Immunologie

IRF5-Blocker gegen Autoimmunerkrankungen?

London - 24.01.2011, 14:51 Uhr


Der Transkriptionsfaktor IRF5 spielt wahrscheinlich eine zentrale Rolle bei der Entstehung mehrerer Autoimmunerkrankungen, wie Experimente mit Makrophagen und Knock-ot-Mäusen ergeben haben. Die Zellbiologin Irina Udalova am Imperial College in London behauptet, IRF5 sei der Hauptschalter für die Genexpression bestimmter Immunzellen und sei ein idealer Angriffspunkt für neue entzündungshemmende Arzneimittel.

Das Kürzel IRF steht für Interferon Regulatory Factor. Die verschiedenen IRF beeinflussen unter anderem die Polarisierung von Makrophagen und deren Produktion immunologischer Botenstoffe; somit spielen sie eine wichtige Rolle bei der immunologischen Abwehr mithilfe von Entzündungsreaktionen, aber auch bei der Entstehung bestimmter Autoimmunerkrankungen. Bezüglich IRF5 war bereits bekannt, dass eine höhere Konzentration, die auf einem Polymorphismus des kodierenden Gens beruht, mit einem größeren Risiko für Autoimmunerkrankungen korreliert. Dies war der Ausgangspunkt der experimentellen Studien von Udalova und ihrem Team. An in vitro kultivierten menschlichen Makrophagen variierten sie durch den Einbau zusätzlicher IRF5-Gene die IRF5-Synthese, worauf die Zellen auch mehr Entzündungsmediatoren produzierten und freisetzten. Ferner fanden sie heraus, dass M1-Makrophagen mehr IRF5 synthetisieren als M2-Makrophagen und dass ihre größere immunologische Aktivität vor allem auf diesem Unterschied beruht.

Über den Wirkungsmechanismus von IRF5 ist derzeit Folgendes bekannt: Es aktiviert direkt die Synthese der Interleukine IL-12 und IL-23, während es die Synthese von IL-10 unterdrückt. Dadurch verstärkte es indirekt die Differenzierung von aktivierten T-Lymphozyten zu TH1-Zellen und TH17-Zellen, die potente Entzündungsmediatoren wie Interferon-gamma produzieren. Die vor Kurzem erstmals beschriebenen TH17-Zellen sind insbesondere für chronische Immunprozesse, wie sie bei Autoimmunerkrankungen vorliegen, von Bedeutung.

Versuche mit gentechnisch veränderten Mäusen, die kein IRF5 synthetisieren, bestätigten die In-vitro-Versuche von Udalova und ihrem Team: Die Mäuse synthetisierten weniger Entzündungsmediatoren.

Da IRF5 für die Genese mehrerer Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn, Lupus erythematodes und multiple Sklerose wesentlich mitverantwortlich ist, meint Udalova, dass es das ideale Target für die Entwicklung neuer Arzneimittel für eine kausale Therapie dieser Krankheiten darstellt.

Zu anderen IRF siehe: Chronisch entzündliche Erkrankungen: Wie Asthma entsteht und Autoimmunerkrankungen: Wie Viren zu Diabetes führen.

Quelle: Krausgruber T, et al. IRF5 promotes inflammatory macrophage polarization and TH1-TH17 responses. Nature Immunology 2011; DOI: 10.1038/ni.1990.


Dr. Wolfgang Caesar


Das könnte Sie auch interessieren

Wirkstoffe und ihr klinischer Einsatz

Immunmodulatoren und Immunsuppressiva

Wie Autoimmunerkrankungen entstehen

Der Feind im eigenen Körper

Wie überschießende Immunreaktionen bei COVID-19 verhindert werden sollen

Gefürchteter Zytokinsturm

Von der unspezifischen Aktivierung zu passgenauen Checkpoint-Inhibitoren

Antikörper-Offensive gegen Krebs