Wenn die Beschwerden nicht aufhören

Neue S1-Leitlinie zu Post-/Long-COVID

Remagen - 23.07.2021, 12:00 Uhr

Über alle von COVID-19 betroffenen Patienten hinweg nehmen die Leitlinienautor:innen eine Häufigkeit von bis zu 15 Prozent bei Long/Post-COVID an. (Foto: Dzmitry / AdobeStock) 

Über alle von COVID-19 betroffenen Patienten hinweg nehmen die Leitlinienautor:innen eine Häufigkeit von bis zu 15 Prozent bei Long/Post-COVID an. (Foto: Dzmitry / AdobeStock) 


Je länger das neuartige Coronavirus in der Welt grassiert, umso klarer wird, dass manche Betroffene noch etwas länger mit COVID-19 zu tun haben, auch wenn sie meinen, sie hätten alles überstanden. Eine große Gruppe namhafter Fachgesellschaften hat jetzt erstmals eine Leitlinie zu Post-/Long-COVID veröffentlicht. Die S1-Leitlinie ist als klinisch-praktischer Leitfaden gedacht, der den Ärzten eine diagnostisch-therapeutische Orientierung an die Hand geben soll.

In der Leitlinie wird zunächst definiert, was überhaupt unter die Definition Post/Long-COVID fällt. Hierzu gehören: 

  • Symptome, die aus der akuten COVID-19-Phase oder deren Behandlung fortbestehen,
  • Symptome, die zu einer neuen gesundheitlichen Einschränkung geführt haben,
  • neue Symptome, die nach dem Ende der akuten Phase aufgetreten sind, aber als Folge der COVID-19-Erkrankung verstanden werden,
  • Verschlechterung einer vorbestehenden Grunderkrankung.

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Über alle von COVID-19 betroffenen Patienten hinweg nehmen die Experte:innen eine Häufigkeit von bis zu 15 Prozent an, die nach den Kriterien unter die Diagnose fallen. Die Pathogenese ist nicht geklärt. Die Leitlinienautor:innen vermuten, dass eine Persistenz des Virus beziehungsweise von Virusbestandteilen über Wochen und Monate dabei eine Rolle spielen könnte. Als weitere mögliche Pathomechanismen ziehen sie langandauernde Gewebeschäden, Hyperkoagulabilität und Thrombosen sowie eine chronische Fehlfunktion des Immunsystems mit überschießendem Entzündungsgeschehen beziehungsweise Autoimmunität in Betracht.

Das Spektrum der Ausprägungen der Beschwerden nach einer Corona-Infektion ist breit gefächert. In einzelnen Kapiteln analysiert die S1-Leitlinie die derzeit noch recht spärliche Datenlage hinsichtlich der Symptomkreise. Diese betreffen infektiologisch-immunologische, neurologische, pneumologische, HNO-spezifische, kardiologische, und dermatologische, aber auch allgemeinmedizinische und psychische Aspekte.

Näheres zu den Inhalten der neuen Leitlinie finden Sie in der DAZ 29 | 2021.

Gesicherte therapeutische Interventionen beim Post-/Long-COVID sind nach Darlegung der Leitlinien-Autoren derzeit nicht bekannt. Den Ärzt:innen empfehlen sie, alle Patient:innen nach COVID-19 darüber aufzuklären, dass fortdauernde Symptome auch nach mildem und moderatem Verlauf möglich sind, dass diese sich aber in den allermeisten Fällen im Verlauf von einigen Wochen, längstens Monaten, vollständig zurückbilden und meist keine bleibenden Schäden hinterlassen.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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