Niederländischer Versandkonzern

DocMorris beteiligt sich an Initiative „Deutschland gegen Corona“

Berlin - 01.04.2020, 11:45 Uhr

Der niederländische Arzneimittelversender DocMorris beteiligt sich an einer Aufklärungskampagne zum Coronavirus. Auf Facebook wird das derzeit kontrovers diskutiert. ( t / Foto: Deutschland gegen Corona)

Der niederländische Arzneimittelversender DocMorris beteiligt sich an einer Aufklärungskampagne zum Coronavirus. Auf Facebook wird das derzeit kontrovers diskutiert. ( t / Foto: Deutschland gegen Corona)


Der niederländische Versandkonzern DocMorris beteiligt sich gemeinsam mit Unternehmen und Institutionen an der Aufklärungskampagne „Alle für alle – Deutschland gegen Corona“. Auf zwölf Plakaten und in einem Video wird auf Maßnahmen zur Unterbrechung der Corona-Infektionsketten hingewiesen. Dabei sind neben DocMorris unter anderem das ZDF, die Deutsche Bank und die DAK. Auf der Facebook-Seite der Niederländer haben unter anderem Apotheker für eine kritische Diskussion rund um die Beteiligung von DocMorris gesorgt.

Unter dem Hashtag #allefüralle ist die Aufklärungskampagne „Deutschland gegen Corona“ gestartet. Der zentrale Appell der Initiative lautet: „Haltet Abstand und gleichzeitig zusammen!“ Auf der Internetseite der Initiative heißt es: „Die neu gegründete Initiative „Deutschland gegen Corona“ appelliert mit der Hilfe von großen Partnern und Aktionen an jeden Einzelnen von uns: Haltet Abstand und gleichzeitig zusammen. Denn nur gemeinsam können wir die Krise bewältigen.“ Interessenten werden dazu aufgerufen, sich mit dem oben genannten Hashtag „solidarisch zu zeigen“.

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Die Internetseite enthält zudem zwölf verschiedene Motive, auf denen es zumeist darum geht, wie Infektionsketten in Zeiten des Coronavirus unterbrochen werden können. Auf mehreren Plakaten wird dafür geworbene, Abstand zu halten. Es geht aber auch darum, Leute zu solidarischen Aktionen zu bewegen – beispielsweise das Erledigen von Einkäufen für Ältere und Betroffene. An der Initiative ist eine bunte Mischung aus insgesamt 25 Medienunternehmen, Großkonzernen, einer Krankenkasse und weiteren Unternehmen beteiligt. Neben DocMorris sind auch die Deutsche Bank, die DAK, das ZDF, der „Spiegel“, der „Stern“, das Medienmagazin „Journalist“ sowie Facebook beteiligt.

Am gestrigen Dienstagabend hat DocMorris auf seiner Facebook-Seite auf die Initiative hingewiesen. Seitdem hat sich dort eine rege Diskussion rund um die Beteiligung des EU-Versenders entwickelt, an der auch Apotheker beteiligt sind. Ein Nutzer weist darauf hin, dass der Konzern gar nicht aus Deutschland kommt. In anderen Beiträgen geht es darum, dass sich die Apotheken, beispielsweise mit der Herstellung von Desinfektionsmitteln oder mit ihren Notdiensten, derzeit verstärkt um die Krisenbewältigung kümmern. Aber es werden auch kritische Stimmen laut: Ein Nutzer beschwert sich beispielsweise darüber, dass er mehrere Apotheken aufsuchen müsse, um das von ihm gewünschte Präparat zu erhalten. Bei DocMorris sehe er sofort den Lagerbestand – vom Sofa aus.

DocMorris-Chef: Kooperation statt Konfrontation

In einem anderen Kommentar wird auf die Berichterstattung von DAZ.online verwiesen, in der es um den DocMorris-Mutterkonzern Zur Rose geht: Zur Rose-Chef Walter Oberhänsli hatte nach Beginn der Coronakrise und bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das Jahr 2019 erklärt, dass das Virus seinem Unternehmen „massiven Rückenwind“ gebe. DocMorris-Chef Olaf Heinrich ergänzte, dass insbesondere die Paracetamol-Bestellungen „explodiert“ seien.

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DocMorris hat inzwischen auch auf die Diskussion reagiert und sich mit einem eigenen Statement eingemischt. Heinrich wird dort folgendermaßen zitiert: 


Diese herausfordernde Zeit erfordert Kooperation statt Konfrontation. Vor-Ort- und Versandapotheken leisten tagtäglich mit ihren unermüdlich arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Überstunden und Sonderschichten, damit die Bevölkerung in Deutschland in diesen Wochen weiterhin flächendeckend mit Arzneimitteln versorgt wird. Wir müssen jetzt gemeinsam dafür sorgen, dass besonders unsere älteren und oft mehrfacherkrankten Patientinnen und Patienten bestmöglich vor dem Corona-Virus geschützt sind und wir sie mit ihren dringend benötigten Arzneimitteln versorgen – sei es vor Ort, über den Botendienst oder den Versandweg. Verwenden wir alle verfügbare Energie im Apothekenwesen auf das Wohl der Patientinnen und Patienten. Mein Appell lautet: Alle für alle statt Jeder gegen jeden.“

Olaf Heinrich, DocMorris




Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

DocMorris: Der solidarische Fuchs im Hühnerstall

von M. Schulz am 02.04.2020 um 11:15 Uhr

So würde auch der Fuchs im Hühnerstall argumentieren. Ich bin der solidarische Fuchs im Hühnerstall. Jetzt ist nicht die Zeit zu lamentieren, dass ich der Fuchs aus den Niederlanden bin. Ich bin dem Zugriff des deutschen Gesundheitsministers entzogen. (Es scheint, auch jeder anderen überwachenden Behörde.)
Der deutsche Gesundheitsminister rollt für mich gerade einen roten Teppich aus eRezepten aus, noch bevor die Infrastruktur der digitalen Anbindung deutschlandweit vorhanden ist. Im Notfall sind (vielleicht) noch die örtlichen Apotheken da. Ich profitiere gerne parasitär davon, dass ich mich den mit der notwendigen Aufgabe der Notfallversorgung verbundenen Kosten entledigt habe, und andere dies mit einem bundesweiten, flächendeckenden Infrastrukturnetz zur Gesundheitsversorgung realisieren.
Während wir Apothekenmitarbeiter vor Ort täglich der Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind, gibt Doc Morris dieses persönliche Risiko an die Zusteller weiter.
DocMorris ist der unpersönliche, betriebswirtschaftlich optimierte Medikamentenversender, ohne Schwimmweste und Rettungsboot für Notfälle. DocMorris als Globalisierungsprofiteur beklagt sich darüber, dass wir Vorortkämpfer sein Versorgungsinfrastruktur gefährdendes Geschäftsmodell anprangern und Wettbewerbsverzerrung nennen. Wenn der Fuchs jetzt an die Solidarität der Hühner appelliert, ist das Trump gemäß, aber empörend.

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