Ein Jahr Hämophilieversorgung über Apotheken

Apotheken stemmen das Gros der Faktor-VIII-Versorgung

Stuttgart - 01.09.2021, 17:50 Uhr

Stand Dezember 2020 lief 95 Prozent des Faktor-VIII-Umsatzes über Apotheken. (s / Foto: Digipic / AdobeStock)

Stand Dezember 2020 lief 95 Prozent des Faktor-VIII-Umsatzes über Apotheken. (s / Foto: Digipic / AdobeStock)


Erst seit einem Jahr dürfen Apotheken Patienten mit Hämophilie mit Arzneimitteln bei Hämophilie versorgen. Doch innerhalb kurzer Zeit haben sich die Apotheken offenbar einen festen Platz in der Hämophilieversorgung eingenommen – das zeigen Zahlen von IQVIA. Auch die AOK begrüßt diese Entwicklung, das erfuhr die DAZ im Gespräch mit der Krankenkasse.

Bis August 2020 lief der Versorgung von Patienten mit Hämophilie in der Mehrzahl über Hämophiliezentren oder Kliniken. Seit 1. September des letzten Jahres dürfen – nach Inkrafttreten des GSAV und sich daraus ergebenden Änderungen des § 47 AMG (Arzneimittelgesetz) – auch Apotheken an der Versorgung von Hämophiliepatienten partizipieren. Die zuvor geltende Ausnahme vom Apotheken-Vertriebsweg für Hämophilie-Arzneimittel wurde ersatzlos gestrichen. Wie gut die Versorgung klappt und wie Apotheker sie meistern, erzählte Nico Kraft,  Eigentümer der Süd-Apotheke in Frankfurt am Main, der DAZ.

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Neben den Einschätzungen von Apothekern ist aber auch interessant: Wie hat sich der Markt mit Hämophilie-Arzneimitteln denn entwickelt? Sind Apotheken bereits nach einem Jahr zu einem wichtigen Pfeiler in der Versorgung von Patienten mit Hämophilie geworden oder nutzen die Patienten nach wie vor hauptsächlich die Kliniken und Hämophiliezentren?

95 Prozent des Faktor-VIII-Umsatzes machen Apotheken

Laut Zahlen des Marktforschungsinstituts IQVIA ist die Verschiebung des Hämophiliemarktes deutlich zu spüren. So sieht man einen sprunghaften Anstieg der Abgaben von Hämophiliepräparaten über die Apotheken vom zweiten (Q6-2020) zum dritten Quartal 2020 (Q9-2020) – also mit dem Start des Apothekenvertriebsweges. Dabei findet eine Verschiebung zwischen den Sektoren Klinik und Apotheke statt: Anhand der Umsatzentwicklung von Faktor VIII-Präparaten in Kliniken und Apotheken sieht man, dass der Umsatz von etwa 52 Millionen Euro im zweiten Quartal 2020 auf 96 Millionen Euro im dritten Quartal (+86,2 Prozent) und 152 Millionen im vierten Quartal 2020 (weiteres Plus von 57,7 Prozent) steigt. Die Apotheken gewinnen anteilig am Umsatz von 34 Prozent (Q6-2020) auf 58 Prozent (Q9-2020) auf 95 Prozent (Q12-2020). Im gleichen Zug sank der umsatzmäßige Anteil an der Versorgung über die Kliniken von 66 Prozent (Q6-2020) über 42 Prozent (Q9-2020) auf 5 Prozent (Q12-2020). Diese Verteilung blieb im ersten Quartal 2021 stabil erhalten.

IQVIA begrüßt vor allem, dass nun bessere Möglichkeiten existieren, den Markt mit Hämophiliepräparaten zu erfassen und zu monitoren – was auch im Sinne der Krankenkassen sein dürfte.

AOK lehnt Direktvertrieb ab

Und wie bewerten Krankenkassen diesen Trend? Die DAZ hat beispielhaft bei der AOK nachgefragt: „Die AOK begrüßt die mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) eingeführte Rücknahme des Direktvertriebs für plasmatische und rekombinante Gerinnungsfaktoren. Die seit September 2020 stattfindende regelhafte Versorgung durch öffentliche Apotheken hat zu einer Förderung der Transparenz in einem bis dahin intransparenten Markt beigetragen. Hohe Anforderungen an Lagerung und Transport der labilen Gerinnungsfaktoren sind, wie bei Arzneimitteln generell, durch engagierte Apotheken sichergestellt worden und bestätigen die AOK damit in ihrer ablehnenden Haltung eines marktverzerrenden Direktvertriebes.“


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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