DAK-Umfrage

Wegen Erkältung zum Arzt: Drei Viertel erwarten ein Antibiotikum

Stuttgart - 09.04.2018, 17:00 Uhr

Erwartungshaltung: Viele Patienten erwarten bei einer hartnäckigen Erkältung, dass Ärzte ihnen ein Antibiotikum verordnen. (Foto: Alexander Raths / stock.adobe.com)

Erwartungshaltung: Viele Patienten erwarten bei einer hartnäckigen Erkältung, dass Ärzte ihnen ein Antibiotikum verordnen. (Foto: Alexander Raths / stock.adobe.com)


Drei von zehn Menschen in Deutschland glauben, dass Antibiotika bei Virusinfekten helfen. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit durchgeführt hat. Drei Viertel der Befragten erwarten demnach sogar, dass ihnen bei einer Erkältung ein Antibiotikum verschrieben wird, wenn sich die Beschwerden nicht von selbst bessern.

3031 Personen über 18 Jahren hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der DAK-Gesundheit zum Thema Antibiotika befragt. Den Ergebnissen zufolge haben bundesweit 37 Prozent der Befragten mindesten einmal im Jahr 2017 ein Antibiotikum verschrieben bekommen. „Spitzenreiter“ ist Nordrhein-Westfalen, wo 44 Prozent mindestens eine solche Verordnung erhielten, gefolgt von Bayern mit 41 Prozent. Am sparsamsten war man laut der Umfrage in Baden-Württemberg. Im „Ländle“ erhielten nur 32 Prozent der Befragten mindestens eine Antibiotikatherapie.

Zwischen Männern und Frauen zeigte sich kein großer Unterschied – 64 Prozent der Männer und 62 Prozent der Frauen kamen ohne Antibiotika durch das Jahr. Allerdings korrelierte die Zahl der Antibiotikaverordnungen mit dem jeweiligen Schulabschluss. So bekamen Menschen mit Abitur oder Studium deutlich öfter, mindestens einmal in den letzten zwölf Monaten, Antibiotika verordnet, als Menschen mit niedrigeren Abschlüssen – 46 Prozent versus 35 Prozent. Die Hauptindikation war in der Untersuchung Blasenentzündung, für die fast ein Viertel (23 Prozent) der im letzten Jahr verschriebenen Mittel eingesetzt wurden. 17 Prozent hatten eine Erkältung, 15 Prozent eine Nasennebenhöhlen-Entzündung, 14 Prozent eine Bronchitis, 12 Prozent Husten und 11 Prozent eine Verletzung beziehungsweise eine offene Wunde, als ihnen Antibiotika verordnet wurden.

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Neben den verordneten Antibiotika wurde in der Untersuchung auch das Wissen über diese Wirkstoffgruppe abgefragt, und da hapert es ganz gewaltig. Zwar wissen 78 Prozent der Befragten, dass Antibiotika bei bakteriellen Infektionen wirken. Jedoch denkt fast ein Drittel (31 Prozent) der Befragten, dass diese Substanzen auch gegen virale Infektionen helfen. Von den Befragten mit Studium oder Abitur denken das nur 20 Prozent. Ältere sind zudem häufiger dieser Meinung als jüngere. Nahezu ein Fünftel vermutet gar Wirksamkeit gegen Pilze. Hier sind es wiederum eher die Jüngeren, die Antibiotika diese Wirkung zuschreiben.

Zuletzt wurden die Teilnehmer zu ihrer Erwartungshaltung an den Arzt gefragt. Demnach erwarten 72 Prozent der Befragten, dass ihnen der Arzt bei einer Erkältung ein Antibiotikum verschreibt, wenn sich die Beschwerden nicht von selbst bessern. 18 beziehungsweise 16 Prozent würden dies vom Arzt erwarten, wenn sie aus privaten oder beruflichen Gründen schnell wieder gesund werden möchten. 31 Prozent hingegen sind der Auffassung, dass ihnen bei einer Erkältung kein Antibiotikum verschrieben werden sollte. Im Vergleich zur Befragung aus dem Jahr 2014 geben aktuell mehr Befragte an, dass ihnen der Arzt bei einer Erkältung überhaupt kein Antibiotikum verschreiben sollte.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Zwischen den Zeilen...

von Norbert am 12.04.2018 um 9:33 Uhr

Wenn 72 Prozent der Befragten erwarten, dass ihnen der Arzt bei einer Erkältung ein Antibiotikum verschreibt,
31 Prozent hingegen sind der Auffassung, dass ihnen bei einer Erkältung kein Antibiotikum verschrieben werden sollte, haben 3% eine Dissoziative Identitätsstörung;) was auch bei 1-3% der Bevölkerung angenommen wird... Da sieht man was man alles durch so Statistiken rausbekommen kann;)))

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