Kinderlähmung

WHO meldet zwei Polio-Fälle in der Ukraine

Genf/Berlin - 03.09.2015, 09:40 Uhr

In der Ukraine hat die WHO zwei Fälle von Polio bei Kindern bestätigt. (Bild: filipemfrazao/Fotolia)

In der Ukraine hat die WHO zwei Fälle von Polio bei Kindern bestätigt. (Bild: filipemfrazao/Fotolia)


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zwei Fälle von Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz: Polio) in der Ukraine bestätigt. Zwei kleine Kinder aus dem Südwesten des Landes seien erkrankt, teilte die WHO am Mittwoch in Genf mit. Dabei handele es sich um die ersten Fälle in Europa seit fünf Jahren. Den Angaben zufolge war 2014 lediglich die Hälfte der Kinder in dem Land gegen Polio geimpft.

Kinderlähmung ist eine hoch ansteckende Krankheit. Sie trifft nach WHO-Angaben vor allem Kinder unter fünf Jahren. Eine von 200 Infektionen mit dem Poliovirus führt zu dauerhaften Lähmungen. Etwa fünf bis zehn Prozent der Gelähmten sterben, weil ihre Atemmuskeln unbeweglich werden. Die Krankheit ist unheilbar. Einer Ansteckung kann aber mit Impfungen vorgebeugt werden.

Die WHO hatte 1988 ein globales Programm zur Ausrottung der Kinderlähmung gestartet. Die Zahl der Infektionen ist seither um weit mehr als 99 Prozent zurückgegangen. In Deutschland gab es 1992 die letzten Polio-Fälle. In Europa hatte es 2010 einen Polio-Ausbruch in Tadschikistan gegeben. In dem Land und Nachbarstaaten starben 29 Menschen.

In Deutschland gab es nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 1990 die letzte Polio-Erkrankung durch ein Wildvirus. Die letzten beiden importierten Fälle – aus Ägypten und Indien – wurden 1992 registriert. Laut RKI könnten Polioviren durch Einreisende aus der Ukraine eingeschleppt werden. Die Gefahr einer Ausbreitung des Erregers in Deutschland stuft die Behörde aufgrund der hohen Impfquoten hierzulande aber als gering ein.

Insgesamt ist die WHO zuversichtlich, die Krankheit besiegen zu können. Weltweit seien in diesem Jahr bisher nur 38 Fälle – vor allem in Pakistan und Afghanistan – gezählt worden, sagte der Sprecher des Polio-Bekämpfungszentrums der WHO, Oliver Rosenbauer. „Wir sind näher dran als je zuvor.“ Allerdings dränge die Zeit, denn die Intensität der Impfkampagnen lasse sich nicht auf Dauer aufrechterhalten. Sollte die Krankheit nicht in nächster Zeit wirklich ausgerottet sein, drohe ein Wiederaufflammen.


dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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