Mehr Befugnisse für Apotheker

„Pille“ wird in Kalifornien rezeptfrei

08.06.2015, 14:46 Uhr

In Kalifornien sollen Apotheken nun mehr dürfen - ob sie dafür auch mehr Geld bekommen, steht allerdings in den Sternen. (Bild: atScene/Fotolia)

In Kalifornien sollen Apotheken nun mehr dürfen - ob sie dafür auch mehr Geld bekommen, steht allerdings in den Sternen. (Bild: atScene/Fotolia)


Stuttgart - In Kalifornien wird die Antibaby-Pille rezeptfrei. Mehreren US-Medienberichten zufolge sollen damit erstmals in einem US-Bundesstaat hormonelle Kontrazeptiva ohne ärztliche Verschreibung in der Apotheke erhältlich sein. Wie der öffentliche Radiosender NPR meldet, erhalten die Apotheker daneben die Erlaubnis zu impfen, die Medikation von Chronikern anzupassen sowie einige weitere verschreibungspflichtige Arzneimittel eigenverantwortlich abzugeben.

Bereits 2013 wurde in Kalifornien die „Senate Bill No. 493“ verabschiedet, die den Apothekern des Bundesstaats neue Befugnisse zugesteht. Medienberichten zufolge soll nun das Inkrafttreten des Gesetzes bevorstehen, nachdem die Gesundheitsbehörden die regulativen Voraussetzungen geschaffen haben. Mit dem Gesetz soll der Zugang zu Gesundheitsleistungen erleichtert werden. In Kalifornien gibt es, wie in vielen US-Staaten, nicht genügend niedergelassene Ärzte. Dazu kommt, dass viele Amerikaner keine oder nur eine eingeschränkte Krankenversicherung besitzen und Arztbesuche sehr teuer sind.

Deswegen sollen Apotheker die Möglichkeit erhalten, bestimmte verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne ärztliche Verordnung abzugeben, darunter hormonelle Kontrazeptiva, Arzneimittel zur Nikotinentwöhnung und für den Reisebedarf. Außerdem sollen Apotheker Impfungen bei Erwachsenen und Kindern ab drei Jahren selbst veranlassen und verabreichen sowie die Behandlungsregimes von Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck anpassen dürfen.

Das Gesetz ist nicht unumstritten. Kalifornische Ärzte waren gegen eine frühere Version Sturm gelaufen, stellten ihren Widerstand aber weitgehend ein, nachdem ein Qualifikations- und Lizenzierungsprogramm für die abgebenden Apotheker vorgeschrieben wurde. Die Patientenorganisation California Family Health Council fürchtet zwar, dass zukünftig weniger Frauen zu Vorsorgeuntersuchungen gehen könnten, sieht aber im erleichterten Zugang zur Antibaby-Pille große Vorteile: Die Möglichkeit, unerwünschte Schwangerschaften zu vermeiden, sei essenziell für die Gesundheit von Frauen und überwiege das mögliche Risiko.

Honorierung ungeklärt

Ein Aspekt, der deutschen Apothekern vertraut vorkommen dürfte, ist die ungeklärte Honorierungsfrage: Das Gesetz sehe keine Verpflichtung für private Krankenversicherungen oder die staatliche Krankenversicherung Medi-Cal vor, die Apotheker für diese Dienstleistungen auch zu honorieren, sagte der Vorsitzende der kalifornischen Apothekervereinigung, Jon Roth, dem Radiosender NPR. Selbst wenn die Apotheker eine Vergütung für die Dienstleistungen – und nicht nur für die Abgabe des Arzneimittels – aushandeln, läge diese laut Roth zwangsläufig unter den Honoraren der Ärzte. 


Dr. Benjamin Wessinger (wes), Apotheker / Herausgeber / Geschäftsführer
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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