Nächste Woche Gutachten zu Johnson & Johnson-Impfstoff

Die Corona-News des Tages

14.04.2021, 07:39 Uhr

(Bild: Thaut Images / stock.adobe.com)

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Brasilianische Virus-Variante P1 hat Mallorca erreicht / Mehrere EU-Länder impfen vorerst nicht mit Johnson & Johnson / Tschechien will Dänemark Astrazeneca-Dosen abkaufen / Frankreich hält am Impfstoff von Johnson & Johnson fest / Keine Terminausfälle durch fehlende Lieferung des Johnson-Impfstoffs / EU-Kommission: Weitere 50 Millionen Biontech-Impfdosen bis Ende Juni / EU-Kommission setzt künftig vor allem auf mRNA-Impfstoffe / Brandenburg: Erstimpfungen wegen Engpasses herunterfahren / EU-Staaten legen Position beim EU-Reise-Zertifikat fest / Expert:innen: Impfstoff-Typ könnte Ursache für Nebenwirkungen sein

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie überschlagen sich an manchen Tagen die Nachrichten zu COVID-19. Um Ihnen den Überblick zu erleichtern, bietet DAZ.online Ihnen hier einen Überblick über die wichtigsten Corona-News des Tages – direkt aus dem News-Kanal der Deutschen Presse-Agentur. 

Söder: Bundes-Notbremse reicht nicht aus für Kampf gegen Corona-Welle / Kurz: In Österreich bald jeder dritte Impfwillige mit Impfung / Gesundheitsministerium weist Kritik an Impfstoffverteilung zurück /SPD will Sport im Freien von Ausgangsbeschränkungen ausnehmen / Hausärzteverband kritisiert Vorgehen bei AstraZeneca-Impfungen / Infektionsgeschehen zieht merklich an – Lage in Kliniken kritisch / Aerosol-Forscher:innen: Ausgangsbeschränkungen sind kontraproduktiv / Vizekanzler Scholz verteidigt bundesweite Corona-Notbremse / Drosten hält weitere Maßnahmen neben Corona-Notbremse für nötig / Kassenärzte: „Impfkampagne gerät massiv ins Stocken“ / Russland wartet auf den Sputnik-Effekt / Chaos Computer Club fordert: „Keine Steuermittel mehr für Luca-App“ / RKI registriert 21.693 Corona-Neuinfektionen und 342 neue Todesfälle / Corona-Impfstoff: Johnson & Johnson verschiebt Europa-Start / Sucht im Corona-Jahr: Alkohol gegen Stress, mehr Tabak / Handelsverband: Testangebotspflicht für Unternehmen überflüssig / Lauterbach: Johnson & Johnson-Stopp kein 'permanenter Rückschlag' / Sorge in Thailand: Wieder Rekordzahl an Corona-Neuinfektionen / Neuer Corona-Rekord in Indien: 184.000 Infektionen an einem Tag / Corona-Neuinfektionen in USA steigen: Rund 77.000 Fälle in 24 Stunden

17:42

Brasilianische Virus-Variante P1 hat Mallorca erreicht

Palma (dpa) - Auf Mallorca ist nun auch erstmals die brasilianische Coronavirus-Variante P1 festgestellt worden. Das bestätigte der Chef der Mikrobiologie von Palmas Krankenhaus Son Espases, Antonio Oliver, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Die Mutation sei am Vortag bei einer routinemäßigen genaueren Untersuchung, der sogenannten Sequenzierung, eines positiven PCR-Tests vom 29. März entdeckt worden. In Deutschland hatte es erheblichen Ärger ausgelöst, dass Zehntausende Deutsche zum Osterurlaub auf die beliebte Ferieninsel im Mittelmeer gereist waren.

Ende März sei es bei einer Sportveranstaltung auf der Insel und privaten Kontakten zu einem Infektionsherd gekommen, sagte Oliver. 49 Personen seien damals auf Corona getestet worden, neun davon positiv. Die Infizierten hätten keine oder nur leichte Krankheitssymptome aufgewiesen und einige von ihnen seien schon wieder gesundgeschrieben. Nun sollten auch die anderen acht positiven Tests daraufhin untersucht werden, ob es sich ebenfalls um P1 handelte.

Die neun Fälle stünden nicht im Zusammenhang mit der im März auf Mallorca entdeckten, als weniger gefährlich geltenden anderen brasilianischen Corona-Variante B.1.1.28, betonte der Virologe. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hatte damals der Balearen-Regierung unterstellt, sie habe einen P1-Fund vertuscht und trickse bei den niedrigen Corona-Zahlen. Das hatte für Empörung auf der Insel gesorgt.

Die Corona-Zahlen auf den Balearen, zu denen Mallorca gehört, sind weiterhin relativ niedrig. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums in Madrid bei 32,95. Zum Vergleich: In Deutschland betrug dieser Wert am Mittwoch 153 bei steigender Tendenz.

17:33

Mehrere EU-Länder impfen vorerst nicht mit Johnson & Johnson

DEN HAAG/KOPENHAGEN (dpa-AFX) - Die Niederlande, Schweden und Dänemark werden den Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson vorerst nicht anwenden. Zunächst müsse mehr über mögliche Thrombosen bekannt sein, teilte der niederländische Gesundheitsminister Hugo de Jonge am Mittwoch in Den Haag mit. Die USA hatten zuvor die Impfung mit dem Präparat nach einigen Fällen von Blutgerinnseln in Hirnvenen ausgesetzt. Der Hersteller hatte auch EU-Staaten empfohlen, bereits gelieferte Dosen nicht zu nutzen. In den USA hatte es bisher sechs Fälle von Hirnvenenthrombosen nach einer Impfung gegeben, bei knapp sieben Millionen Impfungen.

Der Minister will nun das Gutachten der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) abwarten. Die EMA kündigte an, dass sie die Prüfung der Fälle beschleunige. Die Behörde will nächste Woche ein Gutachten vorlegen. Die Niederlande haben bisher 80.000 Dosen des Impfstoffes bekommen. Es ist der einzige in der EU zugelassene Corona-Impfstoff, bei dem nur eine Dosis gespritzt wird.

Auch Schweden wartet bei dem Präparat vorerst ab: Die nationale Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten erklärte am Mittwoch, man warte ebenfalls auf die Ergebnisse der EMA sowie auf Informationen aus den USA. Ähnlich äußerte sich am Mittwoch die dänische Gesundheitsverwaltung Sundhedsstyrelsen dazu.

16:46

Tschechien will Dänemark Astrazeneca-Dosen abkaufen

Prag (dpa) - Nach der Abkehr Dänemarks vom Corona-Impfstoff von AstraZeneca hat Tschechien Interesse an den übrig bleibenden Dosen bekundet. «Wir sind bereit, AstraZeneca von Dänemark abzukaufen», schrieb Innenminister Jan Hamacek am Mittwoch bei Twitter. Unklar war indes, ob ein solcher Handel nach den EU-Beschaffungsregeln überhaupt möglich ist.

Hamacek leitet kommissarisch auch das Außenministerium in Prag. Man versuche, in der ganzen Welt Impfstoff zu beschaffen, betonte der Sozialdemokrat. Zu diesem Zweck werde er am Montag nach Moskau reisen, um über eventuelle Lieferungen des russischen Impfstoffs Sputnik V zu verhandeln.

Die dänische Gesundheitsverwaltung hatte ihren Verzicht auf den AstraZeneca-Wirkstoff mit sehr seltenen Fällen ungewöhnlicher Blutgerinnsel, Blutungen und niedriger Blutplättchenzahlen begründet. Anders als andere EU-Staaten setzt Tschechien den AstraZeneca-Impfstoff weiter ohne Altersbeschränkungen ein.

Die Minderheitsregierung in Prag war wegen der zunächst schleppenden Impfkampagne unter Druck geraten. Bisher haben 768.250 Menschen beide Impfstoffdosen erhalten und sind damit vollständig geimpft. Tschechien hat rund 10,7 Millionen Einwohner.

16:41

Ministerium bestätigt Tod nach Impfung und Hirnblutung

Luxemburg (dpa/lrs) - Das luxemburgische Gesundheitsministerium hat am Mittwoch bestätigt, dass eine 74 Jahre alte Frau am 10. April an einer Hirnblutung nach einer Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca gestorben ist. In der Mitteilung des Ministeriums heißt es, die Hirnblutung habe sich in Verbindung mit einer Thrombozytopenie - also einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) - und einer Gerinnungsstörung ereignet.

Diesen Angaben zufolge hatte die Frau am 23. März eine erste Dosis des Impfstoffs von Astrazeneca erhalten. Die luxemburgische Gesundheitsbehörde analysiere derzeit gemeinsam mit einem Untersuchungszentrum in Nancy (Lothringen) den Fall, «um die genaue Todesursache zu ermitteln». Der Fall sei auch an die Europäische Arzneimittelagentur EMA gemeldet worden.

Zuvor hatte die luxemburgische Staatsanwaltschaft mitgeteilt, sie habe Ermittlungen aufgenommen. Der behandelnde Arzt der 74-Jährigen habe einen Zusammenhang zwischen dem Tod der Frau und der Impfung nicht ausschließen können. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ordnete ein Ermittlungsrichter eine Autopsie an. Deren Ergebnisse würden nun erwartet. In der Mitteilung des Gesundheitsministeriums heißt es, auch dort warte man auf die Ergebnisse der Autopsie.

16:28

EU-Behörde: Nächste Woche Gutachten zu Johnson & Johnson-Impfstoff

Amsterdam (dpa) - Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) will nächste Woche ein Gutachten über mögliche Thrombosen durch den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson abgeben. Die Prüfung werde beschleunigt, teilte die Behörde am Mittwoch in Amsterdam mit. Bis zu der Entscheidung könne der Impfstoff aber weiter uneingeschränkt eingesetzt werden. Die EMA hält weiterhin daran fest, dass die «Vorzüge des Impfstoffs, Covid-19 zu verhindern», höher zu bewerten seien als die Risiken von Nebenwirkungen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die EMA angekündigt, dass sie sehr seltene Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen nach Impfungen untersuche. Bisher waren der EMA sechs Fälle gemeldet worden, vorwiegend aus den USA. Die US-Behörden hatten am Dienstag die Nutzung des Impfstoffs ausgesetzt, bis ein Zusammenhang geklärt ist. In den USA wurden bisher rund 6,8 Millionen Personen damit geimpft. In der EU ist der Impfstoff zwar zugelassen, eine erste Lieferung war aber erst in dieser Woche angekommen.

Der US-Hersteller stehe in engem Kontakt mit den nationalen Behörden, teilte die EMA mit. Er empfehle den EU-Staaten, bereits gelieferte Dosen vorerst nicht zu nutzen.

16:00

Söder: Bundes-Notbremse reicht nicht aus für Kampf gegen Corona-Welle

München (dpa) - Zur Eindämmung der dritten Corona-Welle reicht nach Ansicht von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die geplante Bundes-Notbremse nicht aus. «Wir halten es für richtig, dass auf Bundesebene diese Notbremse fest verankert wird. Allein das wird es aber noch nicht helfen, wir müssen uns mehr überlegen», sagte der CSU-Chef am Mittwoch am Rande der Sitzung der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag. Notwendig sei etwa «ein moderneres und flexibleres Impfkonzept, um die Geschwindigkeit durch einen Bürokratieabbau zu erhöhen und «vor allem um zu flexibilisieren».

Söder betonte, die Corona-Lage in Deutschland sei weiter sehr schwierig. Es würden sich alle Prognosen zu den Infektionszahlen bestätigen. «Es steigt und steigt und steigt. Es geht nicht zurück», sagte Söder. Dies gelte sowohl für die Zahl der Infizierten als auch für die Belegung der Intensivbetten in den Krankenhäusern. «Regional stoßen wir mittlerweile an unsere Grenzen.»

Das Bundeskabinett hat am Dienstag eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen, welche bundeseinheitliche Maßnahmen für Regionen mit vielen Neuinfektionen vorsieht. Damit müssen sich die Menschen in weiten Teilen Deutschlands auf Ausgangsbeschränkungen und geschlossene Läden einstellen. Kommende Woche sollen die Neuerungen erst vom Parlament beschlossen werden und dann den Bundesrat passieren - trotz deutlicher Kritik einiger Länder und der Opposition im Bundestag. 

15:38

Frankreich hält am Impfstoff von Johnson & Johnson fest

Paris (dpa) - Frankreich hält an der Impfung mit dem Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson fest. Es würden, wie geplant, Menschen im Alter von über 55 Jahren geimpft, sagte Regierungssprecher Gabriel Attal am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in Paris. Eine erste Lieferung mit rund 200.000 Impfdosen sei im Land bereits eingetroffen.

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hatte am Dienstag mitgeteilt, dass er den Marktstart seines Impfstoffs in Europa verzögert. Man habe Berichte über Sinusvenenthrombosen erhalten und sich für die Verzögerung entschieden. Der Konzern arbeite nun mit Experten und den Gesundheitsbehörden an der Untersuchung der Fälle.

Wie Attal sagte, hält die Regierung auch am Impfstoff von AstraZeneca fest. Der Sprecher räumte aber ein, dass es Zweifel in der Bevölkerung an diesem Impfstoff gebe. Frankreich mit seinen rund 67 Millionen Einwohnern ist stark von der Coronavirus-Pandemie betroffen - es starben annähernd 100.000 Menschen.

14:47

Keine Terminausfälle durch fehlende Lieferung des Johnson-Impfstoffs

Erfurt (dpa/th) - Trotz des aufgeschobenen Lieferstarts für den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson sollen in Thüringen keine Impftermine ausfallen. «Wir haben bereits Erfahrungen gesammelt, kurzfristig umzuplanen und müssen keine Termine absagen», sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch in Erfurt. Das Land hatte ursprünglich im April 4800 Dosen des Vektor-Impfstoffs von Johnson & Johnson erwartet.

Laut Ministerium waren diese Impfdosen vor allem für Patienten in Krankenhäusern und für Obdachlose gedacht. Hintergrund ist, dass für eine Immunisierung mit dem Johnson-Präparat nur eine Spritze nötig ist und nicht zwei mit mehreren Wochen Abstand wie bei anderen Mitteln.

Der US-Hersteller hatte seine Auslieferung an die EU-Staaten am Dienstag verschoben. Hintergrund sind Berichte über Sinusvenenthrombosen. Der Konzern untersucht die Fälle und auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft sie. Wann die Lieferungen in Europa wiederaufgenommen werden, ist unklar. Johnson & Johnson sollte im zweiten Quartal 55 Millionen Dosen liefern.

14:11

Dänemark verzichtet auf Corona-Impfstoff von AstraZeneca

Kopenhagen (dpa) - Das EU-Land Dänemark verzichtet nun dauerhaft auf den Einsatz des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca. Die Impfkampagne werde ohne das Präparat des britisch-schwedischen Unternehmens fortgesetzt, gab der Direktor der dänischen Gesundheitsverwaltung, Søren Brostrøm, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen bekannt.

14:09

Kurz: In Österreich bald jeder dritte Impfwillige mit Impfung

Wien (dpa) - In Österreich soll bis Ende der Woche jeder dritte Impfwillige zumindest einmal gegen das Coronavirus immunisiert sein. «Wir sind auf den letzten Metern, was den Sieg über die Pandemie betrifft», sagte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Mittwoch in Wien. Die Impfung von Menschen über 65 Jahren werde in einigen Bundesländern bald abgeschlossen sein.

Bisher haben nach Angaben des Sozialministeriums in Österrreich 1,6 Millionen Bürger eine erste Impfung erhalten. Als impfwillig gelten rund fünf Millionen von insgesamt 7,5 Millionen Menschen über 16 Jahren. Die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche - liegt in Österreich bei rund 210.

Aktuell sei die Lage bei den Neuinfektionen stabil, so der österreichische Regierungschef. Spätestens im Mai solle es möglich sein, weitere Öffnungsschritte auch landesweit anzugehen. Angestrebt wird ein Neustart der Gastronomie, des Sports und der Kultur.

Die Bundesländer Wien und Niederösterreich sind seit 1. April bis voraussichtlich 2. Mai wegen der angespannten Situation in den Kliniken im Lockdown. Das Burgenland an der Grenze zu Ungarn will den Handel und Dienstleistungsbetriebe nächste Woche wieder öffnen. In den anderen sechs Bundesländern sind alle Geschäfte seit 8. Februar offen.

13:51

EU-Kommission: Weitere 50 Millionen Biontech-Impfdosen bis Ende Juni

Brüssel (dpa) - Die Hersteller Biontech und Pfizer wollen bis Ende Juni zusätzlich 50 Millionen Dosen Corona-Impfstoff an Deutschland und die übrigen EU-Staaten liefern. Dies teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel mit. Es handele sich um eine Lieferung, die aus dem vierten Quartal vorgezogen werde. Im zweiten Quartal von April bis Juni kämen somit insgesamt 250 Millionen Dosen Impfstoff von Biontech/Pfizer, sagte von der Leyen.

Die Lieferung werde nach Bevölkerungsanteil auf die 27 EU-Staaten verteilt, fügte sie hinzu. Dieser liegt für Deutschland bei 18,6 Prozent. Von der zusätzlichen Lieferung kann die Bundesrepublik also rechnerisch gut neun Millionen Dosen erwarten.

Dies könnte mögliche Ausfälle beim Impfstoff von Johnson & Johnson zum Teil wettmachen. Der US-Hersteller hatte seine Auslieferung an die EU-Staaten am Dienstag verschoben. Hintergrund sind Berichte über Sinusvenenthrombosen. Der Konzern untersucht die Fälle, auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft sie. Wann die Lieferungen in Europa wieder aufgenommen werden, ist unklar. Johnson & Johnson sollte im zweiten Quartal 55 Millionen Dosen liefern. Das Mittel wird nur einmal gegeben, andere Impfstoffe hingegen zweimal.

Von der Leyen kündigte zudem Verhandlungen mit Biontech/Pfizer über die Lieferung von weiteren 1,8 Milliarden Impfdosen für die Zeit von 2021 bis 2023 an. Diese sollen für Auffrischungen sowie für die Impfungen von Kindern verwendet werden. Teil der Vereinbarungen soll eine vollständige Herstellung in der EU sein, nicht nur des Impfstoffs, sondern auch aller wesentlicher Bestandteile, wie von der Leyen sagte. Sie hoffe auf einen schnellen Abschluss der Verhandlungen.

Von der Leyen betonte, man wolle sich auf Impfstoff-Technologien konzentrieren, die ihren Wert unter Beweis gestellt hätten. Das spreche für mRNA-Impfstoffe, wie sie Biontech/Pfizer produzieren. AstraZeneca und Johnson & Johnson nutzen für ihre Impfstoffe hingegen eine andere Wirkweise mithilfe sogenannter Adenoviren.

Von der Leyen gab auch bekannt, dass in der EU inzwischen die Schwelle von 100 Millionen Impfungen genommen worden sei. 26 Millionen Menschen seien inzwischen mit zwei Dosen voll geimpft. «Das ist eine Wegmarke, auf die wir stolz sein können», sagte die deutsche Politikerin. Die Ankündigung von Johnson & Johnson zeige allerdings auch, dass noch viele Faktoren die Impfkampagne stören könnten. Die Kommission tue alles, den Nachschub von Impfstoffen auch in den nächsten Wochen und Monaten zu steigern.

13:01

Presse: Dänemark streicht AstraZeneca gänzlich aus Impfkampagne

KOPENHAGEN (dpa-AFX) - Dänemark will Medienberichten zufolge vollständig auf den Corona-Impfstoff von AstraZeneca verzichten. Wie die Zeitung "Politiken", der Sender TV2 und weitere dänische Medien am Mittwoch unter Berufung auf informierte Kreise berichteten, wird der Einsatz des Präparats komplett aus der Impfkampagne gestrichen. Das wird den Impfkalender demnach um einige Wochen zurückwerfen. Die Gesundheits- und Arzneimittelbehörden haben für den frühen Nachmittag (14.00 Uhr) zu einer Pressekonferenz eingeladen, auf der es um die Zukunft des AstraZeneca-Vakzins gehen sollte.

Dänemark hatte die Impfungen mit dem Präparat des britisch-schwedischen Herstellers am 11. März vorsorglich ausgesetzt und sie seitdem auch nicht wie andere Länder zumindest eingeschränkt wiederaufgenommen. Grund für den Impfstopp waren vereinzelte schwere Fälle von Blutgerinnseln bei Personen, die zuvor mit dem Mittel gegen COVID-19 geimpft worden waren, darunter auch Todesfälle.

12:18

EU-Kommission setzt künftig vor allem auf mRNA-Impfstoffe

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission will bei den nächsten Bestellungen für Corona-Impfstoffe vor allem auf die neuartige mRNA-Technologie setzen, die zum Beispiel Biontech/Pfizer und Moderna nutzen. Dies bestätigten Kommissionskreise am Mittwoch in Brüssel. Dies bedeute aber nicht, dass Hersteller wie AstraZeneca und Johnson & Johnson bei künftigen Verträgen bereits aus dem Rennen seien oder deren Verträge nicht verlängert würden. Entsprechende Berichte seien falsch, sagte ein EU-Beamter. Es sei viel zu früh, darüber jetzt zu entscheiden.

AstraZeneca und Johnson & Johnson nutzen für ihre Corona-Impfstoffe eine andere Wirkweise mithilfe sogenannter Adenoviren. Zuletzt waren beide Vakzine mit Blutgerinnseln im Gehirn in Verbindung gebracht worden. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt den Impfstoff von AstraZeneca dennoch weiter. Beim Vakzin von Johnson & Johnson läuft eine weitere Prüfung. Der Konzern hat die Auslieferung in Europa vorerst ausgesetzt.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Kommission bis zu 1,8 Milliarden Impfstoffdosen für Auffrischungen und für Kinder bestellen will. Der Vertrag soll für die Jahre 2021 bis 2023 gelten. Als Kriterien nannten Kommissionskreise bereits am Freitag, dass es sich um Impfstoffe auf Grundlage der mRNA-Technologie handelt.

Mit den Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna sind bislang zwei Impfstoffe dieser Art in der EU zugelassen. Im Sommer könnte das Mittel von Curevac hinzukommen. Weitere Kriterien sind, dass der Impfstoff in Europa produziert wird und dass das Unternehmen ausreichende Produktionskapazitäten hat.

11:42

Brandenburg: Erstimpfungen wegen Engpasses herunterfahren

Potsdam (dpa) - Wegen Engpässen bei der Lieferung von Impfstoffen könnten Erstimpfungen für Biontech und Moderna in Brandenburg nach Angaben der Landesregierung in den nächsten Wochen auf Null gefahren werden. «Wir werden keine Erstimpfungstermine mehr herausgeben, um wenigstens - soweit es irgend geht - mit den vorhandenen Biontech- und Moderna-Dosen die Kompensation der Zweitimpfungen zu AstraZeneca durchhalten zu können», sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Mittwoch in einer Sitzung von Gesundheits- und Innenausschuss des Landtags. «Das wird so eng werden, dass wir nach Stand jetzt nicht unbedingt in der Lage sind, das zu erreichen.»

Das Ziel sei, die notwendigen Zweitimpfungen abzusichern, sagte der Minister. Nötig seien in den nächsten vier Wochen 62.000 Impfdosen von Biontech und Moderna. «Diesen Impfstoff haben wir derzeit leider nicht.» Er forderte eine Erhöhung der zugesagten Mengen des Bundes. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich darauf geeinigt, dass Menschen unter 60 Jahren mit einer Erstimpfung mit AstraZeneca bei der Zweitimpfung auf ein anderes Präparat umsteigen sollen.

Hintergrund sind Verdachtsfälle auf eine Hirnvenen-Thrombose nach der Impfung mit AstraZeneca. Dazu komme, dass 6.700 Impfdosen von Johnson & Johnson zunächst nicht nach Brandenburg ausgeliefert würden, sagte Stübgen. Wie beim Impfstoff von AstraZeneca waren auch bei Johnson & Johnson spezielle Thrombosen erfasst worden.

11:39

SPD will Sport im Freien von Ausgangsbeschränkungen ausnehmen

Berlin (dpa) - Die SPD im Bundestag will Sport im Freien und kontaktlosen Sport für Kinder von der geplanten Corona-Notbremse des Bundes ausnehmen. Ausnahmen bei den Ausgangsbeschränkungen für Sport im Außenbereich seien zwingend, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, am Mittwoch in Berlin. Kindern solle zudem kontaktloser Sport ermöglicht werden.

Andernfalls drohe eine Eskalation der sozialen Situation bei denjenigen, die in beengten Verhältnissen leben. «Die erste Welle war eine Ischgl-Welle, und die zweite und dritte Welle ist eine Welle in den sozialen Brennpunkten.»

Schneider verteidigte den Verzicht auf ein beschleunigtes Beratungs- und Beschlussverfahren im Parlament zum Infektionsschutzgesetz für die Bundes-Notbremse. «Es kommt jetzt auf diese drei oder vier Tage wirklich nicht an», hielt er der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) entgegen.

DIVI-Präsident Gernot Marx hatte in einem Interview gesagt: «Unsere dringende Bitte ist, dass die politisch Verantwortlichen die geplanten Änderungen des Infektionsschutzgesetzes möglichst noch diese Woche verabschieden.»

Schneider sagte: «Es gibt keinen Grund, für zwei Tage die Oppositionsrechte auszuhebeln oder eine sorgfältige Beratung nicht zu ermöglichen.» Die erste Beratung zu dem geplanten Gesetz finde nun am Freitag statt, die Ausschussberatung am Montag und die Verabschiedung in Bundesrat und voraussichtlich auch im Bundesrat am Mittwoch. Der Entwurf sei nach Kabinettsbeschluss am Dienstagvormittag versandt worden. «Zu erwarten, so ein maßgebliches Gesetz bis Freitag zu beschließen, ist schon eine Zumutung.» 

11:34

EU-Staaten legen Position beim EU-Reise-Zertifikat fest

Brüssel (dpa) - Die EU-Staaten haben sich auf eine gemeinsame Linie beim geplanten COVID-Zertifikat für einfacheres Reisen in Europa geeinigt. Die Botschafter der 27 Länder verständigten sich am Mittwoch in Brüssel auf eine Position für die Verhandlungen mit dem EU-Parlament, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomaten-Kreisen erfuhr. Nach Vorstellungen der EU-Kommission soll das sogenannten «grüne Zertifikat» Ende Juni - also pünktlich zum Start der Sommerferien - einsatzbereit sein.

Um EU-weites Reisen in der Corona-Krise einfacher zu machen, hatte die EU-Kommission im März die Einführung eines solchen Zertifikats vorgeschlagen. Das Dokument soll Impfungen, Ergebnisse zugelassener Tests und Informationen zu überstandenen Infektionen festhalten und EU-weit anerkannt werden. Vor allem Urlaubsländer wie Griechenland oder Spanien, deren Wirtschaft stark vom Tourismus abhängt, hatten sich dafür eingesetzt.

Die Position der EU-Staaten sieht nur vor, dass das Zertifikat kostenfrei auf Papier oder digital ausgestellt wird, wie aus dem Beschluss hervorgeht, der der dpa vorliegt. Welche Vorteile - etwa Quarantäne-Befreiung - die EU-Staaten gewähren, sollen sie selbst entscheiden können. Die jeweiligen Länder sollen zudem selbst festlegen, ob sie auch Impfungen mit Präparaten anerkennen, die nur in bestimmten Ländern, aber nicht in der gesamten EU zugelassen sind - beispielsweise das russische Sputnik V. Die Regeln sollen zunächst für zwölf Monate gelten.

Herzstück des Zertifikats soll ein digital lesbarer Barcode sein, über den den die relevanten Informationen abgerufen werden können. In Deutschland sollen der US-Konzern IBM, das Softwareunternehmen Ubirch, die IT-Genossenschaft govdigital und der IT-Dienstleister Bechtle die Anwendung entwickeln. Die EU-Kommission arbeitet an einer gemeinsamen Plattform als Rahmen der nationalen Anwendungen.

Das Europaparlament könnte sich bis Ende des Monats auf eine Position festlegen. Anschließend könnten die Verhandlungen zwischen Parlament und EU-Staaten beginnen.

11:08

Gesundheitsministerium weist Kritik an Impfstoffverteilung zurück

Berlin (dpa) - Das Bundesgesundheitsministerium hat Kritik der Kassenärzte an der Verteilung von Corona-Impfstoffen zurückgewiesen. «Anders als von manchem behauptet, werden die Impfstoff-Lieferungen an die Arztpraxen nicht halbiert», teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. Die Impfstoffmenge steigere sich vielmehr stetig. «Außerdem war immer klar, dass nach zwei Wochen die Praxen Impfstoffe unterschiedlicher Hersteller bekommen.»

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Gassen hatte der «Neuen Osnabrücker Zeitung» gesagt, den Praxen würden in den kommenden Wochen viel weniger Biontech-Dosen zugewiesen als versprochen, weil der Impfstoff offensichtlich vorrangig an die Impfzentren gehe. «Die Zuteilung für die Hausärzte wurde halbiert. Daher wächst bei den niedergelassenen Ärzten die Sorge, dass sie in den kommenden Wochen eher weniger als mehr am Impfgeschehen teilhaben können.»

Einer Übersicht des Ministeriums vom Montag zufolge gehen in der laufenden Woche rund eine Million Biontech-Dosen an die Arztpraxen, in der kommenden Woche sollen es rund 462.000 Dosen Biontech und gut 554.000 Dosen AstraZeneca sein, in der letzten Aprilwoche dann 1,16 Million Dosen Biontech und 343.000 Dosen AstraZeneca. Daten für Mai liegen bisher öffentlich nicht vor.

Gassen warnte mit Blick auf den Ausgleich für die Biontech-Kürzungen in der kommenden Woche durch AstraZeneca: «Das wird so nicht aufgehen». Wenn die Impfzentren komplett den vergleichsweise unproblematischen Impfstoff erhielten, die Praxen aber den umstrittenen, werde die Impfkampagne massiv ins Stocken geraten.

10:25

Sorge in Thailand: Wieder Rekordzahl an Corona-Neuinfektionen

Bangkok (dpa) - Thailand befürchtet einen größeren Corona-Ausbruch, nachdem die Behörden erneut eine Rekordzahl an Neuinfektionen verzeichnet haben. Innerhalb von 24 Stunden seien 1.335 neue Fälle registriert worden, so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie, teilte die Regierung am Mittwoch mit. Ministerpräsident Prayut Chan-o-cha ordnete an, dass alle Beamten so weit wie möglich im Homeoffice arbeiten sollen. Dem Privatsektor wurde empfohlen, ebenfalls entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

In Dutzenden Provinzen wurden zudem Reisebeschränkungen verhängt. Die Regierung befürchtet, dass sich das Virus durch das traditionelle Neujahrsfest Songkran, das am Dienstag begonnen hatte und die ganze
Woche dauert, weiter ausbreitet. Während des größten Volksfestes des Jahres kehren viele Thais in ihre Heimatstädte zurück und feiern das neue Jahr im Kreise ihrer Familien. Die ausgelassenen Wasserschlachten - ein Markenzeichen der Feierlichkeiten - wurden allerdings bereits im Vorfeld verboten.

Bislang war das südostasiatische Land mit seinen 70 Millionen Einwohnern vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen: Insgesamt wurden rund 35 900 Fälle vermeldet, 97 Menschen starben in Verbindung mit COVID-19. Thailand hofft auf eine baldige Wiederbelebung des wichtigen Tourismussektors. So hatte Phuket im März Pläne vorgelegt, nach denen geimpfte Reisende ab Juli möglicherweise quarantänefrei auf der Insel Urlaub machen dürfen.

10:15

Infektionsgeschehen zieht merklich an – Lage in Kliniken kritisch

Berlin (dpa) - Ganz sicher lässt sich die Infektionslage in Deutschland nach den Ostertagen noch immer nicht beurteilen - wichtige Kennwerte weisen aber auf einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen hin. So lag die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Mittwochmorgen bundesweit bei 153,2. Ähnlich hoch hatte sie zuletzt Mitte Januar (155 am 13. Januar) während der zweiten Welle gelegen.

Der bisherige Höchststand der 7-Tage-Inzidenz war am 22. Dezember 2020 mit 197,6 erreicht worden. Mitte März hatte das RKI prognostiziert, dass es in der Woche nach Ostern höhere Neuinfektionszahlen als um Weihnachten geben könnte. Die Inzidenz könne dann bei 350 liegen, hatte es geheißen.

Tatsächlich stiegen die Zahlen zunächst weniger stark als befürchtet. Das könnte sich in der nächsten Zeit allerdings merklich ändern. In den Tagen um Ostern könnte es weniger Tests gegeben haben, nimmt das RKI an. Die Osterferien hätten zudem für das Geschehen an Schulen einen «nachhaltigen Entschleunigungseffekt» gehabt, sagte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast «Coronavirus-Update» bei NDR-Info.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten zuletzt binnen eines Tages 21.693 Corona-Neuinfektionen, wie aus den Daten des RKI vom Mittwochmorgen hervorgeht. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 342 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 9.677 Neuinfektionen und 298 Todesfälle verzeichnet.

Im März waren an einigen Tagen weniger als 50 Todesfälle erfasst worden, danach legte die Zahl im Zuge steigender Neuinfektionszahlen im Mittel wieder zu - das allerdings weniger deutlich als bei den Wellen zuvor, weil inzwischen viele Menschen mit besonders hohem COVI-19-Sterberisiko geimpft und damit vor schweren Verläufen weitgehend geschützt sind. Der Höchststand von 1.244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert erreicht worden - er enthielt jedoch 3.500 Nachmeldungen.

Deutlich bemerkbar macht sich das verstärkte Infektionsgeschehen auf den Intensivstationen, die Zahl der COVID-19-Patienten dort steigt seit Mitte März an. Betroffen sind Medizinern zufolge immer mehr jüngere Menschen. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) erwartet, dass der bisherige Höchststand von etwa 6.000 COVID-19-Intensivpatienten noch im April wieder erreicht wird. Bei den unter 50-Jährigen sterbe jeder fünfte Intensivpatient, bei den Älteren im Schnitt jeder zweite, hatte Divi-Präsident Gernot Marx kürzlich gesagt.

Eine Corona-Erstimpfung haben in Deutschland inzwischen 16,9 Prozent der Menschen erhalten. Nach den Daten des RKI sind rund 14,1 Millionen Menschen einmal und knapp 5,2 Millionen (6,2 Prozent) vollständig geimpft (Datenstand jeweils 14. April, 8:00 Uhr). Das sind noch weit zu wenig, um einen merklichen Effekt auf das Ansteckungsgeschehen zu haben.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Dienstag bei 1,08 (Vortag: 1,09). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 108 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert sei weiter gestiegen, schreibt das RKI. Die in den Tagen nach Ostern beobachtete Absenkung des Werts könnte an der vorübergehend geringeren Testzahl gelegen haben.

Auch der Anteil positiver Corona-Labortests weist auf ein zunehmendes Infektionsgeschehen hin: Er steigt bundesweit laut einem Laborverband weiter. Die sogenannte Positivrate ist bei den Tests aus der Woche vom 5. bis 11. April auf rund 12,8 Prozent angewachsen, wie aus Daten der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) hervorgeht. Seit Anfang März (6,4 Prozent) ist diese Zahl demnach kontinuierlich gestiegen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.044.016 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.718.700 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 79.088.

9:38

Neuer Corona-Rekord in Indien: 184.000 Infektionen an einem Tag

Neu Delhi (dpa) - In Indien hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen einen neuen Rekord erreicht. Das Gesundheitsministerium in Neu Delhi nannte am Mittwoch einen neuen Höchstwert von mehr als 184.000 Infektionen und 1.027 Todesfällen im Zusammenhang mit Corona für die vergangenen 24 Stunden. In absoluten Zahlen ist Indien mit insgesamt mehr als 13,8 Millionen erfassten Infektionen das am zweitmeisten von Corona betroffene Land - nach den USA. Indien ist als größte Demokratie der Welt auch das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt.

Die erfassten Corona-Fälle nehmen in dem Land seit Wochen immer stärker und schneller als je zuvor zu - während dieser Tage Hunderttausende Menschen im heiligen Fluss Ganges im Rahmen des weltgrößten religiösen Festes baden, oft ohne Masken und Abstand. Gleichzeitig müssen in Indiens reichstem und stark betroffenem Bundesstaat Maharastra mit der Finanzmetropole Mumbai Geschäfte, die keine unbedingt notwendigen Dienstleistungen anbieten, vorerst schließen. Auch Versammlungen von mehr als fünf Leuten sind dort verboten.

Aus besonders betroffenen Regionen gibt es zudem Berichte, wonach in Krankenhäusern die Betten knapp werden und einige Impfzentren schließen mussten, weil ihnen der Impfstoff ausgegangen war. Gleichzeitig stellt Indien Impfstoff in Massenproduktion her. Bislang wurden nach offiziellen Angaben mehr als 111 Millionen Dosen verimpft.

9:23

Aerosol-Forscher: Ausgangsbeschränkungen sind kontraproduktiv

Düsseldorf (dpa) - Der Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch hat davor gewarnt, Menschen mit Ausgangsbeschränkungen in die aus infektiologischer Sicht viel gefährlicheren Innenräume zu treiben. Die mit der geplanten Bundes-Notbremse verbundenen Ausgehverbote zwischen 21 und 5.00 Uhr seien aus fachlicher Sicht kontraproduktiv, sagte der Ex-Präsident der internationalen Gesellschaft für Aerosolforschung am Mittwoch im «Morgenecho» von WDR 5. «Wenn wir Ausgangssperren verhängen, dann suggerieren wir der Bevölkerung: Achtung! Draußen ist es gefährlich. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn die Leute in Innenräumen bleiben, dann ist es gefährlich.»

Führende Aerolsol-Forscher aus Deutschland hatten deswegen bereits in einem Offenen Brief an die Bundesregierung und die Landesregierungen einen Kurswechsel gefordert. Die Wissenschaftler wehrten sich dagegen, «dass man "draußen" jetzt plötzlich katastrophisiert», erklärte Scheuch.

Joggen mit Maske, gesperrte Parks oder ein Verbot, abends noch auf einen Spaziergang oder eine Zigarette aus einer möglicherweise beengten Wohnung heraus an die frische Luft zu gehen, seien «absurde Maßnahmen». Stattdessen sollte es den Bürgern ermöglicht werden, raus zu gehen. Corona-Infektionen seien «ein Innenraum-Problem», unterstrich der Aerolsol-Forscher.

Wer unbedingt andere Leute treffen müsse, solle die Zahl stark begrenzen und die Zusammenkünfte kurz halten, empfahl Scheuch. «Jede Stunde länger treffen zusammen in Innenräumen ist ganz, ganz gefährlich.» Das sei den meisten immer noch nicht klar. Unterricht in Schulen sei nur mit einer Kombination aus Schutzmaßnahmen möglich: Lüften, Raumfilter, Masken aufsetzen, kurze Unterrichtszeit und große Räume.

9:11

Vizekanzler Scholz verteidigt bundesweite Corona-Notbremse

Berlin (dpa) - Im Tauziehen um strengere Corona-Regeln angesichts steigender Infektionszahlen hat Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) die «Bundes-Notbremse» verteidigt. «Unverantwortlich wäre es jetzt, eine ganz lange wissenschaftliche Debatte darüber zu führen, was man alles auch anders machen könnte, ohne zu handeln», sagte der SPD-Politiker der «Saarbrücker Zeitung» (Mittwoch). «Wir können jetzt nicht Doktorarbeiten und Habilitationen schreiben. Wir müssen die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger schützen.»

Die sogenannte Bundes-Notbremse sieht einheitliche Regelungen wie Ausgangsbeschränkungen für Regionen mit einer Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen binnen einer Woche pro 100.000 Einwohner vor. Unter anderem dürfen bei einer höheren Inzidenz zudem die meisten Läden, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie die Gastronomie nicht öffnen. «Ausgangsbeschränkungen wirken. Wir haben in vielen Ländern gesehen, dass sie zu einer Senkung der Infektionen beitragen», betonte der Kanzlerkandidat der SPD. Die Ergänzungen des Infektionsschutzgesetzes beschloss das Kabinett am Dienstag.

Über die genaue Ausgestaltung der Novellierung dürfte aber im Bundestag noch viel diskutiert werden - bereits kurz nach Bekanntwerden des Entwurfs wurde hier vor allem an den geplanten Ausgangsbeschränkungen Kritik laut. «Es geht darum, Kontakte zu beschränken und das ist ein Weg, das zu erreichen - neben vielen anderen, die ebenfalls in dem Gesetz vorgesehen sind», betonte Bundesfinanzminister Scholz.

9:03

Corona-Neuinfektionen in USA steigen: Rund 77.000 Fälle in 24 Stunden

Baltimore (dpa) - In den USA steigt die Zahl der an einem Tag erfassten Corona-Neuinfektionen weiter an. Am Dienstag meldeten die Behörden mit 77.205 neuen Fällen rund 15.000 mehr als vor genau einer Woche, wie aus Daten der Johns-Hopkins Universität (JHU) vom Mittwochmorgen (MESZ) hervorging. Die Anzahl der Toten mit einer bestätigten Infektion blieb vergleichsweise stabil bei 907. Am vergangenen Dienstag waren es demnach 836 gewesen.

Die bisherigen Höchstwerte wurden laut JHU am 2. Januar mit 300.310 Neuinfektionen sowie am 12. Januar mit 4.476 Toten verzeichnet. In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bislang mehr als 31,3 Millionen Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 563.000 Menschen starben. In absoluten Zahlen gemessen - aber nicht relativ zur Bevölkerung - sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt. Bislang haben landesweit knapp 122,3 Millionen Menschen mindestens eine Impfdosis erhalten, 75,3 Millionen gelten als voll geimpft, wie Zahlen der Gesundheitsbehörde CDC zeigen.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der CDC. In manchen Fällen werden die Zahlen - unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden, aber auch die der Toten - nachträglich aktualisiert.

8:37

Chaos Computer Club fordert: „Keine Steuermittel mehr für Luca-App“

Berlin (dpa) - Die europäische Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) hat gefordert, keine Steuermittel mehr für die Luca-App zur Corona-Kontaktnachverfolgung auszugeben. Club-Sprecher Linus Neumann verwies am Mittwoch auf eine «nicht abreißende Serie von Sicherheitsproblemen» bei dem Luca-System.

Zuvor hatten Datenschutz-Aktivisten auf Schwachstellen bei den Luca-Schlüsselanhängern verwiesen, die für Menschen ohne Smartphone gedacht sind. «Wer den QR-Code (eines Schlüsselanhängers) scannt, kann nicht nur künftig unter Ihrem Namen einchecken, sondern auch einsehen, wo Sie bisher so waren», kritisierte Neumann. Er verwies dabei auf Recherchen, die im Netz unter dem Titel «Lucatrack» veröffentlicht wurden. «Die Schwachstelle ist offensichtlich und unnötig. Sie zeugt von einem fundamentalen Unverständnis grundlegender Prinzipien der IT-Sicherheit.»

Der Entwickler der App, das Berliner Start-up neXenio, räumte ein, «dass Dritte, die unbefugt im Besitz des QR-Codes auf dem Schlüsselanhänger waren, die jeweilige Kontakthistorie abrufen konnten». «Wir haben diese Möglichkeit sofort nach der erfolgten Meldung deaktiviert und bedanken uns für die Mitteilung. Es konnten zu keinem Zeitpunkt hinterlegte Kontaktdaten wie Adresse oder Telefonnummer abgerufen werden.»

Die Macher der Luca-App empfahlen, den persönlichen Schlüsselanhänger mit QR-Code nur zum Check-in in dafür vorgesehenen Betrieben zu verwenden und kein Foto des eigenen, individuellen Schlüsselanhängers im Internet zu veröffentlichen, um einen «böswilligen Missbrauch zu vermeiden».

Die Luca-App, für die unter anderem Hip-Hop-Sänger Smudo von den «Fantastischen Vier» geworben hatte, wird in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Saarland, Bayern, Sachsen-Anhalt und Hamburg aus Steuermittel finanziert. Die eingesetzten Mittel summieren sich nach Recherchen des Portals Netzpolitik.org auf insgesamt 20 Millionen Euro. Dieses Geld wird für die Entwicklung der App, die Anbindung der Gesundheitsämter sowie den SMS-Service zur Validierung der Telefonnummern der Anwender verwendet.

Der Chaos Computer Club forderte ein «umgehendes Moratorium» beim Einsatz der Luca-App. Die Vergabepraktiken in den Bundesländern müssten durch den Bundesrechnungshof überprüft werden. Niemand dürfe gezwungen werden, die App zu verwenden, um am öffentlichen Leben teilzunehmen. «Für den Umgang mit hochsensiblen Gesundheits- und Bewegungsdaten verbietet sich der ländersubventionierte Roll-Out ungeprüfter Software von selbst.»

8:15

Lauterbach: Johnson & Johnson-Stopp kein 'permanenter Rückschlag'

BERLIN (dpa-AFX) - Trotz des Impfstopps in den USA und des verzögerten Marktstarts in Europa geht SPD-Gesundheitssexperte Karl Lauterbach davon aus, dass das Johnson & Johnson-Präparat gegen das Coronavirus bald in Deutschland eingesetzt wird. "Ich glaube nicht, dass es ein permanenter Rückschlag ist, die Sinusvenenthrombosen waren auch bei Johnson & Johnson zu erwarten", sagte der SPD-Politiker am Mittwochmorgen im Deutschlandfunk.

Die Komplikationen seien aber so rar, "dass der Impfstoff nach einiger Zeit wieder verimpft wird, in den Vereinigten Staaten, und der Impfstart in Europa dann auch beginnen wird", sagte Lauterbach. "Man wird wahrscheinlich auch hier wieder darüber nachdenken müssen, ob man den Impfstoff bei den über 60-Jährigen spezifisch einsetzt".

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hatte am Dienstag wegen Berichten über sogenannte Sinusvenenthrombosen nach der Impfung den Marktstart seines Präparats in Europa aufgeschoben. Zuvor hatten Behörden in den USA ein vorübergehendes Aussetzen der Impfungen empfohlen, nachdem im Land sechs Fälle der Hirnvenenthrombosen erfasst worden waren.

7:15

Experten: Impfstoff-Typ könnte Ursache für Nebenwirkungen sein

BERLIN (dpa-AFX) - Die seltenen schweren Nebenwirkungen nach der Impfung mit den Präparaten von AstraZeneca und Johnson & Johnson hängen deutschen Experten zufolge möglicherweise mit dem speziellen Typ dieser Impfstoffe zusammen. "Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist", sagte Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings sei das zum gegenwärtigen Zeitpunkt spekulativ.

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hatte am Dienstag wegen Berichten über sogenannte Sinusvenenthrombosen nach der Impfung den Marktstart seines Präparats in Europa aufgeschoben - nur einen Tag nachdem mit der Auslieferung begonnen worden war. Zuvor hatten Behörden in den USA ein vorübergehendes Aussetzen der Impfungen empfohlen, nachdem im Land sechs Fälle der Hirnvenenthrombosen erfasst worden waren. In drei Fällen kam es zusätzlich zu einer Thrombozytopenie, also einem Mangel an Blutplättchen. Seit der Zulassung Ende Februar wurden in den USA mehr als 6,8 Millionen Dosen des Impfstoffes eingesetzt.

Erst im März hatte Deutschland Impfungen mit dem Produkt des Herstellers AstraZeneca vorübergehend ausgesetzt. Auch andere europäische Länder stoppten die Impfungen zeitweise. Hintergrund war ebenfalls eine auffällige Häufung der speziellen Thrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen nach Impfungen mit dem Präparat. Inzwischen wird der Einsatz von AstraZeneca hierzulande nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

In beiden Präparaten wird ein an sich harmloses Adenovirus als sogenannter Vektor genutzt, um Erbinformationen des Coronavirus in den Körper zu schleusen. Es sei theoretisch auch denkbar, dass das Spike-Protein des Virus, das in allen verfügbaren Impfstoffen dem Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen präsentiert wird, die Nebenwirkungen verursacht, erklärte Oldenburg. Ebenso sei es grundsätzlich möglich, dass die Nebenwirkungen unspezifisch im Rahmen der allgemeinen Immunantwort ausgelöst würden.

Auch Clemens Wendtner vermutet, dass den Nebenwirkungen bei beiden Impfstoffen ein ähnlicher Mechanismus zugrunde liegt. "Wir haben im Fall von Johnson & Johnson die gleichen Nebenwirkungen, die auch bei Astrazeneca aufgetaucht sind", sagt Wendtner, Chefarzt an der München Klinik Schwabing. "Da stellt sich die Frage, ob es hier einen Klasseneffekt gibt, also die Adenoviren, die als Vektoren genutzt werden, die Probleme auslösen."

Einige Experten wie Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) vermuten, dass die Betroffenen im Verlauf der Immunreaktion bestimmte Antikörper bilden. Diese aktivieren dann die Blutplättchen, was wiederum zu Blutgerinnseln führt.

Bei einer Sinusvenenthrombose kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel. Dies macht sich vor allem durch Kopfschmerzen bemerkbar, auch epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen können auftreten. Ein Mangel an Blutplättchen wiederum führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Als Symptome treten punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute auf, gelegentlich auch starkes Nasenbluten.

Bis zum 8. April wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 46 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit AstraZeneca-Impfstoff (Vaxzevria) gemeldet, in 24 Fällen zusätzlich eine Thrombozytopenie. Fünf Frauen und drei Männern starben. Mit Ausnahme von sieben Fällen betrafen alle Meldungen Frauen im Alter zwischen 20 und 66 Jahren. Die Männer waren 24 bis 58 Jahre alt.

6:42

RKI registriert 21.693 Corona-Neuinfektionen und 342 neue Todesfälle

Berlin (dpa) - Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 21.693 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 342 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Mittwochmorgen hervor. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 9.677 Neuinfektionen und 298 Todesfälle verzeichnet. Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 05:03 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag nach Angaben des RKI am Mittwochmorgen bundesweit bei 153,2. Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 140,9 an, vor einer Woche lag sie bei 110,1.

Die Beurteilung des Infektionsgeschehens ist aufgrund der zurückliegenden Ferien und der Osterfeiertage noch immer schwierig. «Wir müssen wahrscheinlich bis Ende dieser Woche warten, um wieder realistische Zahlen zu sehen», hatte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast «Coronavirus-Update» bei NDR-Info gesagt.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.044.016 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.718.700 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 79.088.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Dienstag bei 1,08 (Vortag: 1,09). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 108 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert sei weiter gestiegen, schreibt das RKI. Die in den Tagen nach Ostern beobachtete Absenkung des Werts könnte an der vorübergehend geringeren Testzahl gelegen haben. Auch der R-Wert kann nach RKI-Angaben erst in einigen Tagen wieder aussagekräftig bewertet werden.

6:30

Corona-Impfstoff: Johnson & Johnson verschiebt Europa-Start

NEW BRUNSWICK (dpa-AFX) - Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson verzögert den Marktstart seines Impfstoffs in Europa. Das teilte der Konzern am Dienstag mit - nur einen Tag nachdem mit der Auslieferung begonnen worden war. Man habe Berichte über Sinusvenenthrombosen erhalten und sich für die Verzögerung entschieden, hieß es. Der Konzern arbeite nun mit Experten und den Gesundheitsbehörden an der Untersuchung der Fälle. Am Dienstagabend (Ortszeit) teilte der Konzern zudem mit, dass auch alle derzeit laufenden Studien mit Impfungen mit dem Wirkstoff vorübergehend ausgesetzt würden.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hatte bereits eine Untersuchung einiger Fälle von Thrombosen nach einer Impfung mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson eingeleitet. Ein Zusammenhang zwischen den sehr seltenen Fällen und der Impfung konnte noch nicht festgestellt werden, teilte die EMA am Dienstag in Amsterdam auf dpa-Anfrage mit. Die Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen.

Bisher waren der Behörde vier Fälle mitgeteilt worden. Drei davon waren in den USA aufgetreten, einer davon verlief tödlich. Der vierte Fall betraf eine Person bei einem klinischen Test. Vom für Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Institut gab es zunächst keine Einschätzung der neuen Situation. Informationen würden so bald wie möglich zur Verfügung gestellt, hieß es am Dienstag.

Zuvor hatten die Behörden in den USA eine vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson empfohlen, nachdem bei sechs Menschen im Land nach der Impfung Sinusvenenthrombosen diagnostiziert worden waren. Die vorübergehende Aussetzung sei aus einem "Übermaß an Vorsicht" empfohlen worden und werde voraussichtlich nur einige Tage aufrechterhalten, teilten die Gesundheitsbehörde CDC und die Arzneimittelbehörde FDA am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit.

In der EU war der Impfstoff von Johnson & Johnson am 11. März zugelassen worden. Am Montag hatte Johnson & Johnson mit der Lieferung in die EU-Staaten begonnen. Die Brüsseler Behörde erwartet bis Ende Juni 55 Millionen Dosen des Impfstoffs. Gut 10 Millionen Dosen sollen nach Deutschland gehen.

Erst im März hatte Deutschland Impfungen mit dem Produkt des Herstellers AstraZeneca vorübergehend ausgesetzt, nachdem das Paul-Ehrlich-Institut ein entsprechendes Vorgehen empfohlen hatte. Auch andere europäische Länder stoppten die Impfungen zeitweise. Hintergrund war ebenfalls eine auffällige Häufung von Sinusvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) nach Impfungen mit dem Präparat. Inzwischen wird der Einsatz von AstraZeneca hierzulande nur bei Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

Wieso es bei einigen Geimpften zu der schweren Nebenwirkung kommt, ist bislang unklar. Der Greifswalder Forscher Andreas Greinacher macht das Auftreten bestimmter Antikörper für die Thrombosen verantwortlich. Es sei denkbar, dass die Betroffenen etwas in ihrem Körper hätten, was sie dafür anfällig mache, diese speziellen Antikörper zu produzieren. Was das sei, sei noch unklar, erklärte er kürzlich.

Die Impfstoffe von Johnson & Johnson und von AstraZeneca sind sogenannte vektorbasierte Impfstoffe. Sie nutzen ein harmloses Virus, um Erbinformationen des Coronavirus in den Körper zu schleusen. Mithilfe dieser Informationen wird im Körper des Geimpften ein Viruseiweiß gebildet, genauer gesagt das Spike-Protein auf der Oberfläche des Coronavirus.

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, hatte kürzlich auf Twitter die Vermutung geäußert, dass die Adenoviren, die in beiden Impfstoffen eingesetzt werden, die Nebenwirkungen verursachen.

In den USA sagte die amtierende FDA-Chefin Janet Woodcock am Dienstag, die Fälle müssten nun erst einmal "komplett verstanden" und die Mitarbeiter des Gesundheitssystems entsprechend informiert werden. "Wir erwarten, dass diese Pause einige Tage dauern wird." Man sei dabei auch in "ständigem Austausch" mit den zuständigen Behörden in Europa und weltweit. Für Mittwoch wurde eine Notfallsitzung eines Beratergremiums der CDC angesetzt.

Zahlreiche Bundesstaaten sowie unter anderem Apotheken-Ketten kündigten an, der Empfehlung von CDC und FDA folgen zu wollen. Bereits ausgemachte Impftermine sollen verschoben oder wenn möglich mit den beiden anderen derzeit im Einsatz befindlichen Impfstoffen in den USA - dem des US-Unternehmens Moderna und dem des US-Konzerns Pfizer und seines deutschen Partners Biontech - durchgeführt werden. Bei diesen beiden Impfstoffen seien bislang keine vergleichbaren Vorfälle gemeldet worden, hieß es von FDA und CDC.

Die Aussetzung werde "keine bedeutenden Auswirkungen" auf die US-Impfkampagne haben, teilte das Weiße Haus mit. Die USA hätten allein durch die vereinbarten Lieferungen mit den Herstellern Moderna und Biontech/Pfizer genügend Impfstoff für 300 Millionen Menschen, erklärte US-Präsident Joe Bidens Corona-Koordinator Jeff Zients. Die USA könnten daher weiter pro Tag rund drei Millionen Menschen impfen.

Von dem Ende Februar von der FDA zugelassenen Impfstoff von Johnson & Johnson, von dem es nur eine Dosis braucht, wurden bislang mehr als 6,8 Millionen Dosen gespritzt. Bei sechs Frauen zwischen 18 und 48 Jahren war es den Behörden zufolge zwischen 6 und 13 Tagen nach dieser Impfung zu Sinusvenenthrombosen gekommen. In drei Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Blutplättchen, gemeldet worden. Eine Frau sei gestorben, eine befinde sich in kritischem Zustand, teilten FDA und CDC mit. Insgesamt scheine es aber so, als ob diese Fälle "sehr selten" seien.

6:00

Russland wartet auf den Sputnik-Effekt

Moskau (dpa) - Die täglichen Jubelmeldungen in Russland zum Corona-Impfstoff Sputnik V erinnern an die Tage, als die stolze Raumfahrtnation als erste ins Weltall vordrang. Deshalb ist das Vakzin auch nach dem ersten Satelliten - dem Sputnik - benannt, wie der Chef des staatlichen russischen Direktinvestmentfonds RDIF, Kirill Dmitrijew, stolz hervorhebt. Gerade erst hat Russlands oberster Vermarkter des Präparats die Weltpresse zusammengerufen, um von neuen Erfolgen zu berichten. «Indien ist das 60. Land, das Sputnik V zugelassen hat. Ein Meilenstein», freut er sich.

Doch eine EU-Zulassung ist weiter nicht in Sicht. Aktuell sind Experten der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) in Russland unterwegs, weil sie viele Fragen haben zu den bisher vorgelegten russischen Daten. Sie besuchen Kliniken, in denen geimpft wird, Produktionsstätten und Lagerräume. Eine Entscheidung erwartet der Gesundheitsexperte Jérôme Lepeintre bei der EU-Vertretung in Moskau aber erst im Juni oder Juli. Dann soll Sputnik auch in Deutschland eingesetzt werden, wenn es zugelassen wird.

Drei Milliarden Menschen lebten in den 60 Ländern, die bisher Sputnik zugelassen hätten - ein riesiges Potenzial, betont Dmitrijew. Nun sehnt er noch die EU-Zulassung herbei. Sputnik soll zum Exportschlager werden. Doch im internationalen Vergleich zu den Präparaten etwa von Biontech/Pfizer und Moderna fällt das Mittel deutlich ab. Auch Dmitrijew lässt vielfach gestellte Fragen zu konkreten Produktionszahlen unbeantwortet.

Russlands Impf-Funktionäre sehen sich seit langem Kritik ausgesetzt, sie würden nicht transparent mit Zahlen umgehen. Unabhängige Experten gehen davon aus, dass Russland nur einen kleinen Bruchteil seiner bisher international zugesagten Dosen überhaupt liefern kann. Gut eine Million Sputnik-Dosen hat allein Ungarn erhalten nach offiziellen Angaben. Das Land hat als einziges EU-Mitglied das Vakzin national zugelassen, ohne die EMA-Entscheidung abzuwarten.

Wer im russischen Staatsfernsehen Reportagen von groß inszenierten Sputnik-V-Transporten etwa nach Lateinamerika sieht, bekommt rasch den Eindruck, dass der Impfstoff die Welt erobert. Westliche Präparate spielen da keine Rolle. Dabei klagen sogar viele Regionen in Russland über Lieferengpässe, wie selbst Kremlchef Wladimir Putin einräumen musste. Nach Putins Angaben haben erst 4,3 Millionen Menschen die beiden notwendigen Spritzen erhalten. Das sind knapp drei Prozent der 146 Millionen Einwohner.

In Deutschland liegt die entsprechende Impfquote doppelt so hoch. 6 Prozent der Bevölkerung bekamen nach Angaben des Robert Koch-Instituts bisher die beiden notwendigen Spritzen verabreicht. Wie in der Raumfahrt vergleicht sich Russland aber am liebsten mit den USA, wo die Impfquote bei über 20 Prozent liegt - das sind mehr als 70 Millionen komplett Geimpfte. Die offiziellen Statistiken in Russland weisen lediglich die Neuinfektionen von täglich unter 10.000 Fällen und die Todeszahlen von über 300 am Tag aus. Keine Impfzahlen.

Russland hat neben dem international bekannten Impfstoff Sputnik zwei weitere: EpiVacCorona und CoviVac; es seien «die besten Vakzine der Welt», sagte Putin. Der 68-Jährige hat sich zwar seine erste Spritze verpassen lassen, ließ aber nicht mitteilen, für welchen Impfstoff er sich entschied. Allerdings machte er zuletzt immer wieder Dampf, dass bei der Produktion zugelegt werden solle. Abseits von Moskau, wo Impfungen sogar beim Shoppen im Einkaufszentrum möglich sind, gibt es in der Provinz oft lange Wartezeiten.

RDIF-Chef Dmitrijew kündigt nun an, dass Indien bald der internationale Hauptproduktionsstandort für Sputnik V werden solle. Fünf Produktionsstätten seien schon fest vereinbart. Weitere sollen hinzukommen. «Vom Sommer an können dort 50 Millionen Dosen monatlich abgefüllt werden.» Auch in China und in Korea wolle Russland den von Moskauer Gamaleja-Institut entwickelten Impfstoff produzieren lassen.

Angekündigt hat das russische Pharma-Unternehmen R-Pharm auch, dass im schwäbischen Illertissen von Juni oder Juli an monatlich Millionen Dosen vom Band laufen könnten. «Wir unternehmen alle Anstrengungen, damit es im Sommer losgehen kann», sagte der R-Pharm-Manager Alexander Bykow der Deutschen Presse-Agentur in Moskau. «Wir haben die Ausrüstung schon dort und die Kader.» Bayern sicherte sich noch vor einer möglichen EU-Zulassung 2,5 Millionen Dosen. «Es handelt sich um einen hochwirksamen Impfstoff», meinte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).

5:00

Sucht im Corona-Jahr: Alkohol gegen Stress, mehr Tabak

Hamm (dpa) - In Corona-Jahr 2020 ist der Konsum von Tabakwaren in Deutschland gestiegen und es wird weiter deutlich mehr Alkohol getrunken als im europäischen Durchschnitt. Darauf hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm bei Vorlage ihres «DHS Jahrbuch Sucht 2021» am Mittwoch hingewiesen. Mit rund 28,8 Milliarden Euro seien die Gesamtausgaben für Tabakwaren um fünf Prozent gestiegen. Beim Alkohol habe man für 2020 zwar noch keine Konsumzahlen. Es sei aber von unverändert rund drei Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren auszugehen, die alkoholabhängig seien oder Alkohol missbräuchlich zu sich nähmen.

Abhängigkeit liege vor, wenn keine Kontrolle mehr über Beginn und Ende des Trinkens bestehe und trotz eingetretener gesundheitlicher oder gesellschaftlicher Schäden weiter Alkohol konsumiert werde, schilderte DHS-Vizegeschäftsführer Peter Raiser. Von Missbrauch spreche man, wenn in riskanter Weise getrunken werde und auch etwa bei der Arbeit oder hinterm Steuer. In der Pandemie zeichne sich häufig eine gefährliche Verschiebung beim Trinken ab: Es werde weniger aus Geselligkeit konsumiert, sondern öfter allein, in Isolation zum vermeintlichen Stressabbau.

Sorge bereitet den Experten zudem eine für Juli geplante Änderung des Glücksspielstaatsvertrags, mit der die in Deutschland bisher weitgehend noch illegalen Online-Kasinos ermöglicht würden. Das wird Anbieter- und Spielerzahlen laut DHS erhöhen und Suchtrisiken vergrößern.

3:15

Handelsverband: Testangebotspflicht für Unternehmen überflüssig

Berlin (dpa) - Aus Sicht des Handelsverbands haben Unternehmen auch ohne die vom Kabinett beschlossene gesetzliche Verpflichtung ihren Mitarbeitern Corona-Tests angeboten. «Dass die Bundesregierung den Unternehmen verpflichtend vorschreiben möchte, dass sie ihren Beschäftigten Testangebote machen, ist überflüssig, denn die Wirtschaft ist bereits mit ihrer sehr erfolgreichen Selbstverpflichtung vorangegangen», sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). «Wer eine solche Testangebotspflicht erlässt, muss dann auch sicherstellen, dass ausreichend Tests auf dem Markt verfügbar sind», kritisierte Genth.

Das Bundeskabinett hatte am Dienstag eine entsprechende Verordnung zum Arbeitsschutz beschlossen. Die Regel gilt für alle Beschäftigten, die nicht dauerhaft im Homeoffice arbeiten können. Die Verordnung soll in der kommenden Woche in Kraft treten.

Kritik hatte es vor allem aus vielen Bereichen der Wirtschaft gegeben, etwa vom Verband der Automobilindustrie (VDA), dem Deutschen Mittelstands-Bund oder der Chemieindustrie. Lob kam vor allem von den Gewerkschaften, aber auch der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) hatte die Pflicht als handhabbar bezeichnet.

2:01

Hausärzteverband kritisiert Vorgehen bei Astrazeneca-Impfungen

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Chef des Hausärzteverbands Nordrhein, Oliver Funken, hat das Vorgehen bei den Corona-Impfungen mit dem Stoff von Astrazeneca in den Praxen kritisiert. «Wegen des Hin und Hers um Astrazeneca sind viele Patienten und Ärzte verunsichert», sagte er der «Rheinischen Post» (Mittwoch). «Umso ärgerlicher ist es, dass sie in der kommenden Woche nur dann mit Biontech beliefert werden sollen, wenn sie ebenso viele Astrazeneca-Dosen abnehmen.»

Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, sagte der Zeitung: «Die etwa hälftige Aufteilung zwischen Biontech und Astrazeneca muss von den Arztpraxen akzeptiert werden. Andernfalls würde gar keine Auslieferung stattfinden dürfen.»

Funken sprach sich zudem für ein Ende der Priorisierung bei den Corona-Impfung aus. «Wenn wir jetzt Strecke machen wollen, müssen wir die Priorisierung aufgeben.» Wenn eine Praxis nicht genug ältere Patienten habe, die mit Astrazeneca geimpft werden können und wollen, müsse es den Ärzten freigestellt sein, auch jüngere Patienten damit zu impfen.

Bereits zuvor hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) betont, dass es mit steigenden Impfstofflieferungen ein Ende der Corona-Impfreihenfolge bis zum Sommer geben sollte.

1:00

Drosten hält weitere Maßnahmen neben Corona-Notbremse für nötig

Berlin (dpa) - Wegen der Lage auf den Intensivstationen erwartet der Virologe Christian Drosten, dass zusätzlich zur geplanten bundesweiten Corona-Notbremse weitere Maßnahmen nötig sein werden. «Ich denke, dass man anhand der sich jetzt einstellenden Situation in den Krankenhäusern auch noch mal anders reagieren muss», sagte der Corona-Experte von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast «Coronavirus-Update» bei NDR-Info. Dies müsse sicherlich in «allernächster Zeit» geschehen. «Ich erwarte jetzt nicht ohne weiteres, dass man damit die Situation in der Intensivmedizin kontrollieren kann», sagte Drosten mit Blick auf die Entscheidung.

Das Bundeskabinett hat am Dienstag eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. Damit müssen sich die Menschen in weiten Teilen Deutschlands auf Ausgangsbeschränkungen und geschlossene Läden nach bundesweit verbindlichen Vorgaben einstellen. Kommende Woche sollen die Neuerungen erst vom Parlament beschlossen werden und dann den Bundesrat passieren - trotz deutlicher Kritik einiger Länder und der Opposition im Bundestag.

Über die eingeschränkte Aussagekraft der Corona-Meldezahlen nach Ostern sagte Drosten: «Wir müssen wahrscheinlich bis Ende dieser Woche warten, um wieder realistische Zahlen zu sehen.» Er befürchte, dass man dann wieder in einem Bereich zwischen 20.000 und 30.000 täglich gemeldeten Neuinfektionen landen werde. Durch die Osterferien sieht der Virologe allerdings für die Schulen zunächst einen «nachhaltigen Entschleunigungseffekt», wie er sagte.

Weiter erinnerte Drosten daran, dass man sich nach einem negativen Schnelltestergebnis nicht in falscher Sicherheit wiegen dürfe. «Es ist nicht alles so simpel, wie das zum Teil in der Politik auch argumentativ verarbeitet wird. So nach dem Motto: Jetzt kann ja alles öffnen, weil wir haben ja jetzt Schnelltests.»

In der Praxis stellten Fachleute fest, dass es bei diesen Tests eine Lücke beim Erkennen von Infektionen in der Frühphase gebe, schilderte Drosten. Noch fehlten zwar Studien dazu. Beobachtet werde aber, dass die Tests nur beim größten Teil der ansteckenden Tage anschlagen: Beim Testen direkt bei Symptombeginn könne der Test jedoch noch negativ ausfallen. Ein Labortest (PCR) hingegen könne im Vergleich schon mehrere Tage vorher eine Ansteckung anzeigen.

Den Einsatz von Schnelltests bei Menschen mit Symptomen und die regelmäßige Anwendung zum Beispiel in Schulklassen und am Arbeitsplatz hält Drosten dennoch für gerechtfertigt und sinnvoll. Zwar könne eine frische Infektion dann in einzelnen Fällen übersehen werden - aber wenige Tage später falle sie auf. «Nur eine Sache ist eben etwas gefährlich», sagte er: die Vorstellung, nicht ansteckend zu sein, wenn man etwa an der Kasse zu einem Veranstaltungssaal oder an der Pförtnerloge zu einem Behördengebäude den Test mache. Infizierte könnten dann durchrutschen und andere Menschen anstecken.

Über neue Studien zur in Großbritannien entdeckten Variante B.1.1.7, in denen entgegen früherer Daten keine Belege für eine höhere Tödlichkeit der Variante gesehen werden, sagte Drosten, diese änderten für ihn das Bild nicht komplett. Eine der Studien kann anhand ihrer Stichprobe nur Aussagen über Fälle machen, die mit COVI-19 im Krankenhaus behandelt wurden. Drosten bilanzierte, er würde die bisherigen Studien für die Ebene der ganzen Bevölkerung weiter so stehenlassen.

Als «ganz schlechte Entwicklung» bezeichnete Drosten wählerisches Verhalten von über 60-Jährigen in Bundesländern, in denen man sich den Corona-Impfstoff aussuchen kann. Manche dieser älteren Menschen wollten nun nicht mit AstraZeneca geimpft werden und warteten lieber ab, bis sie das Präparat von Biontech/Pfizer bekommen könnten.

«Da muss man wirklich sagen, dann nimmt man im Juni einem Jüngeren die Impfung weg. Und das ist wirklich nicht in Ordnung», sagte der Virologe. «Ich finde es nicht gut, wenn Ältere jetzt an dieser Stelle wählerisch sind.» Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt AstraZeneca mittlerweile für Menschen ab 60. Hintergrund sind seltene Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen jüngerer Menschen.

1:00

Kassenärzte: „Impfkampagne gerät massiv ins Stocken“

Berlin (dpa) - Die niedergelassenen Ärzte kritisieren eine Benachteiligung gegenüber Impfzentren in der Corona-Impfkampagne. «Den Praxen werden in den kommenden Wochen viel weniger Biontech-Dosen zugewiesen als versprochen, weil der Impfstoff offensichtlich vorrangig an die Impfzentren geht», sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Mittwoch). «Die Zuteilung für die Hausärzte wurde halbiert. Daher wächst bei den niedergelassenen Ärzten die Sorge, dass sie in den kommenden Wochen eher weniger als mehr am Impfgeschehen teilhaben können.»

Zwar erhalten die Arztpraxen den Angaben zufolge als Ausgleich für Biontech-Kürzungen mehr Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs. «Aber das wird so nicht aufgehen», warnte Gassen. «Wenn die Impfzentren komplett den vergleichsweise unproblematischen Impfstoff erhalten, die Praxen aber den umstrittenen, der zumal den unter 60-Jährigen nicht gespritzt werden darf, wird die Impfkampagne massiv ins Stocken geraten. Das darf nicht passieren!»

Wenn Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seine Zuteilungsstrategie nicht wieder ändere, gerate die Herdenimmunität in weite Ferne, so der KBV-Chef. Die Lieferreduzierungen in dieser und der kommenden Woche ließen «das Schlimmste befürchten». Dabei könnten die Praxen bis zu fünf Millionen Menschen pro Woche impfen. «Rund 75.000 Arztpraxen stehen dafür bereit. Erhalten die Praxen genug Impfstoff, könnten wir schon im Juni die Herdenimmunität erreicht haben.»


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