer T et al. Prevalence of cervical disease at age 20 after immunisation with bivalent HPV vaccine at age 12-13 in Scotland: retrospective population study. BMJ 2019;365:l1161

Apothekerin Christine Hahnenkamp

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