Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

24.02.2019, 08:00 Uhr

Die Stärke der Vor-Ort-Apotheken: Same Day Delivery, die Zustellung von Bestellungen am gleichen Tag – das schaffen die Versender nicht. (Foto: Andi Dalferth)

Die Stärke der Vor-Ort-Apotheken: Same Day Delivery, die Zustellung von Bestellungen am gleichen Tag – das schaffen die Versender nicht. (Foto: Andi Dalferth)


Totgesagte leben länger: Das Rx-Versandverbot feiert Wiederauferstehung, bei Unionspolitikern! Und ein junger Pharmaziestudent kämpft mit einer Social-Media-Kampagne dafür. Gegenwind für die Spahn-Pläne kommt vom BKK-Dachverband: Der Kassenverband will das Apothekenhonorar kappen und die Apotheke light auf dem Land einführen. Und Nordrheins Kammerpräsident will DocMorris aus der GKV-Versorgung kicken. Großes Thema auf dem Kooperationsgipfel: Wie bieten die Vor-Ort-Apotheken dem Versandhandel und Amazon die Stirn? Mit dem Zauberwort: Same Day Delivery – die Stärke der Präsenzapotheken. Aber da steht noch unsere verkrustete Unterscheidung zwischen Botendienst und Versand im Weg. 

18. Februar 2019

Späte Einsicht bei Unionspolitikern: Die Gleichpreisigkeit von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist ein grundlegender sozialrechtlicher Eckpfeiler, sie lässt sich nur durch ein Rx-Versandverbot erhalten – meint seit Kurzem der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, nachdem er Ende des vergangenen Jahres noch davon abgeraten hatte. Jetzt macht auf einmal auch Georg Kippels, Bundestagsabgeordneter aus dem Rhein-Erft-Kreis, mächtig Stimmung fürs Rx-Versandverbot, nachdem er noch vor einem Jahr den Apothekern empfohlen hatte, über Alternativen nachzudenken. Für ihn habe u. a. das Gutachten des Verfassungsrechtlers di Fabio den Ausschlag dafür gegeben, dass man wieder „zur harten Keule“ eines Versandverbots zurückkehren könne. Das Gutachten komme nämlich zu dem Schluss, dass es keine verfassungsrechtlichen Bedenken geben müsse. Außerdem seien nach Ansicht von Kippels die Spahnschen Pläne, vor allem die Rx-Boni, nicht zufriedenstellend. Und außerdem, so Kippels, gebe es in der AG Gesundheit der Unionsfraktion eine breite Mehrheit für das Rx-Versandverbot. Ach nee, mein liebes Tagebuch, vor Kurzem ist die gesamte Riege fast geschlossen umgekippt und auf einmal stehen sie wieder wie eine 1 hinter dem Rx-Versandverbot und halten es für die Zukunft der Apotheke. Welch ein Sinneswandel! Irgendwie erfreulich, aber möglicherweise zu spät. Hätten sie lieber auf das Hin-und-Her verzichtet und wären damals nicht so hasenfüßig umgekippt – vielleicht hätte Spahn nicht so viel Oberwasser bekommen, das Rx-Versandverbot fallen zu lassen. Und nun? Vermutlich hilft das alles nicht, denn der Koalitionspartner SPD wird auch jetzt nicht mitspielen. Und unsere ABDA hat sich vom Rx-Versandverbot bereits losgesagt und hat Euro-Zeichen in den Augen.  


Im Koalitionsvertrag steht er noch, der gemeinsame Wille der Groko, am Rx-Versandverbot festhalten zu wollen. Doch in der Realität scheint dieser Wille schon Schnee von gestern zu sein, nachdem Spahn von diesem Verbot absolut nichts hält und es nicht verfolgt. Dem 19-jährigen Benedikt Bühler, CDU-Mitglied und Pharmaziestudent aus Karlsruhe, gefällt das allerdings gar nicht. Er schrieb der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer einen Brief, in dem er an die Umsetzung des Rx-Versandverbots erinnert. Die politischen Mehrheiten seien durch den Koalitionsvertrag gesichert, meint Bühler, außerdem stünden auch die Linke und die AfD hinter dem Verbot. Bühler spricht in seinem Brief an AKK auch Spahns Freundschaft zum DocMorris-Vorstand Max Müller an und regt an, Spahns Handeln vor dem Hintergrund der „alten Freundschaft zu Max Müller“ zu hinterfragen. Außerdem könne es nicht sein, so Bühler, dass sich Spahn über die eigene Partei und den Koalitionsvertrag hinwegsetze. Er, Bühler, wisse, dass er auf seine neue Bundesvorsitzende zählen könne. Mein liebes Tagebuch, seine Worte in AKKs Ohr.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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6 Kommentare

Bringedienst: Aber bitte erst anschnallen....

von Gunnar Müller, Detmold am 24.02.2019 um 17:45 Uhr

... und er gehört bitte doch auch honoriert, oder?
Bin schon gespannt, ob und wenn ja - was die ABDA dafür fordert (oder hat sie auch dazu keinen Mumm?!).
Und:
Wer ordnet ggf. diesen Sofort-Bringedienst an bzw. stellt ein Erfordernis dafür (apothekerliche Dienstleistung) fest?
P. S. Theoretisch könnte natürlich auch der Versand durch Versender honoriert werden – wegen des zeitlichen Versatzes (2 Tage...) natürlich nicht in derselben Höhe!
Und bitte auch nicht vergessen: Die geringeren Stückkosten (keine Beratung wie in den Apotheken vor Ort) sowie die höheren EinkaufsRabatte (insbesondere bei den ausländischen Versendern!!) gehören natürlich beim Versender-Entgelt ausgepreist sprich: heruntergepreist!! Oder die Kassenabschläge werden entsprechend umverteilt (siehe den von uns vorgeschlagenen Plan C)!!

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AW: Bringedienst: Aber vorher bitte erst selbst abholen ...

von Christian Timme am 24.02.2019 um 21:36 Uhr

Das waren noch Zeiten ... nach unzähligen selbst gelesenen Yellowpress-Titeln beim Onkel Dr. auch noch Menschenschlangen vor der Apotheke ... der HV als letzte Bastion vor der Abgabe des Arzneimittels auf Rezept. Und jetzt ... UPS, DHL, Hermes etc. „die bringen’s“, sogar der Arzt kommt ... nur unsere „Apothekers“ haben „Blei“ in den Sohlen und warten darauf bis das „Honorar“ selbst kommt ...

Aktivitäten

von Dr.Diefenbach am 24.02.2019 um 13:11 Uhr

Was derzeit am Markt läuft,kann doch massiv zu GUNSTEN der Präsenzapotheke enden.Schade,dass es Einzelpersonen sind,die auf Missstände aufmerksam machen,die politischen Hintergrund haben.WIE kommt es sonst,dass Herr Spahn plötzlich still zu sein scheint?WIE begleitet eigentlich unsere Führung die Unternehmungen der Jungpharmazeuten,von denen offenbar einige nun selbst das Heft des Handelns übernommen haben?Es sieht halt SO aus,dass der Markt-vorbei an der ABDA-Spitze-seinen Weg suchte,in Teilen auch gefunden haben könnte(!).Somit,betrachtet man den Kooperationsgipfel,wird die ABDA in ihrer jetzigen Form immer mehr:ÜBERFLÜSSIG.-Dass übrigens Kosten im Gesundheitswesen keine Rolle spielen,politisch besehen,wird am Beispiel des EMA-Auszuges aus England deutlich:Man muss wohl einen Mietvertrag erfüllen,der noch eine zweistellige Zahl von Jahren läuft und für den weit über 500 Mio(!) Euro fällig werden-ohne offensichtlichen Gegennutzen.Das ist zwar eine ganz andere Ebene,es zeigt halt,WIE man mit Finanzen auch agiert.Dass dies letztlich wieder beim Steuerzahler hängen bleiben wird,auch über den Arzneimittelpreis ,ist klar.Und wir müssen weiterhin über Cents streiten...

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Staat im Staate,

von Christian Giese am 24.02.2019 um 11:09 Uhr

Je mehr die ABDA - Strukturen weiterhin schwächeln, umsomehr werden sich Genossenschaften, Wissenskooperationen, Plattformen u.ä. bilden.
Denn "Was mehr wird, wenn wir teilen", der Urgenossenschaftsgedanke, hat zumindest in der derzeit unsicheren Phase seinen starken Überlebensreiz.

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Wenn Tagebücher „aufhorchen“ ... und Apotheker weiter schlafen wollen ...

von Christian Timme am 24.02.2019 um 10:47 Uhr

„Die ABDA zerbricht sich den Kopf ...“ weil jahrelanges Nachdenken und Politisieren wenig verändert hat, dafür aber „immer mehr Raum“ benötigt wird ... und das für was?. Wann wird der erste GfK-Referent auf dem DAT sprechen und „unaussprechliche Fragen“ beantworten? ...

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Loslegen!

von Ulrich Ströh am 24.02.2019 um 9:05 Uhr

Da hatte Noweda- Chef Michael Kuck auf dem Kooperationsgipfel Recht:
Plattformen mit Reichweite (!) bei Kunden und Apotheken müssen schleunigst für Präsenzapotheken her.

Mindestens 8000 Apotheken sollten teilnehmen und zusätzlich muß ein starker Medienpartner für Reichweite dabei sein.

Und dann auch nachhaltig zügig loslegen! Ankündigen wird nicht reichen.

Kleinere Insellösungen werden erfolglos sein.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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