Medikationsmanagement

Stationsapotheker unterstützt Klinik

Berlin - 11.07.2014, 09:08 Uhr


Gestern hat die ABDA ihr Grundsatzpapier zum Medikationsmanagement vorgestellt und damit erstmals definiert, welche Leistungen aus Sicht der Apothekerschaft hinter einem solchen stehen. Dass die Zusammenarbeit von Apotheker und Arzt im Hinblick auf die Arzneimittelsicherheit sinnvoll ist, zeigen die Erfahrungen einer Klinik in Recklinghausen. Dort wird ein Stationsapotheker bereits heute fest in den Stationsalltag einbezogen, wie die „Ärzte Zeitung“ berichtet.

Um die mit der Polymedikation verbundenen Probleme in der Geriatrie in den Griff zu bekommen, initiierte die Prosper-Klinik bereits im November 2011 ein Projekt, bei dem ein Krankenhausapotheker für vier Wochen täglich auf der Station war und Eingangsmedikation und Patientendaten aufnahm. „Diese hat er anhand der ABDA-Datenbank auf mögliche Interaktion geprüft“, berichtete die Chefapothekerin des Prosper-Hospitals, Beate Heite, laut der Zeitung auf einer Fachtagung. Die Ergebnisse besprach er wiederum mit dem Arzt.

Einbezogen waren in das Projekt 113 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 81,3 Jahren – sie bekamen durchschnittlich 9,5 Medikamente. Laut der „Ärzte Zeitung“ stieß der Apotheker bei 1070 verabreichten Medikamenten auf 408 Interaktionsmeldungen (38 %). Die Datenauswertung von 100 Patienten machte die Erfolge deutlich: Die Zahl der eingesetzten Wirkstoffe konnte um 5,2 Prozent reduziert werden. Die Gesamtzahl der Wechselwirkungen sank um 24,4 Prozent auf 189. Die vorgeschlagenen pharmazeutischen Interventionen wurden zu 72,5 Prozent in der Entlassmedikation umgesetzt.

Wegen des Erfolgs begleitet der Apotheker seither einmal wöchentlich die Oberarztvisite und bespricht die arzneimittelbezogenen Probleme mit dem behandelnden Oberarzt und dem Patienten. Zu seinen Aufgaben gehören dabei der Interaktionscheck sowie das Medikationsmanagement. „Die Projektphase hat gezeigt, dass die Fokussierung auf die Interaktionen zu eng ist“, wird Heite zitiert. Verbesserungsbedarf besteht noch bei der Dokumentation. Dass die Begründung für die Intervention bislang nur selten in den Arztbrief übernommen wurde, sei allerdings ungünstig, so Heite.

Beim Medikationsmanagement geht es darum, erklärt die  „Ärzte Zeitung“, die adäquate Medikation bei einer möglichst geringen Anzahl verordneter Wirkstoffe zu finden, die Zahl der Interaktionen zu reduzieren, potenziell inadäquate Medikamente zu identifizieren und durch geeignete Alternativen zu ersetzen sowie die Wirkstoffe zu erfassen, die an den veränderten Stoffwechsel von geriatrischen Patienten angepasst werden müssen. Im Prosper-Hospital wurde das Medikationsmanagement auf die internistischen Fachabteilungen ausgeweitet. Seit Januar 2014 ist ein Stationsapotheker fest im Stellenplan der Klinik vorgesehen.


DAZ.online


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