Bundestagsdebatte um Maskenpreise

Klein-Schmeink: 6 Euro pro Maske sind „geradezu absurd“

Berlin - 29.01.2021, 16:00 Uhr

Festzuschlag statt Fixhonorar: Die Grünen-Fraktion im Bundestag um ihre gesundheitspolitische Sprecherin Maria Klein-Schmeink hat ihre eigenen Vorstellungen von der Vergütung der Apotheken für die Maskenausgabe. (Foto: IMAGO / Christian Spicker)

Festzuschlag statt Fixhonorar: Die Grünen-Fraktion im Bundestag um ihre gesundheitspolitische Sprecherin Maria Klein-Schmeink hat ihre eigenen Vorstellungen von der Vergütung der Apotheken für die Maskenausgabe. (Foto: IMAGO / Christian Spicker)


Die 6 Euro Vergütung pro abgegebener Maske an Risikopatienten und Senioren wackeln: Insbesondere die Grünen kritisieren diese Vergütung als zu hoch. Und auch der CDU-Abgeordnete Dietrich Monstadt kündigte heute bei einer Debatte im Bundestag an, man prüfe derzeit eine Absenkung des Honorars. Einer Abgabe zum Selbstkostenpreis, wie von der Linksfraktion in einem Antrag gefordert, lehnte das Gros der Abgeordneten jedoch klar ab.

Aktuell bekommen die Apotheken 6 Euro je Maske, die sie auf Staatskosten abgeben. Das ist zu viel, meinen die Grünen: Die gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, nannte diese Vergütung in ihrer Höhe „geradezu absurd“. Es sei richtig gewesen, eine niedrigschwellige Verteilung von Schutzmasken an Senior:innen und Risikopatient:innen zu organisieren, sagte sie am heutigen Freitag bei einer Debatte im Bundestag. Allerdings sei dieses Instrument zu spät gekommen und „nicht gut gemacht“ gewesen.

Bereits kurz nach Bekanntwerden des Verordnungsentwurfs im Dezember hatte Klein-Schmeink federführend für ihre Fraktion eine Kleine Anfrage an die Regierung gerichtet, in der sie nachhakte, wie genau das BMG auf eine Vergütung von 6 Euro je Maske für die Apotheken komme. In der Antwort aus dem Ministerium, die seit Mittwoch vorliegt, heißt es unter anderem, man sei von einem durchschnittlichen Einkaufspreis von 4,29 Euro ausgegangen.

Mehr zum Thema

Kleine Anfrage zur Maskenausgabe

BMG rechtfertigt Preis von 6 Euro je Maske

Auch der aktuell geplante Weiterdreh, die Verteilung von Schutzmasken an Grundsicherungsempfänger, sei grundsätzlich zu begrüßen. „Wirksamer Schutz darf nicht vom Geldbeutel abhängig sein“, betonte Klein-Schmeink. Sollte die am gestrigen Donnerstag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) angekündigte Verordnung jedoch ähnlich gestaltet sein wie jene vom 14. Dezember, werde das „sehr, sehr teuer“. Stattdessen brachte sie einen Festzuschlag ins Spiel, vergleichbar mit der Preisbremse, die Spahn im vergangenen Jahr für Corona-Antikörpertests eingeführt hatte.

Zur Erinnerung: Seit dem 8. Dezember 2020 waren die Preise für sogenannte Point-of-Care (PoC)-Tests auf SARS-CoV-2-Antigene nicht mehr frei kalkulierbar gewesen: Per Verordnung hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Beschaffungskosten auf maximal 9 Euro begrenzt, für Apotheken war ein Festzuschlag von 60 Cent je Test vorgesehen. Die entsprechende Verordnung hat das Bundesgesundheitsministerium kurz vor dem Jahreswechsel außer Kraft gesetzt, da die Marktsituation sich entspannt habe.



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Kleine Anfrage zur Maskenausgabe

BMG rechtfertigt Preis von 6 Euro je Maske

FFP2-Masken für Grundsicherungsempfänger

BMG schweigt zum künftigen Masken-Honorar

50 Millionen FFP2-Masken für Grundsicherungsempfänger

Overwiening: Abrupte Preissenkungen erschüttern Vertrauen

Maskenausgabe an Grundsicherungsempfänger

AVNR: Nachfrage in den Apotheken läuft bereits an

Apotheken erhalten nur noch 3,90 Euro brutto je Maske / Mehr Anspruchsberechtigte

FFP2-Masken: Mehr Arbeit, weniger Geld

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Kassen-Anschreiben für ALG-II-Empfänger

Reminder: Masken-Informationsschreiben für Februar abrechnen

Spahn senkt Apothekenvergütung

Bald gibt es nur noch 3,90 brutto pro Maske

5 Kommentare

Coronaprämie für Apothekenmitarbeiter

von Thomson am 30.01.2021 um 10:12 Uhr

Wenn man die Apothekenmitarbeiter nicht extra vergütet, kann von mir aus die Honorare für die Ffp2 Masken gekürzt werden. 36 pro Schein nur für den Chef ist echt viel.
Die Mitarbeiter waren an der Front, nicht der Chef!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Coronaprämie für Apothekenmitarbeiter

von Dr. Stephan Hahn am 30.01.2021 um 11:09 Uhr

Ähm, doch! Bislang kann ich davon ausgehen, obwohl wir 40% Umsatz weniger haben, dass ich niemanden in Kurzarbeit schicke oder sogar entlassen muss, weil ich derzeit kein Geld entnehmen kann und von den Reserven für Notzeiten wie diesen lebe. Fehlen die avisierten Einnahmen auch, werden harte Schnitte unumgänglich sein.

Klein-Schmeink Grüne Maskenpreis

von Peter Kaiser am 29.01.2021 um 18:36 Uhr

Sehr geehrte Frau Klein-Schmeink,
ich empfehle Ihnen kurz vor Weihnachten 2020 5000 FFP 2 aufzzutreiben, Donnerstags haben wir es im Fernsehen erfahren und montags sollten wir liefern. Ich denke Sie hätten es nicht gebacken bekommen, wir sind kreuz und quer durchs Ländle gefahren, um lieferfähig zu sein. Der EK war da auch nicht 1 €!!! Einmal die Anstrengung der Kollegen zu würdigen, die sich den A... aufgerissen haben um lieferfähig zu sein, fände ich besser. Über zukünftige Preise kann man in Ruhe diskutieren.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

warum

von Karl Friedrich Müller am 29.01.2021 um 18:06 Uhr

haben die besonders garstigen Leute eigentlich immer Doppelnamen?
Und, Oh Gott, da könnte mal jemand was verdienen für seine Arbeit.
Der Rest der Bevölkerung außerhalb der Parlamente und der Regierungen kann halt keine lukrativen Pöstchen antreten mit minimalem Aufwand. Wenn ich so sehe, was manche und vor allem wie viele zusätzliche Einkommensquellen haben, frägt man sich schon, ob die überhaupt noch ihr Mandat wahrnehmen können. Aber da bläst sich niemand auf. Krasse Verfehlungen wie bei Scheuer bleiben ungeahndet.
Das geht durch alle Parteien.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kann man dem Staat noch Vertrauen?

von Thomas Rock am 29.01.2021 um 17:24 Uhr

Ich habe angesichts der Maskenparade im Dezember unmenschliches von meinem Team verlangt...aber angesichts der Vergütung einen großzügigen Coronabonus ausbezahlt.
Wir haben auch einen Hilfsarbeiter eingestellt, der die sterile Verpackung der Masken zu 3 Stück übernommen hat. Wir haben Grenzfälle/Härtefälle immer pro Maskenabgabe entschieden.
Auch im neuen Jahr haben wir uns entschlossen nicht die günstigsten sondern zu einem deutlichen höheren Preis die meiner Ansicht nach besten Masken zu kaufen. Aufklärung und Beratung auch entsprechend der Vergütung.

Sollte nun nachträglich die versprochene Vergütung gekippt werden, dann gibt es überhaupt keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit. Ehrlich gesagt habe ich mich immer über die Kollegen aufgeregt, die es im Dezember warum auch immer nicht hinbekommen haben, Masken abzugeben. Wir haben gut dreimal mehr abgegeben als bezahlt wurde.
Jetzt denke ich mir...OK, sollte nun jegliche Kalkulation nachträglich ad absurdum geführt werden, dann stehe ich das nächste Mal nicht mehr zur Verfügung.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.