Korruption im Gesundheitswesen

Betrüger sind immer einen Schritt voraus

Berlin - 18.02.2010, 14:41 Uhr


Die KKH-Allianz hat im vergangenen Jahr 818 Fälle von Betrügereien zu ihren Lasten aufgedeckt. Der Schaden belief sich auf fast eine Million Euro – mehr als ein Viertel der Summe fällt auf schwarze Schafe in der Apothekerschaft zurück.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Kassen zu betrügen: Die Abrechnung von Behandlungen, die nie stattgefunden haben und die Manipulation von Rezepten sind nur zwei Beispiele. Doch viele Kassen sind angesichts ihrer häufig ohnehin schwierigen finanziellen Situation findig im Aufspüren solcher Fälle geworden. So meldet die KKH-Allianz, sie habe letztes Jahr 818 neue Fälle aufgedeckt, in 106 sei Strafanzeige gestellt worden. Den Schaden beziffert die viertgrößte bundesweite Kasse auf 913.470 Euro. Immerhin 500.763 Euro hiervon habe man sich schon zurückholen können.

Am häufigsten wurde gegen Physiotherapeuten ermittelt (228 Fälle). In 128 Fällen gingen die Kassen-Ermittler gegen Ärzte vor. Im Bereich der häuslichen Pflege gab es 81 Fälle zu verzeichnen. Es folgen Apotheker (67 Fälle) und Zahnärzte (37 Fälle). Die größte Schadenssumme im Jahr 2009 verursachten allerdings Betrugsfälle von Apothekern mit 270.000 Euro, gefolgt von unzulässiger Zusammenarbeit zwischen den Leistungserbringern mit 121.000 Euro und stationären Krankenhausfällen mit 92.000 Euro.

Als Beispiel für eine illegale Absprache zwischen Leistungserbringern nannte der KKH-Vorstand Ingo Kailuweit den Fall eines Hausarztes, der im Zusammenwirken mit mehreren Apotheken Verordnungen über Wachstumshormone ausgestellt habe, ohne dass diese bestellt und abgegeben wurden. Das Ermittlungsverfahren über diese „Luftrezepte“ laufe noch. 

Schätzungen gehen davon aus, dass den Kassen durch kriminelles Fehlverhalten jährlich ein Schaden zwischen sechs und 20 Milliarden Euro entsteht. Trotz wachsender Aufmerksamkeit für das Problem und Bemühungen des Gesetzgebers lassen sich Betrug und Korruption im Gesundheitssystem offenbar kaum eindämmen. „Die schwarzen Schafe der Branche sind dem Gesetzgeber immer einen Schritt voraus und entwickeln ständig neue Methoden“, so Kailuweit. So sei derzeit etwa verstärkt zu beobachten, dass sich einzelne Ärzte mit einem Trick am Gewinn von Sanitätshäusern oder Hörgeräteakustikern beteiligen und dort gezielt ihre Patienten hinschicken: „Dazu gründen sie über ihren Ehepartner oder einen Treuhänder eine GmbH und verschleiern so, dass sie finanziell profitieren“, so Kailuweit Teilweise böten Treuhänder Ärzten ihre Dienste zur Gründung einer GmbH bereits systematisch und offensiv an.


Kirsten Sucker-Sket


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