Interpharm 2012

Medikationsmanagement für Diabetiker

Multimedikationsprobleme erkennen und lösen

Die Verordnung verschiedener Medikamente, möglicherweise von verschiedenen Ärzten, kann zu einem gefährlichen Medikamentencocktail führen. Medikationsmanagement heißt das Zauberwort, mit dem Patienten vor drohenden Interaktionen und Nebenwirkungen geschützt werden sollen. Das setzt eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Apothekern, Ärzten, Patienten und Pflegepersonal voraus.
Apotheker Manfred Krüger: Ein Medikationsmanagement bei Diabetes kann die Compliance fördern und die Therapie verbessern. Foto: DAZ/Darren Jacklin

Bei Typ-2-Diabetikern ist Polymedikation häufig. Sie benötigen meist nicht nur Arzneimittel zur Blutzuckerkontrolle, sondern auch zur Behandlung mikro- und makrovaskulärer Begleiterkrankungen und von Risikofaktoren. Das macht die Therapie kompliziert, aber auch riskant. Polymedikation ist ein unabhängiger Risikofaktor, machte Apotheker Manfred Krüger, Krefeld, deutlich. Die resultierenden Probleme sind für 3 bis 8% der Krankenhauseinweisungen verantwortlich. Viele Medikamente sind unnötig oder potenziell unangebracht, etwa 8% doppelt verordnet. Ein Medikationsmanagement, bei dem Apotheker, Arzt, Patient, Pflegepersonal und Krankenkassen zusammenarbeiten, kann helfen, diese Probleme zu lösen.





Ziele des Medikationsmanagements …

… sind laut Krüger

– Verbesserung der Kenntnisse des Patienten

– Optimierung der Arzneimitteltherapie

– Erkennen und Lösen von arzneimittelbezogenen Problemen

– Verbesserung des Selbstmanagements

Wichtig ist dabei ein vertrauensvoller Umgang aller am Prozess Beteiligten. Der Arzt entscheide zwar über die Medikation, so Krüger, der Apotheker habe aber eine wichtige Kontrollfunktion. Hier müsse Vertrauen wachsen, um eine Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe zu ermöglichen. "Das muss erst noch gelernt werden." Und: Medikationsmanagement muss strukturiert werden. "Das macht sich nicht von selber."

Arzneimitteltherapiesicherheit im Fokus

Zauberwort im Medikationsmanagement ist die Arzneimitteltherapiesicherheit. Um arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen und zu lösen, ist die Analyse der gesamten Medikation und Selbstmedikation eines Patienten notwendig, auch der Medikamente, "die noch in der Nachttischschublade liegen". Erkannt werden müssen Dosierungsfehler, Arzneimittel- und Nahrungsmittel-Interaktionen, Arzneimittel-Auswahlprobleme, Nebenwirkungen und Anwendungsprobleme. "Wenn dies alles angesprochen wird, sind wir schon weit", so Krüger. Dass Medikationsmanagement etwas bewirken kann, zeigen die Ergebnisse einer kleinen Untersuchung, die 46 Patienten mit Typ-2-Diabetes und einen Typ-1-Diabetiker mit einem Durchschnittsalter von 57 Jahren einschloss. Sechs Probanden wurden von einem Facharzt behandelt, die übrigen in Hausarztpraxen. Insgesamt sieben Teilnehmer profitierten ganz konkret vom Medikationsmanagement. Ihr HbA1c -Wert konnte um 1% gesenkt, die Hypoglykämierate reduziert werden. Zugleich förderte die Untersuchung noch ein insbesondere für die Ärzte erschreckendes Ergebnis zu Tage: 19% der Patienten nahmen ihre Medikamente nicht wie verordnet ein. Nach der Intervention stieg der Anteil auf 36%. "Aber noch immer waren 64% nicht compliant" betonte Krüger.

Mit Fingerspitzengefühl kommunizieren

Medikationsmanagement wird innerhalb und außerhalb der Apotheke bereits mit verschiedenen Konzepten realisiert: die Analyse von Medikamentenliste oder Patientenakte, die "Brown-bag"-Methode, bei der Patient und Apotheker gemeinsam die Medikamente durchsehen, oder auch das Häusliche Medikationsmanagement. Noch sind die Reaktionen auf diese neue Dienstleistung der Apotheke kontrovers. Sie müsse im lokalen Umfeld mit Fingerspitzengefühl kommuniziert und Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden, so Krüger.


bf



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DAZ 2012, Nr. 12, S. 76

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