Rassismus-Debatte

„Mohren“: Was sagen Kammer und Verbände?

Stuttgart - 08.02.2018, 10:45 Uhr

Neuer Name gesucht? Unsere Cartoonistin Barbara hätte dazu einen Vorschlag ...

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Der Vorwurf der kommunalen Ausländervertretung in Frankfurt am Main, der Name der beiden „Mohren-Apotheken“ sei rassistisch, erhitzt die Gemüter – zumindest in den Kommentarfunktionen im Internet. In der sächsischen „Freien Presse“ hat sich nun der sächsische Apothekerverband zu Wort gemeldet. Für DAZ.online ein Anlass auch im eigentlich betroffenen Bundesland Hessen bei Kammer und Verband, um ein Statement zu bitten. 

Die Debatte um die „Mohren-Apotheken“ hat sich mittlerweile auch auf Apotheken ausgeweitet, die noch gar nicht konkret betroffen sind. So sammelt eine Apothekerin aus dem hessischen Friedberg derzeit Unterschriften für den Erhalt ihres Apothekennamens, obwohl sich bei ihr bislang niemand beschwert hat.

Auch die Politik hat sich schon eingemischt. Thomas Kirchner von der Frankfurter CDU äußerte sich gegenüber der Frankfurter Rundschau so: „Die KAV wäre gut beraten, sich mit Themen zu befassen, die im Alltag tatsächlich von Bedeutung sind.“

Und nicht zuletzt berichtete der Fernsehsender RTL über den Fall der "Mohren-Apotheken" aus Frankfurt. Während im RTL-Bericht auch verständnisvolle Stimmen zu Wort kommen, entsteht in manchen Internetforen der Eindruck, dass die Anregung zur Namensänderung vor allem für Verärgerung sorgt – und das nicht nur unter Apothekern.

Kammer und Verband nehmen keinen Einfluss auf Namenswahl

Mittlerweile ist die Diskussion auch in einem anderen Bundesland entfacht. Obwohl es in Sachsen noch gar keine offizielle Beschwerde gibt, beschäftigen sich nun auch die sächsischen Medien mit dem Thema. In der sächsischen Freien Presse wird Kathrin Quellmalz, die Pressesprecherin des sächsischen Apothekerverbandes wie folgt zitiert: „Wir bedauern, wenn sich Kunden durch die Namensgebung 'Mohr' aufgrund eines Missverständnisses rassistisch diskriminiert fühlen könnten. Eine entsprechende pharmaziehistorische Recherche legt nahe, dass die Benennung der Mohrenapotheken im 16. und 17. Jahrhundert auf eine Verehrung der maurischen Heilkunst zurückgeführt werden kann, von welcher die moderne Pharmazie sehr profitiert hat.“ Die Bezeichnung „Mohr" sei daher Teil „unserer Tradition und Geschichte“ und sollte auch vor diesem Hintergrund diskutiert werden.


Wir bedauern, wenn sich Kunden durch die Namensgebung Mohr aufgrund eines Missverständnisses rassistisch diskriminiert fühlen könnten.

Kathrin Quellmalz, Sächsischer Apothekerverband


Tradition wird begrüßt

Aber wie stehen denn die Standesvertreter im eigentlich betroffenen Bundesland Hessen zu dem Thema? Die Pressesprecherin Katja Förster vom Hessischen Apothekerverband (HAV) äußerte sich gegenüber DAZ.online wie folgt: „Unsere Mitglieder sind frei in der Wahl der Namen ihrer Apotheken. Der HAV hat hierauf keinen Einfluss. Grundsätzlich begrüßen wir es, wenn Unternehmen in Tradition geführt werden und diese Tatsache u.a. dadurch hervorgehoben wird, dass der Name des Unternehmens über lange Zeit Bestand hat.“


Grundsätzlich begrüßen wir es, wenn Unternehmen in Tradition geführt werden und diese Tatsache u.a. dadurch hervorgehoben wird, dass der Name des Unternehmens über lange Zeit Bestand hat.

Katja Förster, Hessischer Apothekerverband


Ähnlich sieht das auch die Apothekerkammer in Hessen. Der Geschäftsführer Ulrich Laut antwortet auf Anfrage von DAZ.online: „Es ist Sache des Inhabers, wie er die Apotheke nennt. Es ist nicht Sache der Kammer, Namen gut oder schlecht zu finden oder gar Namensänderungen anzuregen. Eine belegte historische Erklärung für den Namen haben wir nicht.“


Es ist nicht Sache der Kammer, Namen gut oder schlecht zu finden oder gar Namensänderungen anzuregen. Eine belegte historische Erklärung für den Namen haben wir nicht.

Ulrich Laut, Landesapothekerkammer Hessen




Diana Moll, Apothekerin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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