Grippesaison 2010/2011

RKI: Auch Schwangere sollen sich impfen lassen

Berlin - 13.09.2010, 13:15 Uhr


Zu Beginn der neuen Grippesaison sollen sich nicht nur wie jedes Jahr medizinisches Personal, chronisch Kranke und ältere Menschen, sondern erstmals auch Schwangere impfen lassen. Darauf hat das Robert Koch-Institut (RKI) hingewiesen.

Nach der Empfehlung des RKI sollen sich Schwangere mit Vorerkrankungen bereits im ersten Drittel der Schwangerschaft gegen Grippe impfen lassen. Bei Frauen ohne Grunderkrankungen sei eine Grippeschutzimpfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zu empfehlen, sagte Wichmann. Die Erfahrungen mit der H1N1-Infektionswelle im vergangenen Winterhalbjahr 2009/2010 hätten ein deutlich erhöhtes Influenza-Risiko für Schwangere aufgezeigt. So lag die Quote der Krankenhausaufenthalte bei Schwangeren mit 27 Prozent um das 6,5-fache über der Gesamtbevölkerung. Drei Mal häufiger erkrankten Schwangere an Lungenentzündungen.

Prof. Dr. Klaus Cichutek, Präsident des für die Impfstoffqualität zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), geht von einer „guten Verträglichkeit“ des neuen Grippeimpfstoffs aus, der bereits den Schutz gegen die „Schweinegrippe“ enthält. Eine Extra-Impfung gegen H1N1 wie im vergangenen Jahr sei daher nicht erforderlich. Als übliche Nebenwirkungen einer Grippeschutzimpfung könnten Rötungen an der Einstichstelle, Müdigkeit und leicht erhöhte Temperatur auftreten. Diese Symptome träten aber nur für wenige Tage auf, da der neue Impfstoff keine Adjuvantien enthalte. Nur der Impfstoff für altere Menschen über 60 Jahre enthalte Adjuvantien. Cichutek empfahl Personen, die sich gegen die Schweinegrippe in der vergangenen Grippesaison haben impfen lassen, mit dem neuen Serum eine Auffrischung des Impfschutzes vorzunehmen.

Gemäß den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO setzt sich der Impfstoff der Saison 2010/2011 aus den Antigenen weltweit zirkulierender Varianten folgender Viren zusammen: A/California/07/2009 (H1N1), A/Perth/16/2009 (H2N2) und B/Brisbane/60/2008.

Die vergangene Grippesaison habe gezeigt, dass der Verlauf einer Grippewelle und Pandemie wie im Fall der Ausbreitung der „Schweinegrippe“ nur „sehr schwer vorhersagbar“ sei, sagte RKI-Präsident Reinhard Burger. Insgesamt sei die „Schweinegrippe“ harmloser verlaufen als befürchtet: „Wir haben Glück gehabt.“

Statistisch lag die Grippesaison 2009/2010 im langjährigen Vergleich im Mittelfeld: Es gab ca. 2,9 Millionen Influenza-bedingte Arztbesuche, etwa 1,5 Millionen Krankschreibungen und 5.300 Krankenhauseinweisungen. Wegen der hohen Zahl der damit verbundenen Lungenentzündungen seien die Beatmungsplätze in den Kliniken aber „am Rande der Kapazität“ gefahren worden, sagte Burger. Über die Zahl der Todesfälle liegen noch keine exakten Angaben vor. Erste Anzeichen deuteten jedoch nicht auf einen überdurchschnittlich starken Anstieg hin, sagte Dr. Silke Buda von der Arbeitsgemeinschaft Influenza.

Cichutek wies ausdrücklich darauf hin, dass es als Folge der Impfung gegen die Schweinegrippe zu keinen Todesfällen gekommen sei. 54 gemeldete Verdachtsfälle hätten sich nicht bestätigt. Der PEI-Präsident: „Kein Todesfall steht mit der H1N1-Schutzimpflung im Zusammenhang.“


Lothar Klein


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