DKFZ: Krebsinformationsdienst

Positiver HPV-Test – was tun?

Stuttgart - 15.03.2021, 09:15 Uhr

Durch das neue Routine-Screening auf HPV bei Frauen ab 35 Jahren werden viele der Patientinnen mit einem positiven HPV-Nachweise konfrontiert. Ist das sofort ein Grund zur Sorge? (Foto: Mariakray / stock.adobe.com) 

Durch das neue Routine-Screening auf HPV bei Frauen ab 35 Jahren werden viele der Patientinnen mit einem positiven HPV-Nachweise konfrontiert. Ist das sofort ein Grund zur Sorge? (Foto: Mariakray / stock.adobe.com) 


Mit dem zum 1. Januar 2020 eingeführten routinemäßigen Screening auf HPV bei Ab-35-jährigen Frauen werden diese Frauen häufiger mit positiven HPV-Tests konfrontiert. Was tun? Reine HPV-Infektionen sind nicht behandlungsbedürftig, informiert nun das Deutsche Krebsforschungszentrum.

Seit 1. Januar 2020 gelten geänderte Früherkennungsprogramme zum Screening auf Gebärmutterhalskrebs: Zwar wurde schon zuvor allen Frauen ab 20 Jahren jährlich eine Abstrichuntersuchung (Pap-Abstrich) empfohlen, ein Test auf humane Papillomaviren (HPV) war jedoch keine Routine-Leistung. Diese Empfehlung gilt seit Januar 2020 nur noch für Frauen bis zu einem Alter von 34 Jahren, Frauen ab 35 Jahren hingegen haben seither Anspruch auf eine HPV-Testung. Das Ergebnis – positiv oder negativ – bestimmt sodann das weitere Prozedere: Liegt ein negativer HPV-Test vor und der Pap-Abstrich ist unauffällig, steht der nächste Kontrolltermin erst nach drei Jahren wieder an.

„Ein positiver HPV-Test weist dagegen auf eine klinisch relevante HPV-Infektion am Gebärmutterhals hin, verbunden mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Gewebeveränderung“, erklärt das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ). In diesem Fall steht die nächste Kontrolle bereits nach einem Jahr an. Sollte dann der HPV-Test immer noch positiv sein, folgt innerhalb von drei Monaten eine Untersuchung mit einer speziellen Lupenvergrößerung (Kolposkopie) zur Abklärung, ob Gewebeveränderungen vorliegen.

Positiver HPV-Test bedeutet nicht gleich Krebs

Wer mehr testet, wird auch mehr Infektionen detektieren und so erhalten durch diese geänderten Empfehlungen zunehmend Ab-35-jährige Frauen eine positive HPV-Diagnose, die aber bislang zu keinem auffälligen Pap-Abstrich geführt hat – was sollen Frauen sodann mit der festgestellten HPV-Infektion anfangen?

„Die gute Nachricht ist, dass ein positives Testergebnis nicht mit einer Krebsvorstufe oder gar Krebs gleichzusetzen ist“, erläutert Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes am DKFZ. „Eine HPV-Infektion verläuft häufig symptomlos und wird vom Immunsystem nach einiger Zeit überwunden“. Es besteht also die Chance, dass die Viren auch einfach wieder verschwinden. Nur bei einem kleinen Anteil der länger andauernden Infektionen kommt es laut DKFZ tatsächlich zu Gewebeveränderungen, die Krebsvorstufen für Gebärmutterhalskrebs sein können. Der HPV-Test soll vor allem bei der Risikoabschätzung helfen.

Humane Papillomaviren

Humane Papillomaviren zählen zu den sexuell am häufigsten übertragenen Infektionen. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass sich sexuell aktive Menschen mindestens einmal im Leben mit HP-Viren anstecken. In den meisten Fällen schafft es das Immunsystem, die Viren abzuwehren, gelingt dies nicht, infizieren Papillomaviren Haut und Schleimhäute und können dort – je nach Subtyp – zu einer ungefährlichen Warzenbildung (Niedrigrisiko-Typen) führen oder auch bösartige Veränderungen hervorrufen (Hochrisiko-Typen). Insbesondere die Virussubtypen 16 und 18 werden mit Tumoren im Anal- und Genitalbereich in Verbindung gebracht. Bei Gebärmutterhalskrebs lassen sich in nahezu 100 Prozent der Fälle Infektionen mit HPV-Hochrisiko-Typen nachweisen. Das Karzinom entwickelt sich in der Regel über viele Jahre hinweg und über mehrere Krebsvorstufen, sogenannte intraepitheliale Neoplasien, die am Gebärmutterhals (Zervix) als CIN, zervikale intraepitheliale Neoplasie, bezeichnet wird, und sich in vielen Fällen auch wieder zurückbilden können.

CIN - was ist das?

Der Krebsinformationsdienst des DKFZ gibt auf seiner Homepage einen Überblick über die einzelnen Stufen von zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN). CIN beschreibt Veränderungen des Gebärmutterhalses, die allerdings auf die Schleimhaut begrenzt sind und nicht auf tiefer liegende Gewebeschichten übergegriffen haben. Zu den CIN zählen leichte (CIN 1) bis mittelschwere (CIN 2) Veränderungen, die als Krebsvorstufe gelten, und oberflächliche Karzinome, die nicht über die Schleimhaut hinaus vorgedrungen sind – sogenannte In-situ-Karzinome.

CIN 1: leichte Zellveränderungen, bilden sich bei 50 Prozent der Frauen allein zurück; frühe, aber kontrollbedürftige Befunde

CIN 2: mittelschwere Zellveränderungen, spontane Heilungen sind möglich, aber seltener (etwa ein Drittel der Frauen)

CIN 3: weit fortgeschrittene Zellveränderungen, fortgeschrittene Krebsvorstufen mit Übergang zum Karzinom, wobei die veränderten Zellen noch auf die oberen Gewebeschichten begrenzt sind; meist raten Ärzte zur Entfernung des betroffenen Gewebes, da das Risiko für invasiven Gebärmutterhalskrebs hoch ist



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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