Antikörper als Unterscheidungsmarker

Fischallergie ist nicht gleich Fischallergie

Stuttgart - 10.10.2017, 16:15 Uhr

Fischallergiker müssen unter Umständen nicht ein Leben lang auf jeglichen Fisch verzichten. (Foto: Andre Bonn / stock.adobe.com)                              

Fischallergiker müssen unter Umständen nicht ein Leben lang auf jeglichen Fisch verzichten. (Foto: Andre Bonn / stock.adobe.com)                              


Kein Fisch ­ – ein Leben lang! Diesen Rat erhalten Fischallergiker bislang. Unter Umständen müssen sie aber gar nicht vollständig auf Fische verzichten, sondern nur auf bestimmte Fischarten. Das legt zumindest eine Untersuchung nahe, die ein norwegisch-luxemburgisches Forscherteam mit 35 Fischallergikern durchgeführt hat. Die Ergebnisse haben sie in der Oktober-Ausgabe des Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht. 

Etwa 0,1 Prozent der Menschen reagieren weltweit allergisch auf Fisch. Bei Menschen, die aus Regionen stammen, in denen viel Fisch gegessen und verarbeitet wird, treten Fischallergien häufiger auf. Bislang rät man Betroffenen, auf Fisch als Eiweißquelle gänzlich zu verzichten. Doch offenbar sind nicht alle Allergiker auf alle Fischarten allergisch. Laut den Autoren einer aktuellen Studie reagiert etwa jeder dritte Betroffene auf einzelne Fischarten nicht allergisch. Zudem konnten die Forscher Marker identifizieren, anhand derer sich feststellen lässt, welche Fische vertragen werden und welche nicht.

Das Forscherteam um Annette Kühn und Markus Ollert vom Luxembourg Institute of Health (LIH) und Martin Sørensen von der Uniklinik Nord Norwegen in Tromsø untersuchte in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie 35 Fischallergiker im Alter von fünf bis 19 Jahren. Dabei bekamen die Probanden jeweils Kabeljau, Lachs und Makrele verabreicht. Anschließend wurden spezifische Antikörper (sIgE) im Blut bestimmt. Dabei zeigte sich, dass die Probanden unterschiedliche Antikörper bildeten, je nachdem, auf welches Fisch-Eiweiß sie allergisch reagierten. 

Standard-Allergenextrakte finden Unterschiede nur schlecht

Als Hauptallergen gilt Parvalbumin, aber auch die Proteine Enolase und Aldolase rufen Überempfindlichkeitsreaktionen hervor. Die Studienteilnehmer, die auf alle drei Fischarten allergisch reagierten, wiesen dabei besonders hohe Level an Antikörpern gegen Parvalbumin auf. Gegen Parvalbumin scheint es große Kreuzreaktivität zu geben. Daher sind Standard-Fischallergenextrakte, die Parvalbumin enthalten, und Parvalbumin selbst nur schlecht in der Lage, zwischen verschiedenen Typen von Fischallergien zu unterscheiden, vermuten die Forscher. Mithilfe von spezifischem IgE gegen Extrakte von Kabeljau und Lachs konnte man am besten zwischen Probanden unterscheiden, die weder Kabeljau, noch Makrele oder Lachs vertrugen, und solchen, die mindesten einen der Fische ohne Symptome essen konnten.

Damit konnten die Forscher erstmalig zeigen, dass sich anhand von Antikörpern Allergiker mit Kreuzallergien gegen mehrere Fischarten von solchen, die bestimmte Fische problemlos essen können, unterscheiden lassen. Obwohl sich die Forscher der größten Schwäche ihrer Studie – der geringen Probandenzahl – bewusst sind, sehen sie in ihren Erkenntnissen großes Potenzial. So könnten beispielsweise unnötige Ernährungseinschränkungen vermieden werden, heißt es. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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