Warnung der Französischen Arzneimittelbehörde

Besser kein Ibuprofen bei Windpocken?

Waren - 03.07.2019, 16:30 Uhr

Darf man Kindern mit Windpocken Ibuprofen geben? Die Empfehlungen unterscheiden sich je nach Land und Fachgesellschaft. (c / Foto: loflo / stock.adobe.com)

Darf man Kindern mit Windpocken Ibuprofen geben? Die Empfehlungen unterscheiden sich je nach Land und Fachgesellschaft. (c / Foto: loflo / stock.adobe.com)


Wie wird es in Deutschland gehandhabt

In Deutschland reagiert man deshalb zurückhaltend auf die Warnungen aus Frankreich. Eine Varizellen-Infektion stellt nach wie vor keine Kontraindikation von Ibuprofen dar. Nach Meinung von Prof. Dr. Fred Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugend­medizin an der Universitätsmedizin Mainz, wäre diese Maßnahme auch nicht angebracht . An deutschen Kliniken gibt man zwar grundsätzlich nach wie vor Ibuprofen den Vorzug – warum, das erläutert Prof. Dr. Fred Zepp im DAZ-Interview. Dank der Schutzimpfung kämen Windpocken nur noch selten vor. In der Klinik sehe er nur noch selten Fälle mit komplizierten Verläufen bei ungeimpften Kindern, wie er erklärt. Dann müsse man unter Abwägung von Nutzen und Risiken prüfen, ob die Gabe eines Antiphlogistikums überhaupt erforderlich ist. Aufgrund des Hinweises in der Fachinformation würde er in diesem Fall (Varizellen) dann bevorzugt Para­cetamol einsetzen.

Warum wird Ibuprofen in Deutschland bevorzugt? 

Ein Interview mit dem Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Prof. Dr. Fred Zepp

„Grundsätzlich spricht nichts gegen Ibuprofen“

Auf keinen Fall ASS

Einigkeit herrscht bei den internationalen Experten in Bezug auf Salicylate: Wegen der Gefahr des Reye-Syndroms, einer akuten Enzephalopathie, die vor allem im Kindesalter auftreten und tödlich verlaufen kann, ist Acetylsalicylsäure (ASS) bei Infektionen mit Varizellen kontraindiziert.

Der beste Schutz vor Komplikationen unter Windpocken bietet die aktive Immunisierung. Seit August 2004 wird sie von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen.



Rika Rausch, Apothekerin
redaktion@daz.online


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