Cochrane-Review

Wie ist die Qualität, wenn Apotheker verschreiben dürfen?

Stuttgart - 09.12.2016, 15:30 Uhr

in Deutschland dürfen nur Ärzte Rezepte über verschreibungspflichtige Arzneimittel ausstellen. In anderen Ländern ist das auch Apothekern erlaubt. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)

in Deutschland dürfen nur Ärzte Rezepte über verschreibungspflichtige Arzneimittel ausstellen. In anderen Ländern ist das auch Apothekern erlaubt. (Foto: Robert Kneschke / Fotolia)


In Deutschland ist die Verordnung von rezeptpflichtigen Arzneimitteln Ärzten vorbehalten. In anderen Ländern ist das anders. Dort dürfen auch Angehörige anderer Gesundheitsberufe, wie Apotheker oder Pflegekräfte, verschreiben. Hat das Auswirkungen auf das Ergebnis der Therapie? Dieser Frage ging ein Cochrane-Review nach. 

Die Gründe, warum der Zugang zur ärztlichen Versorgung erschwert sein kann, sind vielfältig und von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland ist das Problem zum Beispiel darin begründet, dass in ländlichen Gegenden Hausärzte oft keinen Nachfolger für ihre Praxis finden. Ein Ansatz Abhilfe zu schaffen wäre, Nichtmedizinern wie Pflegepersonal, Apothekern oder Angehörigen anderer Gesundheitsberufe, in einem bestimmten Rahmen das Verschreiben von Arzneimitteln zu erlauben – bei Verordnungen für Chroniker aber auch bei akuten Problemen. In einer Reihe von Ländern wird dies bereits praktiziert – in Deutschland allerdings nicht.

Auf diese Weise erhalten Patienten besseren und oft schnelleren Zugang zur Versorgung. Mediziner hingegen können sich den Patienten widmen, die ihre Aufmerksamkeit und Zeit dringend brauchen. So werden die Fähigkeiten von Gesundheitsberufen besser genutzt und die personellen Ressourcen effizienter aufgeteilt.

Wie gut ist die Versorgung?

Doch wie ist die Qualität der Versorgung, wenn Nichtmediziner selbstständig verschreiben dürfen? Dieser Frage ging ein Cochrane Review nach. Die Autoren verglichen dabei klinische Ergebnisse, Patientenbefragungen sowie die Verwendung der Ressourcen bei der eigenständigen Verschreibung durch Nichtmediziner im Vergleich zu Medizinern. Die Verschreibungen umfassten Erstverordnungen, Dosisänderungen und das Absetzen von Arzneimitteln – mit oder ohne Hilfe durch Handlungsanweisungen oder Leitlinien.

In die Analyse einbezogen wurden 46 Studien; davon verglichen 45 Studien Krankenschwestern und Apotheker, die selbstständig verschreiben durften mit Ärzten. In einer weiteren Studie stellten Krankenschwestern mit und ohne Hilfe von Leitlinien Rezepte aus. Es wurde keine Studie mit anderen Gesundheitsberufen gefunden.

Vier der Studien wurden in Ländern mit geringem bis mittlerem Einkommen (Kolumbien, Südafrika, Uganda und Thailand) durchgeführt. Der Rest der Studien stammte aus westlichen Ländern mit hohem Einkommen.

42 Studien fanden im niedergelassenen Bereich statt, zwei in Krankenhäusern, eine am Arbeitsplatz und eine im Altenheim.

Bei der Mehrheit der Untersuchungen ging es um das Management einer oder mehrerer chronischer Krankheiten (Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Diabetes Fettstoffwechselstörungen) und Risikofaktoren wie das Wiederauftreten von Schlaganfällen, Herzinfarkten oder Herzversagen. 

Apotheker versorgten die Patienten genauso gut wie Ärzte

Apotheker sowie speziell weitergebildetes Pflegepersonal ohne und mit Hochschulabschluss lieferten vergleichbare Ergebnisse wie Ärzte, was die Kontrolle von hohem Blutdruck, Diabetes, Cholesterin, Nebenwirkungen, Therapietreue der Patienten, Patientenzufriedenheit und gesundheitsbezogener Lebensqualität anging. In vielen Fällen handelte es sich um multidisziplinäre Modelle: Die Nichtmediziner hatten oft Unterstützung durch Ärzte.

Die Autoren schlossen aus den Ergebnissen, dass Nichtmediziner, die selbstständig verschreiben dürfen, in multidisziplinärer Zusammenarbeit hinsichtlich der klinischen Endpunkte vergleichbare Therapieergebnisse erzielen können wie Ärzte. Nebenwirkungen und Ressourceneinsatz seien jedoch wegen der Heterogenität, mit der die Studien darüber berichteten, schwer zu vergleichen gewesen.

In jedem Fall müssten diese Resultate mit Bedacht interpretiert werden, da den Studien verschiedene nicht-ärztliche Verschreibungspraktiken zugrunde lagen und der Outcome vom komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren abhinge, erklären die Autoren.


Jasmin Andresh, freie Journalistin
redaktion@daz.online


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