Die „Pille“ ohne Kosten

Verhütungsmittel für Bedürftige nun auch in Bochum gratis

Düsseldorf - 24.06.2019, 17:50 Uhr

Verhütungsmittel auf Rezept gibt es in Bochum  für über 22-jährige Frauen, die Sozialleistungen beziehen, ab dieser Woche kostenlos. (Foto: imago images / Jochen Tack)

Verhütungsmittel auf Rezept gibt es in Bochum  für über 22-jährige Frauen, die Sozialleistungen beziehen, ab dieser Woche kostenlos. (Foto: imago images / Jochen Tack)


Nicht die erste Stadt, aber eine von wenigen

Bochum stehe mit diesem Fonds nicht alleine und sei auch nicht die erste Stadt, die einen solchen einführe, erklärt Stadtsprecher Peter van Dyck. „Aber wir habe die große Nachfrage, die es gibt, gesehen“, sagt er. Aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen hat man sich dabei auf Erfahrungen etwa von Dortmund, dem Kreis Viersen, dem Ennepe-Ruhr-Kreis, Marl, Recklinghausen oder Gladbeck gestützt, die einen solchen Fonds zum Teil bereits seit längerem unterhalten.

Beim pro-familia-Bundesverband ist man erfreut über jede Kommune, die sich auf freiwilliger Basis zu einem solchen Finanzierungsmodell entschließt, sagt Alexandra Ommert. Sie ist die Leiterin des Modellprojektes „Biko – Beratung, Information, Kostenübernahme bei Verhütung“, das in sieben Modellstandorten verteilt über die Bundesrepublik eine Kostenübernahme seit Januar 2017 noch bis Ende Juni 2019 erprobt und das wissenschaftlich evaluiert wird. 

In den neuen Bundesländern keine Kostenübernahme

„Das Problem ist aber, dass diese freiwilligen Töpfe der Kommunen meist den Bedarf nicht vollständig decken“, sagt Ommert. So stellt Bochum etwa in diesem Jahr 25.000 Euro und in den beiden Folgejahren jeweils 65.000 Euro aus dem Budget des Amtes für Soziales zur Verfügung. „Und es kann ja eigentlich nicht sein, dass man, wenn man später kommt, Pech gehabt hat, weil der Fonds leer ist“, sagt sie

In ganz Deutschland gibt es unterdessen zum Teil große Unterschiede, ob es in den Kommunen überhaupt Kostenübernahmen der Verhütungsmittel für Bedürftige gibt. Im Jahr 2015 veröffentlichte pro familia so etwa eine Studie, die belegte, dass etwa in den neuen Bundesländern keine der befragten Kommunen einen solche Regelung vorsah. Von den Stadtstaat-Bundesländern Berlin und Bremen abgesehen, die einen solchen Fördertopf besitzen, war noch Niedersachsen mit 68 Prozent der Kommunen Spitzenreiter. In Rheinland-Pfalz waren es dagegen etwa nur 6 Prozent der befragten Kommunen.



Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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