Leitlinienempfehlung

Helicobacter-Therapie unter Umständen auch bei Beschwerdefreiheit

Stuttgart - 16.03.2016, 12:15 Uhr

Helicobacter erhöht das Risiko an Magenkrebs zu erkranken, auch wenn er keine Beschwerden macht. (Foto: royaltystockphoto / Fotolia)

Helicobacter erhöht das Risiko an Magenkrebs zu erkranken, auch wenn er keine Beschwerden macht. (Foto: royaltystockphoto / Fotolia)


Eine Helicobacter-Infektion erhöht er langfristig das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Und zwar auch dann, wenn keine Beschwerden auftreten. Daher rät die Fachgesellschaft in ihrer überarbeiteten Leitlinie bestimmten Risikogruppen zur Eradikation.

Etwa die Hälfte der erwachsenen Menschen in Deutschland ist mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori infiziert. Das erste Zeichen einer Infektion ist häufig eine akute Gastritis. Geht diese in eine chronische Entzündung über, kann es zu einer Reihe von Komplikationen kommen. Meist geschieht das unbemerkt in der Kindheit. Auf dem Boden der chronischen Gastritis entstehen bei jedem fünften Patienten Magenbeschwerden bis hin zu Geschwüren im Magen- und Zwölffingerdarm. Doch auch wenn der Keim keine Beschwerden verursacht, erhöht er langfristig das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken.

Risikopatienten sollen therapiert werden

Die neu überarbeitete Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfiehlt daher eine „Eradikationstherapie“ nicht nur bei akuten Beschwerden, sondern auch für bestimmte Risikogruppen.

So sollen sich nach Ansicht der DGVS nahe Verwandte von Magenkrebspatienten oder Menschen, die bereits eine Krebserkrankung in der Frühphase durchgemacht haben, einer Eradikationstherapie unterziehen.

Dasselbe gilt für Patienten, die die länger als ein Jahr Protonenpumpeninhibitoren einnehmen. „Die Behandlung mit Omeprazol und Co. führt auf Dauer zu einer Atrophie oder zu einer Intestinalen Metaplasie der Magenschleimhaut. Diese nicht mehr rückbildungsfähigen Veränderungen erhöhen wiederum das Magenkrebsrisiko“ begründet Professor Dr. med. Peter Malfertheiner, Direktor der Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie in Magdeburg und einer der beiden Leitlinienkoordinatoren, in der aktuellen Pressmeldung diese Empfehlung.

Eine weitere Risikogruppe sind nach Ansicht der Leitlinienautoren Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Magenblutungen mitbringen, zum Beispiel aufgrund einer dauerhaften NSAR-Gabe. Auch bei ihnen sollten Ärzte eine Helicobacter-Behandlung erwägen.

Die Experten betonen jedoch, dass die Voraussetzung für eine Behandlung immer der Nachweis des Keims sei. Da kein Testverfahren hundertprozentig sicher ist, sollten zwei Tests positiv ausfallen. Eine Ausnahme lässt die neue Version der Leitlinie jedoch zu: Wird der Keim bei einer Magenschleimhautentzündung in einer Biopsie nachgewiesen, sind weitere Tests nicht mehr nötig.

Tripeltherapie ist Standard

Mit einer Eradikationstherapie lässt sich Helicobacter pylori in der Regel erfolgreich bekämpfen. Standard ist eine Tripeltherapie aus zwei Antibiotika und einem Protonenpumpeninhibitor – entweder das französische Tripleschema mit Amoxicillin und Clarithromycin oder das italienische mit Metronidazol und Clarithromycin. 

Französisches Tripleschema. Sieben bis 14 Tage

  • 2 x 20 mg Omeprazol (alternativ 2x 30 mg Lansoprazol oder 2 x 40 mg Pantoprazol)
  • 2 x 1000 mg Amoxicillin
  • 2 x 500 mg Clarithromycin

Italienisches Tripleschema. Sieben bis 14 Tage

  • 2 x 20 mg Omeprazol (alternativ 2x 30 mg Lansoprazol oder 2 x 40 mg Pantoprazol)
  • 2 x 400 bis 500 mg Metronidazol
  • 2 x 250 bis 500 mg Clarithromycin

In der Apotheke sollten Patienten auf folgendes hingewiesen werden:

  • PPI eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit auf nüchternen Magen einnehmen.
  • Bei den Antibiotika Einnahmeabstand von zwölf Stunden einhalten.
  • Alkoholverzicht während der Therapie grundsätzlich empfehlenswert, bei Metronidazol-Gabe aber obligatorisch.
  • Amoxicillin kann die Wirkung oraler Kontrazeptiva beeinflussen.

Bei Resistenzen vierfach

Bestehen gegen eines der Antibiotika Resistenzen, sollte auf eine Quadrupeltherapie zurückgegriffen werden, z.B. bestehend aus einem Protonenpumpenhemmer kombiniert mit Tetracyclin, Metronidazol und einem Bismutsalz.

Besonders hoch ist das Risiko, dass die klassische Tripeltherapie nicht anschlägt, bei Menschen mit Migrationshintergrund oder Patienten, die zuvor schon mit Clarithromycin oder einem verwandten Antibiotikum behandelt wurden.


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1 Kommentar

italienisches Triple Schema

von Horst Wycisk am 17.03.2016 um 13:08 Uhr

Was Soll bitte beim italienischen Triple-Schema 2 x das Metronidazol bedeuten?
Fehlt Ihnen da nicht vielleicht das Clarithromycin?

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