Apothekenmarkt Juni 2014

Absatz stagniert: „Rote Null“

Berlin - 11.08.2014, 10:32 Uhr


Die Frühjahrsbelebung auf dem Apothekenmarkt war offenbar nur von kurzer Dauer: Nachdem im Mai der Absatz von Arzneimitteln nach dem Auslaufen der in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr schwachen Grippesaison wieder angezogen hatte, stagnierte die Abgabe von Arzneimittel im Juni erneut. Nach aktuellen Zahlen von IMS Health verharrte die Mengenentwicklung bei einer „roten Null“ und 116 Millionen Packungen.

Wegen der diesjährigen Feiertagslage hatte der Juni in einigen Bundesländern einen Arbeitstag weniger als der Vorjahresvergleichsmonat. Erneut zeichnen die Umsatzdaten wegen der Veränderungen der Herstellerzwangsabschläge ein verzerrtes Bild. Wie schon in den vorausgehenden Monaten setzte sich auch im Juni das zweistellige Umsatzwachstum mit plus elf Prozent auf 2,3 Milliarden Euro fort. Im Juni 2014 stieg damit auch der Umsatz mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln deutlich um 13 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Der aussagefähigere Absatz stagnierte allerdings bei Rx-Arzneien bei einer „roten Null“ oder 57 Millionen Packungen.

Der Umsatz mit OTC-Produkten wuchs im Juni nur gering um zwei Prozent auf 331 Millionen Euro. Die Menge verbuchte sogar einen Rückgang um ein Prozent auf 59 Millionen Packungen. Bei der Mengenentwicklung lässt sich laut IMS Health eine saisonale Komponente erkennen: Weniger stark nachgefragt als im Vorjahresmonat waren Schmerzmittel (-1 %), Expektorantien ohne antiinfektive Komponente (-11 %) und Halsschmerzmittel (-14 %). Der frühere Beginn der Heuschnupfensaison in diesem Jahr führte hingegen auch im aktuellen Monat zu Rückgängen bei Antihistaminen (-6 %), antiallergischen/abschwellenden Ophtalmologika (-10 %) und topischen Antipruriginosa/Antihistaminika (-15 %).

Im ersten Halbjahr 2014 legen die nach Umsatz führenden zehn Arzneimittelgruppen im Apothekenmarkt laut IMS Health zusammen um 15 Prozent zu – das sind vier Prozentpunkte mehr als der Gesamtmarkt. Verschiedene Gruppen von Immunmodulatoren (Anti-TNF Produkte: +24 %; sonstige Immunsuppressiva: +33 %) und Krebstherapeutika (Proteinkinasehemmer: +19 %; MAB-Antineoplastika: +27 %) gehörten neben Virustatika gegen HIV (+17 %) und Antiepileptika (+11 %) zu den zweistellig wachsenden Arzneimittelkategorien. Gerade in diesen Gruppen war der Anteil der Präparate, die unter Patentschutz stehen und keinem Festbetrag unterliegen, sehr hoch. Der Umsatzzuwachs verdanke sich daher zu einem guten Teil der Absenkung des Herstellerzwangsabschlages von 16 Prozent auf sechs Prozent seit Januar 2014 bzw. auf sieben Prozent ab April des Jahres.

Im ersten Halbjahr 2014 gingen laut IMS Health deutlich weniger Schmerzmittel (-5 %), topische Schnupfenmittel (-5 %) und Auswurfmittel ohne antiifektive Komponente (-26 %) über die HV-Tische als im Vorjahreszeitraum. Diese Rückgänge innerhalb der führenden drei Präparategruppen begründeten sich wesentlich mit der diesjährig schwach ausgeprägten Erkältungssaison. Arzneimittel zur Linderung chronischer Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma und Schlafstörungen verbuchten dagegen Zuwächse im unteren und mittleren Bereich. Bei der Gruppe der Schlaf- und Beruhigungsmittel zeigen IMS-Hintergrundanalysen vor allem einen Anstieg im Bereich der rezeptfreien Präparate. Dies könnte laut IMS Health mit der Lockerung der Heilmittelwerbeverbotes zu tun haben, die im Oktober 2012 in Kraft trat. Seitdem ist Publikumswerbung für mild wirkende pflanzliche Arzneimittel ohne Suchtpotenzial erlaubt.


Lothar Klein


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