Bilanz der DGHO

Wie schlagen sich die CAR-T-Zelltherapien auf dem Markt?

Berlin - 05.08.2020, 15:30 Uhr

Arzneimittel oder medizinische Dienstleistung? Der Status von Kymriah ist umstritten. (c / Foto: picture alliance / AP Photo)

Arzneimittel oder medizinische Dienstleistung? Der Status von Kymriah ist umstritten. (c / Foto: picture alliance / AP Photo)


Wenige Behandlungen, geringe Nebenwirkungsrate

Die Anzahl der erfolgten CAR-T-Zell-Therapien fällt zudem geringer aus, als die Fachgesellschaft erwartet hatte. Demnach wurde in den Verfahren zur frühen Nutzenbewertung durch den G-BA die Gesamtzahl der infrage kommenden Patienten auf ungefähr 660 pro Jahr geschätzt. „Die bisherigen Zahlen liegen deutlich unterhalb dieser Schätzungen. Das kann zum einen an logistischen Problemen in der Einführungsphase liegen, aber auch an einer stringenten Indikationsstellung.“ Für die nahe Zukunft erwarte die Mehrzahl der Zentren eine Steigerung der Patientenzahlen, so die Fachgesellschaft.

Nebenwirkungen traten seltener auf als befürchtet

Was mögliche Komplikationen betrifft, kann die DGHO beruhigen. Spezifische schwere Ereignisse in Zusammenhang mit CAR-T-Zelltherapien wie Zytokinstürme und Neurotoxizitätssyndrome seien seltener aufgetreten als zunächst befürchtet. „Die tatsächliche Rate der intensivpflichtigen Patienten liegt bei 14 Prozent und ist damit deutlich niedriger als initial erwartet. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 3 Prozent.“

„CAR-T-Zellen sind in Deutschland in der Versorgung angekommen“, kommentiert Professor Lorenz Trümper, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen, die Ergebnisse der Umfrage. „Der seinerzeit von uns mit Partnern formulierte Dreiklang aus zelltherapeutischer, krankheitsspezifischer und intensivmedizinischer Kompetenz hat sich als sinnvoll und zielführend erwiesen.“ Auf der Basis der bisherigen Erfahrungen gelte es nun, die qualitätssichernden Maßnahmen anzupassen. „Das betrifft insbesondere die Strukturkriterien der Zentren und einige sehr bürokratische Hürden.“

Indikationserweiterung erwartet

Professor Hermann Einsele, Vorsitzender der DGHO und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg, erwartet mit zunehmender Vertrautheit mit der CAR-T-Zelltherapie auch eine steigende Zahl der Patienten, die eine solche Behandlung erhalten. Bereits in wenigen Monaten stehe zudem eine Indikationserweiterung an: Dann sollen auch Menschen mit Multiplem Myelom für die Therapie infrage kommen. „Bei Patienten mit stark vorbehandeltem Myelom konnte die CAR-T-Zell-Therapie eine hohe Remissionsrate mit zum Teil mehr als 50 Prozent kompletten Remissionen und einer deutlich längeren progressionsfreien Zeit als mit allen bisher verfügbaren Medikamenten erreichen“, unterstreicht Einsele. „Die Zulassung von CAR-T-Zellen für diese Indikation, spätestens Anfang nächsten Jahres, wird zu einer weiteren Zunahme der CAR-T-Zell-Therapien in Deutschland führen.“

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Variante des Beitrages war von 330.000 Euro die Rede, das war nicht korrekt. Wir haben den Fehler korrigiert und entschuldigen uns.



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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