Epidemie in Südamerika

Zika-Virus laut WHO gefährlicher als gedacht

Genf - 09.03.2016, 11:00 Uhr

Ein Techniker am Johns Hopkins Institute for Cell Engineering in Baltimore, USA, untersucht an Zellkulturen den Zusammenhang zwischen Zika-Infektionen und Fehlbildungen bei Neugeborenen. (Foto: picture alliance / newscom
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Ein Techniker am Johns Hopkins Institute for Cell Engineering in Baltimore, USA, untersucht an Zellkulturen den Zusammenhang zwischen Zika-Infektionen und Fehlbildungen bei Neugeborenen. (Foto: picture alliance / newscom pixel)


Fünf Wochen nach Ausrufung eines globalen Gesundheitsnotstands wegen des Zika-Virus zieht die WHO eine erste Bilanz. Sie fällt alles andere als beruhigend aus. Schwangere warnt die Organisation davor, in betroffene Gebiete zu reisen.

Das Zika-Virus ist nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Schwangere gefährlicher als bisher angenommen. „Die geografische Verbreitung ist weiter, die Risikogruppe größer und zu den Übertragungswegen gehört neben Mückenstichen auch Geschlechtsverkehr“, sagte WHO-Direktorin Margaret Chan am Dienstagabend in Genf.

Neue Forschungen zeigten, dass der Erreger möglicherweise nicht nur als Ursache für Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen (Mikrozephalie) gelten müsse, sondern auch eine Rolle bei anderen neurologischen Störungen spiele. „Mikrozephalie ist nur eine von verschiedenen möglichen Anomalien“, sagte Chan. Das Virus finde sich in Blut und Hirngewebe von lebend oder tot geborenen Föten. Grund zu großer Sorge sei außerdem, dass der Erreger häufiger als bisher angenommen durch Geschlechtsverkehr übertragen werden könne. „Das ist alarmierend“, sagte die WHO-Direktorin. 

Die WHO hatte wegen der Ausbreitung des Zika-Virus vor allem in Brasilien vor fünf Wochen den globalen Gesundheitsnotfall ausgerufen. Zika ist bisher in mehr als 50 Ländern nachgewiesen worden. Das Virus wird vor allem von Stechmücken übertragen.

WHO will nicht auf den letzten Beweis warten

Auch ohne letzten wissenschaftlichen Beweis zu Zika als Ursache für Schädelfehlbildungen gelte es zu handeln, sagte Chan. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich Zika ähnlich ausbreite wie das Dengue-Fieber. An den grippeähnlichen Symptomen von Dengue erkranken jährlich schätzungsweise 50 bis 100 Millionen Menschen.

Es liege in der Verantwortung eines jeden Staates, betroffene Gebiete genau zu bezeichnen, sagte der Vorsitzende des Notfall-Komitees, David Heymann. „Und es liegt in der Verantwortung der Frauen zu entscheiden, ob sie reisen wollen oder nicht.“ Die WHO hat bisher auf eine generelle Reisewarnung verzichtet. Allerdings warnte sie nun Schwangere davor, in betroffene Gebiete zu reisen. Werdende Mütter, deren Sexualpartner in betroffenen Gebieten lebten, sollten während der Schwangerschaft nur geschützten Geschlechtsverkehr haben.

Nötiges Geld steht noch nicht bereit 

Die Expertenkommission empfahl, gegen die Ausbreitung der krankheitsübertragenden Moskitos „mit besonderer Dringlichkeit“ zu kämpfen. Allerdings stünden von den benötigten 65 Millionen Dollar (59 Millionen Euro) erst 3 Millionen Dollar zur Verfügung. 

Zika ist als Erreger bereits seit fast 70 Jahren bekannt. Die Krankheit hatte aber bisher noch nie solche gravierenden Folgen. Allein in Brasilien werden 4222 Verdachtsfälle von Schädelfehlbildungen untersucht. In 82 von 641 eindeutigen Mikrozephalie-Fällen war bei den Müttern eine Ansteckung mit Zika nachgewiesen worden.


dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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